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Album Reviews



 
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Michael Pitz-Grewenig
www.klassik.com, March 2018

Große Innigkeit ohne Larmoyanz. Bernard Haitink wartet in Mahlers Dritter Sinfonie mit überzeugenden Altersweisheiten auf. © 2018 www.klassik.com




Remy Franck
Pizzicato, January 2017

Die erste Feststellung bei dieser Liveaufnahme der Dritten Symphonie Gustav Mahlers ist, dass Bernard Haitink nicht nur erheblich mehr Zeit für die Komposition braucht als die meisten seiner Kollegen (mit Ausnahme von Leonard Bernstein in seiner Wiener Einspielung), sondern auch deutlich länger ist als er selber in seiner Philips-Aufnahme mit dem ‘Concertgebouw Orkest’ aus Amsterdam (1966), aber ungefähr so viel Zeit braucht wie in der Einspielung mit den Berliner Philharmonikern (1992) und jener aus Chicago (2006). Dennoch wirkt die Musik nie zu lang, sie entfaltet sich organisch und ohne Zwang.

Aber an dieser Interpretation werden sich die Geister scheiden. So manchem Hörer werden die langsamen Tempi und das Bedeutungsschwangere der Interpretation missfallen. Für mich ist es—wie schon die vorangegangenen Einspielungen, insbesondere die aus Chicago—eine ganz außergewöhnlich intensive Interpretation.

Der erste Satz zieht an uns vorbei wie ein Naturschauspiel im Zeitlupentempo, sehr expressiv, zum Teil wuchtig, manchmal aber auch sehr alert und schwungvoll. Auch in den anderen Sätzen zeigt das Münchner Orchester unter Haitinks Führung eine unglaubliche Intensität, und die Musik profitiert vom großen Atem des Dirigenten. Mahlers Weltmysterium wird von Haitink einmal mehr aufregend emphatisch dargestellt. Das langsame Finale ist, wie gefordert ‘ruhevoll’ und empfunden’ und profitiert von einer steten und tief geatmeten Steigerung.

Das Orchester spielt (nicht immer ganz wackelfrei) kraft—und ausdrucksvoll, Gerhild Romberger singt und gestaltet ganz ausgezeichnet, sehr nahe am Text, und die Chöre sind tadellos. © 2017 Pizzicato




Julia Spinola
kulturradio vom rbb, January 2017

Bernhard Haitink ist ein Doyen der Mahler-Interpretation. Seine neue Einspielung der 3. Symphonie von Mahler ist die immense Erfahrung des 87-jährigen Dirigenten anzuhören.

Haitink ist kein junger Heißsporn, der dem schnellen musikalischen Effekt hinterherjagt. Seine Interpretation ist genau strukturiert und atmet eine große Weitsicht. Man spürt eine große Gelassenheit auch des Zeitempfindens.

Haitink bevorzugt durchgehende eher langsame, gedehnte Tempi. Er nimmt sich viel Zeit für die Entwicklung der symphonischen Form er gibt den Musikern viel Raum für sorgfältige Phrasierungen, die Steigerungen werden mit großem Atem aufgebaut.

Trotz der langsamen Tempi hat diese Interpretation aber nichts unangebracht Weihevolles. Altersweise heißt bei Haitink nicht, dass seine Interpretation in Würde erstarrt sei. Im Gegenteil: gerade im Adagio-Finale strömt die Musik im seidigen Klang der Streicherkantilenen. Haitink verleiht ihnen eine sehr schlichte, verinnerlichte, tiefe Emphase. Das klingt ganz wunderbar.

bis ins Kleinste durchhörbar

“Was mir die Liebe erzählt” war dieser Satz von Mahler ursprünglich betitelt, doch die programmatischen Titel stehen nur in Mahlers handschriftlicher Partitur. Für den Druck hat er sie klugerweise gestrichen. Denn mit Programmmusik hat seine Musik überhaupt nichts zu tun, auch das macht Haitink in seiner klaren und unsentimentalen Interpretation klar. Er versteht es, die ganze Heterogenität von Mahler Musik prägnant zur Geltung zu bringen, ohne doch die Zügel aus der Hand zu geben.

Schlüssig und ökonomisch entwickelt er die Formdisposition des riesenhaften Kopfsatzes mit seinen Trauermärschen und Militärkapellen, er schärft die einzelnen Charaktere, gibt dennoch nicht den übergreifenden Zusammenhang des Ganzen preis. Noch in den massivsten Klangballungen bleibt die Orchesterpolyphonie Mahlers bis ins Kleinste durchhörbar.

Herausragend besetzt

Dies ist nicht zuletzt auch ein Verdienst des fabelhaften Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Das Orchester hat eine lange Mahler-Tradition. Von seinem Chefdirigenten Mariss Jansons ist es zu einem der besten Klangkörper weltweit avanciert. Von der Virtuosität, der technischen Perfektion und der tiefen Musikalität seiner Musiker profitiert auch diese Aufnahme mit Haitink.

Das Posthornsolo im 3. Satz erfüllt Martin Angerer mit einem wunderbar warmen, erfüllten und runden Ton. Ebenso herausragend sind die Vokalpartien besetzt. Dabei ist die Alt-Partie des vierten Satzes mit seinem Nietzsche-Text durchaus heikel.

Wenn dieses “Oh Mensch” vibratoreich und tränenselig gesungen wird, ist alles verdorben. Gerhild Romberger dagegen hat ein dunkel schattiertes, aber zugleich auch verheißungsvoll schillerndes Mezzosoprantimbre, das sie mit einer schlanken Tongebung einsetzt

“Keck”

Mahlers Symphonie hat mit Nietzsches Konzeption des “Übermenschen” gar nichts zu tun. Eigentlich bringt die Textpassage, die Mahler ausgewählt hat, nur seine eigene Vorstellung einer symphonischen Weltenkonstruktion auf den Punkt. So wie die Musik dieser Symphonie aus einer Natursphäre auftaucht und sich Satz für Satz zu einem höheren Bewusstsein entwickelt, werden auch die Worte des Nietzsche-Textes zunächst wie im Traum gesungen und fügen sich dann erst zu verständlichen Sätzen zusammen.

Das Schöne und Schreckliche liegen in Mahlers Musik, die disparatesten Sphären aufeinanderprallen lässt, dicht beieinander. In den Textzeilen heißt es entsprechend: “Die Welt ist tief, tief ist ihr Weh—Lust tiefer noch als Herzeleid”. Den folgenden Satz mit dem Wunderhorn-Lied “Es sungen drei Engel” gestaltet Haitink mit den fabelhaft klaren, glockenrein intonierenden Augsburger Domsingknaben so “keck” wie Mahler es in seiner Partitur verlangt. © 2017 kulturradio vom rbb





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