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Album Reviews



 
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Andreas Friesenhagen
Fono Forum, November 2016

Musik:
Klang:

Mit seiner zweiten Sinfonie wurde Sibelius zu einer Art Nationalheld Finnlands. In den heroischen Momenten dieser Musik konnten sich seine damals um ihre Unabhängigkeit vom russischen Reich kämpfenden Landsleute offenbar wiederfinden. Dabei hatte Sibelius sicherlich nicht allein Heroismus im Sinn, als er das Werk komponierte: Inspiriert ist es von Italien, vom südlichen Licht, von mediterranen Meerespanoramen. Sibelius’ letzte „romantische“ Sinfonie ist ein heiteres, optimistisches Stück.

So ist es nur folgerichtig, wenn Mariss Jansons in diesem Konzertmitschnitt nicht die mystisch raunenden Wälder des Nordens beschwört. Er lässt seine Rundfunksinfoniker präzise und druckvoll formulieren, durchleuchtet das Stimmengeflecht, selbst um den Preis einer bisweilen übertrieben erscheinenden Kantigkeit. Das ist eine sehr konkrete, vielleicht gar plakative Aussage zu Sibelius – ein Eindruck, der durch den trockenen Klang der Aufnahme noch verstärkt wird.

Schön hingegen, wie Jansons den dramatischen Zügen des Werks auf den Grund geht, etwa in den Kontrastierungen des langsamen Satzes. Schon im Kopfsatz entwickelt er aus den abwechselnd von Streichern und Holzoder Blechbläsern vorgetragenen Passagen einen lebendigen Dialog, nicht zuletzt durch feine Modifikationen des Tempos. Weil Jansons dem Komponisten recht kompromisslos in die letzten Winkel seiner Partitur folgt, kann er den hymnischen Aufschwung im Finale umso glaubhafter inszenieren. Die verklärte Streicherepisode der Schlussgruppe allerdings bleibt bei ihm etwas zu sehr im Diesseits verhaftet.

Von den beiden mitgelieferten „Hits“, der Karelia-Suite und der Tondichtung „Finlandia“, lässt besonders Letztere aufhorchen: Jansons gibt das Stück, das von der russischen Obrigkeit seinerzeit wegen seiner nationalistischen Untertöne mit einem Aufführungsverbot belegt wurde, als grimmige Orchesterstudie, der die triumphalen Gesten nahezu ausgetrieben sind. © 2016 Fono Forum




Udo Badelt
kulturradio vom rbb, June 2016

Nationalismus, Befreiungsbewegungen: Man kennt das eher aus Ost-oder Südosteuropa. Aber auch Finnland war jahrhundertelang besetzt, erst von den Schweden, später vom Russischen Zarenreich. Und wie andernorts wollten auch hier viele Künstler mit ihren Werken dazu beitragen, die Fesseln abzuschütteln. Jean Sibelius kennt man vor allem als Komponist faszinierend-eigenwilliger, in ihrer Sperrigkeit den Hörer herausfordernder Sinfonien. Aber in einer frühen Phase schrieb er, ähnlich wie Richard Strauss, auch Sinfonische Dichtungen, denen ein “politisches” Programm unterlegt war und die unmittelbar eingängig sein sollten.

Euphorisierende Stücke

Das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks und ihr Leiter Mariss Jansons haben jetzt im hauseigenen Klassiklabel die Aufnahmen zweier Konzerte im Herkulessaal und im Gasteig von letztem Jahr veröffentlicht, die das Janusgesichtige von Sibelius schön herausarbeiten. Einerseits die Komposition “Finlandia” op. 26 und die drei Teile der Karelia-Suite, geschrieben für eine Wohltätigkeitsveranstaltung zensierter Journalisten und für eine studentische Agitationsveranstaltung in den 1890er Jahren. Euphorisierende Stücke, die mitreißen wollen und von denen eines, die “Finlandia”, bis heute als inoffizielle Nationalhymne Finnlands gilt.

Andererseits die 2. Sinfonie D-Dur op. 43, ein paar Jahre später entstanden. Hier ist nichts mehr “programmatisch”, hier befasst sich die Kunst nur mit sich selbst—und wirft alle Vorstellungen von Einleitung, Durchführung und Reprise über Bord, alle Strukturen, auf die der Hörer sonst getrimmt ist. Stattdessen quellen im ersten Satz “Allegretto” die Themen über, als ginge es darum, das Prinzip des Lebens selbst zu feiern.

Mitreißende Interpretation

Mariss Jansons versteht es, jeder Stimme seines Orchesters die gleiche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, aus jeder von ihnen das Beste herauszuholen und dabei trotzdem immer die Gesamtheit im Blick behalten. Eine gelassene, inspirierende Souveränität, mit der er eine riesige Portion jenes Spirits einfängt, der um die Jahrhundertwende im hohen Norden geherrscht haben muss und der schließlich dazu führte, dass Finnland 1917 unabhängig wurde. Die Interpretation ist so mitreißend wie die Kompositionen selbst—und ohne Abstriche zu empfehlen. © 2016 Kulturradio




Remy Franck
Pizzicato, June 2016

Eine ausgewogene, feinnervige Interpretation von ‘Finlandia’, prachtvoll gespielt vom Symphonieorchester des BR, leitet das Sibelius-Programm ein, das BR Klassik aus zwei Konzerten zusammengestellt hat. Eine ebenfalls hervorragende, stimmungsvolle und in luxuriösen Klang gekleidete Aufführung der Karelia-Suite ist nicht weniger attraktiv.

Die Zweite Symphonie beginnt mit einem sehr nervösen, spannungsvoll aufgebauten ersten Satz, der die Kontraste zwischen italienischer Verspieltheit und nordisch-lyrischer Melancholie, zwischen Elan und Passivität gut wiedergibt. Dramatisch und mit viel Innenspannung wird der zweite Satz gespielt. Recht dramatisch wirkt der zweite Satz, dem Jansons viel Steigerungspotenzial abgewinnt, ohne freilich diese Todesstudie emotional voll auszureizen. Sehr drängend und mit obsessiver Kraft dirigiert der Dirigent das nachfolgende Scherzo, das anfangs zu einer Art Totentanz wird, in die friedliche und bei Jansons fast hymnische Klänge eingebettet werden, die den Grundstein legen für die Steigerung zum doppelbödigen Finale hin, dessen Gedankenfülle hier gut und nuancenreich zum Ausdruck kommt.

Alles in allem ist dies eine klangprächtige, durchgehend spannende Sibelius-Platte. © 2016 Pizzicato





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