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Album Reviews



 
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Alain Steffen
Pizzicato, November 2015

Dieser Münchner Konzertmitschnitt unter Sir Simon Rattle ist wohl eine der besten Aufnahmen vom ‘Rheingold’ in den letzten vierzig Jahren. Rattle entpuppt sich ab den ersten Minuten als waschechter Wagnerianer, dem es nicht auf orchestrale Pracht, sondern vielmehr auf dynamische Abstimmungen, lebendiges Musizieren und einen transparenten Klang mit enormer Durchhörbarkeit ankommt. Die Tempi sind relativ zügig.

Gegenüber dem etwa zeitgleich veröffentlichen ‘Rheingold’ aus Hongkong unter Jaap van Zweden, besitzt Rattle die bessere Sängercrew und mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks auch das bessere Orchester.

Michael Volle ist ein traumhafter Wotan und nach den eher unglücklichen Versuchen der letzten Jahre, mit Falk Struckmann und Albert Dohmen hochkarätige deutsche Wotan-Sänger aufzubauen, eine stimmliche und darstellerische Offenbarung. Volle knüpft mit seiner klugen Gestaltung und seinem heldischen Bariton an Vorgänger wie Theo Adam, Jerome Hines oder Hans Hotter an. Somit ist die Latte für die anderen Sänger bereits sehr hoch angelegt. Doch Volles Mitstreiter haben keine Probleme, auf diesem Niveau mitzuhalten. Zur Freude des Zuhörers gibt es in diesem ‘Rheingold’ keine einzige Schwachstelle und durchwegs nur guten bis hervorragenden Gesang. Besonders hervorheben muss man an dieser Stelle die beiden Tenöre Burkhard Ulrich als wendiger, verschlagener Loge und Benjamin Bruns als lyrisch-belcantonesker Froh. Thomas Konieczny singt einen der besten Alberichs der Plattengeschichte und besticht durch eine junge, frische und unverbrauchte Stimme. Elisabeth Kulman (Fricka), Annette Dasch (Freia) und Janina Baechle (Erda) sind alle drei hervorragend. Als Fasolt hören wir Peter Rose und als Fafner Eric Halfvarson, der unter Rattle erstaunlich genau und ‘schön’ singt. Auch die übrige Besetzung lässt keine Wünsche offen. © 2015 Pizzicato



D. Zweipfennig
Online Merker, October 2015

Eigentlich muss man mit dem Orchester beginnen, um die Meriten dieser Live-Aufnahme vom 24. und 25. April 2015 aus dem Herkulessaal in München richtig würdigen zu können. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist eines der besten Orchester der Welt, das weiß jeder. Aber was bei diesem quasi unter Studiobedingungen entstandenen Rheingold-Mitschnitt aus München orchestral in die Waagschale geworfen wird, lässt nicht nur Wagner-Herzen spontan jubeln. Streicher, Holz, edles Blech, alle stehen im unbedingten Dienste dieses witzigen kühnen Vorabends zu „Der Ring des Nibelungen“. Und Sir Simon Rattle ist bei Rheingold in seinem ureigensten Element. Eher die strukturelle Modernität dieser Partitur betonend als schon jetzt hochromantisch aufzutrumpfen, ist seine Sache. Und das bekommt dem Rheingold bestens, zumal auch die Aufnahmezauberer der Bayerischen Rundfunks (Tonmeister Pauline Heister, Toningenieur Peter Urban) wahre Wunder vollbringen. Bei aller Prägnanz der Stimmen ist das Klangbild vollkommen klar, durchsichtig und mit dem Orchester bestens abgemischt. Eine Pioniertat und Trumpf moderner Aufnahmetechnik, so natürlich wurden Stimmen und ihre spezifischen Farbqualitäten selten eingefangen.

Und ja die Sänger: Fast durchwegs eine Traumphalanx, die beinahe jeden Wunsch eingefleischter Wagnerianer Wirklichkeit werden lassen: Michael Volles männlich kerniger Wotan schließt nahtlos an George London an. Tomasz Konieczny ist in der Rolle des Alberich goldrichtig eingesetzt, sein leicht exotisch dunkel drängendes Timbre passt so richtig zum Nachtalben und Drahtzieher des Untergangs. Da stören auch so manche Vokalverfärbungen nicht so sehr. Unser Herwig Pacoraro aus der Wiener Staatsoper ist ein Mime, wie es besser nicht geht. Von Diktion, Witz, rezitativisch kluger Disposition bis Schönheit des Tons, nicht fehlt. Burkhard Ulrich bringt für die Partie des Loge nicht Edelklang ein, versöhnt aber mit einer dramaturgisch und in der Wortausdeutung beispielhaften Interpretation. Es tut der Gesamtdisposition äußerst gut, dass alle Stimmen unverwechselbar sind und so jede Rolle ein vokales Eigenprofil bekommt. Das gilt auch für die fabelhafte Frauenriege: Elisabeth Kulman als Fricka, Annette Dasch als Freia und Janina Baechle als Erda formen signifikante Charaktere aus ihren jeweils unverwechselbaren stimmlichen Mitteln. Besonders Elisabeth Kulman ist ein in jeder Hinsicht idealer Wagner-Mezzo: Ruhige Stimmführung, Luxusstimme, wohldosierte Artikulation. Hoffentlich steht sie—wenn schon nicht auf der Bühne—so doch noch oft für konzertante Opernaufführungen oder im Studio zur Verfügung.

