Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

 
Keyword Search
 
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Simon Haasis
www.klassik.com, February 2018

Wer Rachmaninow kennt und schätzt, der muss diese neue Einspielung von Mariss Jansons abgöttisch lieben. Zu hören sind zwei der wahren drei Meisterstücke des Komponisten. © 2018 www.klassik.com



Andreas Falentin
Concerti, January 2018

Rachmaninows auf einem Gedicht von Edgar Allan Poe basierenden, die Stationen menschlichen Lebens reflektierenden „Glocken“ beziehen ihren Reiz aus den Kontrasten der pathetisch deklamierenden Solostimmen mit dem für die Entstehungszeit durchaus experimentellen, von Mariss Jansons wunderbar geschmeidig in den Klang eingebundenen expressiven Chorsatz. Schon die kurze einleitende Orchesterpassage wird zur Delikatesse, so transparent klingt sie, so zupackend wird sie musiziert, so brillant wird sie artikuliert. Große Gelassenheit herrscht dagegen bei der Wiedergabe der sinfonischen Tänze, Rachmaninows letzten Kompositionen. Hier werden die Melodielinien und Tanzrhythmen mit eher leichter Hand und großer Liebe zum Detail modelliert. So tritt die Janusköpfigkeit dieses Komponisten, sein Selbstverständnis als in der Tradition wurzelnder, dem Populären nicht Abholden Neuerer, unprätentiös ins Zentrum. © 2018 Concerti



Ingobert Waltenberger
Online Merker, January 2018

Beeindruckende Raritäten von Rachmaninov, der sie auch als seine besten Werke sah. Mariss Jansons hat die monumentalen „Glocken“ op. 35 nach einem Gedicht von Edgar Allan Poe für Solostimmen, Chor und Orchester von 1913, sowie die drei Symphonischen Tänze op. 45 aus dem Jahr 1940—das letzte vollendete Werk des 1943 in Beverly Hills verstorbenen Komponisten im Herkulessaal in München im Jänner 2016 sowie im Jänner 2017 dirigiert. Eindringliche musikalische Plädoyers für einen noch immer zu Unrecht als parfümiert verschrieenen Komponisten.

Das dunkel kupfern bis silbern klingende Glockengeläute ist untrennbar mit den goldbehaubten Zwiebeltürmen der orthodoxen Kathedralen verbunden—auf Rachmaninov dürfte dieses feierlich-mystische Erinnerungsrufen seit Kindesbeinen an einen immensen Eindruck hinterlassen haben. Im Gedicht werden die Klänge von Schlitten-, Hochzeits-, Feuer- und Totenglocken beschworen. Diese Glocken symbolisieren in Sergey Rachmaninovs Chorsymphonie die vier schicksalshaften Lebensphasen: die unbeschwerte rauschhafte Jugendzeit, die Partnersuche samt Hochzeit, die grausame Lebensrealität samt Lebenskämpfen und hilflosem Protest gegenüber Unglück, Elend und Katastrophen sowie den Tod. Das Stück unter Mitwirkung von Sopran (Tatiana Pavlovskaya), Tenor (Oleg Dolgov) und Bariton (Alexey Markov) basiert auf dem gleichnamigen Gedicht Edgar Allan Poes in einer freien russischen Übersetzung von Konstantin Balmont. Die symphonische Dichtung weist symbolistische und futuristische Elemente auf, der dritte Satz scheint den ersten Weltkrieg ahnend vorwegzunehmen.

Die märchenhaften Symphonischen Tänze für großes Orchester entstanden 1940 auf Long Island. Der erste Satz zitiert aus der ersten Symphonie, der zweite dokumentiert klingend die Jahre zwischen der Jahrhundertwende und der Russischen Revolution, der dritte koppelt das „Dies irae“ mit dem byzantinischen Abendlob „Gesegnet sei der Herr.“ Diese mit „Alleluja“ betitelte Sequenz trägt auch den Sieg über das Jüngste Gericht davon. „Ich danke dir, Gott“ steht programmatisch unter der abgeschlossenen Orchesterpartitur.

