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Album Reviews



 
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Werner Pfister
Fono Forum, June 2016

Musik:
Klang:

Schade, alles lässt sich so gut, ja einzigartig an. Wie Mariss Jansons den Beginn von Dvořáks „Stabat mater“ aus dem einen Ton entwickelt, wie er die Harmonien sozusagen aus dem Moment entstehen lässt und die Klangfarbenvielfalt der einzelnen Instrumente mit durchaus sinfonischem Gespür in den grandiosen Aufbau dieses ersten Satzes integriert, das alles ist herausragend, verdient fünf Bewertungssterne. Und der Chor des Bayerischen Rundfunks unterstreicht diesen hervorragenden Eindruck mit fülligem Wohllaut—ein wahres Wunder an klangschönem, selbst im feinen Pianissimo hervorragend fokussiertem Chorgesang.

Da hört man mit ungeteilter Aufmerksamkeit und Begeisterung zu—bis der Tenor Christian Elsner seinen ersten Einsatz hat und damit die bisherigen Eindrücke gründlich zerstört. Ein blechernes Timbre, das auf eine ausgesungene Stimme schließen lässt. Auch Mihoko Fujimura hat sich schon in besserer stimmlicher Verfassung präsentiert, und Liang Lis eher seichtem Bass wünschte man viel mehr profunde Autorität. Bleibt Erin Wall, die mit gepflegter Sopranstimme wenig Aufhebens macht. Gemessen an den Höhenflügen, auf die uns Chor und Orchester mitnehmen, fliegt man, sowie die Gesangssolisten das Zepter übernehmen, nurmehr in Erdennähe. Eine herbe Enttäuschung. Denn Mariss Jansons erweist sich dem Werk als ein idealer Interpret. Ihm gelingt selbst das Kunststück, die immer wieder auftauchenden folkloristisch eingefärbten Melodieelemente Dvořáks, die in weniger kompetenten Interpretationen oft wie ein Fremdkörper wirken, in den geistlichen Charakter des Werks einzubinden. Darin ist dieser Mitschnitt exemplarisch. © 2016 Fono Forum



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, January 2016

Man nehme einen der besten Chöre der Welt, ein ebensolches Orchester und einen herausragenden Dirigenten mit einen genuinen musikalischen slawischen Gen, der bei präzis-empfindsamer Anleitung alle zusammenschweißt, aber gleichzeitig auch Raum lässt zu tun, „wie ihnen der Schnabel gewachsen ist“. Mit der herausragenden Aufnahmetechnik des Bayerischen Rundfunks ergibt das bei einem so komplexen sakralen Werk wie dem Dvorakschen Stabat Mater ein echtes akustisches Wunderding. Aber auch die religiöse Komponente kommt unmittelbar und bewegend zum Ausdruck, sodass die CD wie ein klingendes Gebet zum Innehalten und ruhigen Betrachten einlädt.

Mariss Jansons hat das Stabat Mater 2015 öfter aufgeführt. Die vorliegende CD ist eine Live-Aufnahme aus der Konzertserie aus München, Herkulessaal der Residenz, vom 24. bis 26. März. Die CD ist nicht zu verwechseln mit der auf DVD/Blu-ray erscheinenden Aufnahme desselben Werks mit identer Besetzung. Jansons hatte nämlich auch im Rahmen des Lucerne Festivals 2015 Antonín Dvořáks großes geistliches Werk aufgeführt. Es musizieren auf all diesen Tonträger-Varianten das Symphonieorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks. Die Solisten sind Erin Wall (Sopran), Mihoko Fujimura (Mezzosopran), Christian Elsner (Tenor) und Liang Li (Bass).

Das mittelalterliche Gedicht des Stabat Mater besingt bekanntlich den Schmerz Marias unter dem Kreuz Jesu. Die rasche Fertigstellung/Orchestrierung des Werks 1877 war von dramatischen privaten Umständen des Komponsten begleitet: Am 13. August starb seine einjährige Tochter Ruzena (sie hatte aus Versehen Phosphorlösung getrunken) und nur wenige Wochen später, am 8. September, erlag der drei Jahre alte Sohn Otakar den Pocken. Die Nachwelt kann nur staunen, mit welchen musikalischen Mitteln Dvorak diesem Werk bei großer symphonisch-romantischer Anlage eine tiefe Frömmigkeit und Würde verleihen konnte. Den Schmerz des Verlusts hat Dvorak in pure vokale Schönheit gießen können und damit eines der bedeutendsten sakralen Meisterwerke des 19. Jahrhunderts geschaffen. Die Hauptrolle in diesem 10-sätzigen Stabat Mater trägt der Chor, der Trauer und Klage besingt, aber auch Klänge des Trosts und der Hoffnung kontemplativ in dem Raum stellt. Der Chor des Bayerischen Rundfunks (Einstudierung Michael Gläser) singt klangschön und machtvoll, lupenrein intonierend und mit homogen ausgewogenen Stimmgruppen. In den harmonischen und dynamischen Steigerungen verfügt er über schier endlose Reserven. Die metaphysische Dimension der Komposition kommt durch diese chorische Sonderleistung besonders zum Ausdruck. Überwältigend die Schlussfuge „Jesu, wann mein Leib wird sterben, Lass dann meine Seele erben Deines Himmels Seligkeit.“

Die Solisten fügen sich mit Anstand ins Geschehen, für das Altsolo im 9. Satz hätte ich mir allerdings eine Sängerin mit weniger Tremolo gewünscht.

Vergleichseinspielungen: Vaclav Talich, Rafael Kubelik, Guiseppe Sinopoli, Jiri Belohlahvek. © 2016 Der Neue Merker





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