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Album Reviews



 
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Ingobert Waltenberger
Online Merker, March 2017

„Das entsetzliche Stimmgewirr der Jetztzeit“ war eine der Eigensichten Mahlers über seine neunte Symphonie. In dem nach wie vor von Anlage, Fragmentierung und Parallel-Mikrokosmen her hochmodernen Werk geht es weniger um Abschied, als um die Erkenntnis der Vergeblichkeit menschlichen Strebens. Wie später bei den Existenzialisten birgt der Zweifel an Transzendenz aber auch eine klammheimliche Lust, das Leben in Momenten zu feiern, in andern darf auch melancholisch verzagt oder wütend mit der Einsicht gehadert werden. Natürlich gibt es autobiographische Schlüssel zum Verständnis. Die Bedingtheiten der damaligen Welt, die der heutigen in vielem so ähnelt, die Unübersichtlichkeit des Jetzt, werden ebenso zu in Form gegossener Klanglandschaft. Mariss Jansons geht folgerichtig primär vom Absoluten dieser Musiken aus, setzt sie in einen strukturierten Rahmen und lässt die Seelenasche in dunkler Sonne blitzen, mächtige Ruinen, aus deren Hitze sich ein müder Phönix erhebt. Wie Wetterleuchten des Lebens taumeln die Motive, Polyphones und verzerrte Ländler, „Variationen, Verdichtungen, Steigerungen und Krisen“.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks füllt das pittoreske symphonische Gemälde mit einer unendlich differenzierten Farbpallette, fein im Strich, mutig im Kontrast und irisierend in der Abmischung. In den über 80 Minuten Spielzeit nehmen die vorzüglichen Musikerinnen und Musiker die „Sprachanweisungen“ des wissenden Dirigenten minutiös auf und wandeln sie in ein Bekenntnis zur conditio humana. Berührend, intim und dennoch universell ist diese Interpretation, mit der Jansons und seine Bayerische Edel-Phalanx wohl endgültig im Mahler Olymp angekommen sind.

Die Symphonien Nr. 1 und 7 sind in dieser Reihe ebenfalls erhältlich. © 2017 Online Merker




Remy Franck
Pizzicato, September 2012

Bernard Haitink, zum Zeitpunkt der Aufnahme 82 Jahre alt, beginnt die Neunte ziemlich entspannt. Doch gleichzeitig weiß er, aus langer Erfahrung und Altersweisheit schöpfend, um die Geheimnisse dieser Musik. Er weiß, wo Spannung aufgebaut werden muss, wo sie entladen wird. Er bemüht sich um Details, die anderen unwichtig erscheinen und lässt Effekte aus, die Kollegen zur Steigerung der Wirkung nicht missen wollen. Er weiß, wo Ruhe mehr bringt als aufgereiztes Musizieren. Er erzählt auf diese Weise eine Geschichte, die zusammenhält.

Der zweite Satz ist wiederum eher entspannt und stellenweise sogar direkt anmutig, als derb und täppisch wie Gustav Mahlers Angaben lauten, obschon es ganz besonders schöne und ausgeprägte Exempel von sogar drolliger Tappigkeit gibt.

Die Rondo-Burleske gewinnt durch klangliche und atmosphärische Diversifizierung, ohne Aufputschen des Grotesken und mit vielen reflektiven, nach innen gekehrt Momenten und kraftvollem Dahineilen.

Im relativ schnell genommenen Adagio-Finale drückt Haitink nicht auf die Gefühle, aber die Tragik des Abschieds wird auch so noch sehr deutlich, selbst ohne das ergreifende Absterben der Musik, wie es Abbado etwa in Luzern so einmalig gelang. Bei Haitink verabschiedet sich Mahler nicht so vergeistigt wie bei Karajan, nicht so transzendierend schön wie bei MTT, nicht so schmerzlich-gefühlvoll wie bei Bernstein, sondern fast gelöst und im Frieden mit sich und der Welt. Eine durchaus ernst zu nehmende These voller Altersweisheit! © 2012 Pizzicato





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