Pure Freude bereiten auch die Rheintöchter: Mirella Hagen als Woglinde, Stefanie Irányi als Wellgunde und Eva Vogel als Floßhilde. Die Männerriege rundet sich luxuriös mit Peter Rose (Faslot), Eric Halvarson (Fafner) und Benjamin Bruns (Froh). Die Partie des Donner (Christian Van Horn) hat man schon besser singen gehört. Das trübt aber die insgesamt herausragende Qualität und den fabelhaften Gesamteindruck dieser Neuerscheinung nicht. © 2015 Der Neue Merker




Werner Pfister
Fono Forum, October 2015

Mit seinem erst dritten Gastspiel beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im April 2015 sorgte Sir Simon Rattle mit Wagners „Rheingold“ für einen späten Saisonhöhepunkt. Einfach alles stimmte: die Chemie zwischen dem Dirigenten und dem Orchester sowie die Sängerbesetzung. Mochte Wagner auch der Staatskapelle Dresden das schmeichelnde Attribut von der „Wunderharfe“ verliehen haben—an diesen beiden „Rheingold“-Abenden war es das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, welches sozusagen über sich hinaus wuchs und ungeahnte orchestrale Wunder und Wonnen vollbrachte.

Von allem Anbeginn an zielt Rattles Dirigat in Richtung eines musikalischen Konversationsstücks. Und um die Klangrede im Fluss—und unter Spannung—zu halten, wählt er vergleichsweise vitale Tempi. Das lebt und webt im Orchester, funkelt und leuchtet bereits im Es-Dur-Vorspiel, wo die (Klang-)Farben des Rheins hundertfältig durch sonniges Licht gebrochen werden. Und man möchte betonen: des noch jungen Rheins, der sprudelt und schäumt, kristallklar rein und noch unbelastet von späteren Schadstoffen. Genau in diesem Ton setzten die drei Rheintöchter ein—ein stimmlich wie auch im Ausdruck vorbildlich aufeinander eingespieltes Nixentrio (kaum zu glauben, dass zwei von ihnen kurzfristig eingesprungen waren). Einen markanten Gegenpol dazu bietet Tomasz Konieczny als Alberich: Mit kraftvoller, machtgebietender Stimme windet und krümmt er sich sozusagen durch alle Stadien des an ihm begangenen Betrugs. Seine höhnische Entsagung der Liebe, seine desillusionierte Verfluchung des Rings sind—auch rein stimmlich—mitreißende Höhepunkte in dieser Aufführung.

Aber genauso intensiv wirken dank Rattles magischer Gestaltung die vielen eher leisen, nachdenklichen, nach seelischer Innenschau ausgerichteten Stellen. Man staunt einmal mehr, wie viel im „Rheingold“ piano und pianissimo notiert ist—und wie faszinierend das sein kann. Unnachahmlich, wenn Wotan langsam aus seinen Träumen erwacht („Der Wonne seligen Saal“): Michael Volle intoniert das wie ein tagträumender Wanderer aus Schuberts Welten. Man hängt förmlich an seinen Lippen, versteht und genießt jedes Wort, kriegt jede durch Wortbedeutungen und Emotionen bedingte Schattierung seiner Stimme hautnah mit. Volles Wotan ist so ziemlich in allem das Gegenteil eines präpotenten Großmaules, obwohl er stimmlich durchaus ehrfurchtgebietend zulangen kann. Hört man ihn singen und sinnen, so spürt man zwischen den Zeilen und in Untertönen bereits jene Götterdämmerung, die zwei Theaterabende später sein Ende besiegeln wird. Großartig.

Ebenso Elisabeth Kulman als Fricka—auch das eine Rollendarstellung, die sich Erfahrungen aus dem Liedgesang fruchtbar zunutze macht, ohne oberflächliches Gattinnen-Gekeife, denn sie ist (auch stimmlich) eine Frau in besten Jahren, wohlüberlegt und hochdifferenziert im Singen und Sagen. Überhaupt möchte man das Phrase für Phrase bedeutungsintensiv ausgewogene Miteinander von Singen und Sagen als Richtschnur dieser Aufführung bezeichnen. Auch Burkhard Ulrich (Loge) und Herwig Pecoraro (Mime) exzellieren in dieser musikdramatischen Kunst, sodass ihre große Auseinandersetzung mit Wotan in der dritten Szene zu einem echt theatralischen Höhepunkt gerät. Und das Orchester spielt hier derart pointiert und lustvoll mit, dass man bei mancher Stelle meint, Rattle schmunzeln zu sehen. Als Zuhörer fühlt man sich fast wie in einem Märchen. Auch Fafner und Fasolt, Froh und Donner haben echtes Märchenformat, alle mit prächtiger stimmlicher Darstellungslust. Zudem ist der Mitschnitt klangtechnisch überragend gelungen—einerseits mit einem großräumigen Klangbild, worin sich die Musik jederzeit frei entfalten und ausschwingen kann, und andererseits mit einer Präsenz der Sänger, die der Handlung gleichsam eine szenische Unmittelbarkeit verleiht. Was möchte man mehr? © 2015 Fono Forum





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