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Album Reviews



 
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Gerhard Persché
Opernwelt (Germany), February 2015

Christian Gerhaher mag selbst etwas von Faust haben. Auch er ist, wenn man so will, ein Grübler, ein unaufhörlich Suchender. Nur ein nach Macht gierender Mensch ist er nicht, doch davon später. Jedenfalls war auch sein Don Giovanni in Frankfurt kein planes Abbild eines Sexmächtigen, sondern eher ein im Eros verschlissener, nachdenklicher, ja brütender Antiheld. Don Juan und Faust, zwei Seelen wohnen, ach…: «Es geht Faust nicht nur um Erkenntnis, sondern auch ganz stark em Erleben. Dieses sinnliche Erleben ist meist ein unterrepräsentierter Aspekt des ‹Faust›-Dramas…», so Gerhaher im Booklet dieser Live-Aufnahme von Schumanns «Szenen aus Goethes Faust». Es gehe um Liebe, sinnliche Erkenntnis, um höchste Schönheit, aber auch um Politik und Macht, sogar um Landgewinn. Faust müsse «den ganzen Horizont menschlicher Gier und Neugier anschreiten».

Dies faszinierte schon Robert Schumann an Goethes eigentlich als Lesedrama geplanter Tragödie, vor allem an deren allegorisch-transzendentem zweiten Teil, aus dem er auch die Hauptlast dieses Werks bezog. Lange Jahre kampfte der Komponist mit der Materie; eine Oper sollte es ursprünglich werden und wurde dann zum genialen Mixtum compositum, changierend zwischen Oratorium, literarischer Kantate und Chor-Symphonie.

Dreimal hat Christian Gerhaher dieses Konvolut aus zugefeilter Goethe-Szenerie uns stilistisch so mannigfaltiger, oft ins Neuland drädender Musik nun bereits aufgenommen, mit Harnoncourt (Concertgebouw) und mit Daniel Harding (für die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker) sowie in der vorliegenden Einspielung mit dem BR-Orchester. Der Bariton prägt auch diese Aufnahme mit seiner großartigen Artikualionskultur (bloß sein rollendes Zungen-R scheint ab und ein wenig übertrieben); den «Manager» Faust–der sein «Zum Augenblicke dürft’ich sagen» notabene im Moment höchsten Machtgefühls ausspricht–zeichnet er gegen die Intentionen Goethes, doch ganz im Sinn von Schumanns Musik, idealistisch. Auch Christiane Karg singt wunderbar, bildet jedoch die Zerrissenheit Gretchens zu wenig ab. Und Alastair Miles, ebenfalls prächtig bei Stimme, spielt das Dämonische beim doch eigentlich eiskalten Zyniker Mephisto allzu vordergründig aus. Daniel Harding wiederum liest Schumanns so vorandrägende wie zwiespältige Partitur mir Verstand; Harnoncourts verehrend widerborstige, die Genialität des Werks ebenso wie dessen Brüche betonende Exegese erreicht er jedoch nicht. © 2015 Opernwelt (Germany)




Alain Steffen
Pizzicato, January 2015

Dass wir dieser an sich phantastischen Einspielung von Schumanns ‘Szenen aus Goethes Faust’ nicht die Bestbenotung zukommen lassen können, liegt an dem qualitativen Unterschied, der zwischen den Sängern der Hauptpartien (Gerhaher, Karg, Miles) und denen der kleineren Partien herrscht. Vor allem Christiane Karg, neuer Stern am Opern-, Lied- und Konzerthimmel überzeugt uns zu hundert Prozent. Konkurrenzlos ist natürlich auch Christian Gerhaher, der im Laufe der Jahre immer besser wird und gestalterisch zu besten Sängern gehört, die ich je erlebt habe. Daniel Harding bringt das Orchester quasi zum Brennen und holt aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks wirklich alles heraus. Der Chor singt, als ginge es um sein Überleben, so dass auch hier nur allerbester Gesang geboten wird. Spannung, Dynamik und Klangqualität dieses Live-Mitschnitts sind in jedem Moment beachtenswert.

So hat man auch als Hörer sehr oft das Gefühl, an einem einmaligen, herausragenden musikalischen Ereignis teilzuhaben. Aber leider nicht durchgehend, denn Bernarda Fink, Andrew Staples, Kurt Rydl, Tareq Nazmi und Mari Eriksmoen bleiben hinter den Erwartungen zurück. Trotzdem kann man diese Schumann-Aufnahme empfehlen. Denn das was uns Harding, der Chor und das Orchester des BR sowie die drei Hauptprotagonisten hier bieten, ist ‘allererste Sahne’. © 2015 Pizzicato





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