Mariss Jansons mag wohl als idealer Deuter und Seher dieser Musik gelten. Der wahre Grandseigneur unter den heutigen Dirigenten verfügt über eine Eleganz der Interpretation und eine aristokratische Aura, wie sie früher etwa Carlo Maria Giulini auszeichneten. Mariss Jansons Musizieren nimmt unmittelbar durch eine von innen leuchtenden Glut und eine existenzielle Notwendigkeit gefangen. Man muss nicht mit jedem Detail seiner Sicht einverstanden sein, aber die Ehrlichkeit und Demut mit und vor der Partitur wird diesem großen Künstler niemand absprechen können. Wir wollen ganz herzlich zum kommenden Geburtstag gratulieren und uns in Dankbarkeit neigen. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, eines der vier deutschen Spitzenorchester, beschert beginnend mit den silbernen Streichern über das dunkle Holz und das brillante Blech einen instrumentalen Rausch sondergleichen. Wie so oft bei diesem Komponisten mischen sich orientalisch inspirierte Klänge in die schäumenden Orchesterwogen. Nicht zu überhören ist, dass Rachmaninov bei diesem Werk auf eine schon 1915 begonnene Ballettpartitur zurückgriff. Für Raritätensammler und Freunde höchster Orchesterkultur! © 2018 Online Merker




Remy Franck
Pizzicato, December 2017

Die Geschichte dieses fantastischen Kleeblatts ist eine der Freundschaft. Sie kennen einander seit Kindesbeinen an und entschlossen sich vor etwa sechs Jahren, ihr Leben dem Quartettspiel zu widmen. Nicht weil sie einander ähnlich sind, sondern weil so unterschiedliche Persönlichkeiten zueinander fanden, die das Musizieren unvergleichlich lebendig und elektrisierend machen. Das Quartett ist nach dem katalanischen Komponisten Robert Gerhard benannt, einem in Valls geborenen Schüler von Arnold Schoenberg. Dessen Entschlossenheit und Zugehörigkeit zur damaligen Avantgarde waren auch die Identifikationsanker für das frisch gebackene Quartett.

Dem unglaublich dichten Konzertkalender nach wird das Ensemble allein in der ersten Jahreshälfte 2018 in Basel, Barcelona, Avignon, Vila-Seca, Paris, Neuwied, Hannover, Berlin, Heidelberg, Badajoz, Tarragona, Madrid, Bilbao, Sevilla, Hamburg, Esplugues de Llobregat, Arles, Palma de Mallorca, Valldemossa, Vic, Montpellier, Hitzacker und Wissembourg auftreten. Chapeau!

Das Programm der neuen CD reicht von Schumann über Berg bis zu Kurtág. Das Besondere am Quartet Gerhard ist ihre glühende Intensität in Spiel und Ausdruck, ein bohrendes und brodelndes Vordringen in die letzten Geheimnisse der Musik. Nicht impressionistisches Schwelgen und pastellfarbene Farbtupfer sind ihr Markenzeichen, sondern expressionistisches Aufbrechen der Hörgewohnheiten in kräftigen Pinselstrichen. Nicht Harmonie und Gleichklang bestimmen somit ihre Interpretation, sondern das Reiben und die Lust an der feinen Dissonanz, das kämpferische Miteinander auf der Sesselkante, der ungeschminkte Ton der Wahrheit. So gerät die Lyrische Suite von Alban Berg nicht zu einem spätromantischen Abgesang, sondern hebt als eine musikalische Rakete in die Zukunft ab. Die räumlich extrem tief gefächerte Aufnahme ist technisch hervorragend gelungen, der Klang streut sich wie Sternenstaub im Raum. Beeindruckend. © 2017 Pizzicato





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group