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Album Reviews



 
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Thomas Gehrig
www.klassik.com, June 2020

Wertvolle Beethoven-Dokumente einer großen künstlerischen Ära.

Aus ganz unterschiedlichen Zeiten der Zusammenarbeit stammen die vorliegenden Dokumente der Ära des Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter seinem Chefdirigenten Mariss Jansons. © 2020 www.klassik.com



Fabian Stallknecht
Crescendo (Germany), February 2019

Beethovens Messe in C-Dur op. 86 steht von jeher ein wenig im Schatten der „großen Schwester“ Missa Solemnis. Sie offenbart nicht wie jene das große Ringen, die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Glauben, bietet aber ebenfalls eine reiche Palette an Ausdrucksnuancen und individuellen Deutungen des liturgischen Textes. Diese lässt Mariss Jansons mit seinem großartigen BR-Symphonieorchester und Chor auf faszinierende Weise hörbar werden, vom wie aus dem Nichts kommenden Beginn über eindringliche Piano-Geflechte bis hin zur großen Klangdemonstration; immer unpretenziös, sinnlich und differenziert. Für Jansons gehört Beethoven definitiv zur Romantik, dennoch ist der Klang schlank, flexibel und ohne aufgesetzten Pomp; eine Lesart, die auch das homogene, kultiviert singende Solistenquartett mitträgt. Als „Rausschmeißer“ gibt es eine fulminante, mit sinfonischem Feueratem gespielte Leonore III. © 2019 Crescendo (Germany)




Remy Franck
Pizzicato, December 2018

Fürst Nikolaus II. Esterhazy, der bei Beethoven für den Namenstag seiner Frau im September 1807 eine Messe bestellt hatte, ließ nach der Uraufführung kein gutes Stück an der Komposition. In einem Brief an die Gräfin Henriette Zielinska schrieb er: « Beethovens Messe ist unerträglich lächerlich und hässlich, ich bin nicht davon überzeugt, dass man sie ernst nehmen kann.“ Dabei hatte der Komponist in dieser Messe längst nicht die Ausdrucksgewalt erreicht, die seine ‘Missa Solemnis’ kennzeichnet. E.T.A. Hoffmann zeigte sich sogar überrascht vom « Ausdruck eines kindlich heiteren Gemüths ». Diesen Charakter scheint Mariss Jansons in seiner Neuaufnahme nur insofern privilegieren zu wollen, als er die Musik besonders lichtvoll und leicht werden lässt. Ansonsten wechselt seine ausdrucksvolle Interpretation zwischen leidenschaftlicher Feurigkeit und großer, tiefster Verinnerlichung.

So kommen wir denn auch in den Genuss einer Interpretation, die dem Charakter der Messe optimal gerecht wird und zugleich ihren modernen und für die Entstehungszeit höchst unkonventionellen Charakter zum Ausdruck bringt.

Die vorliegende Aufnahme stammt aus den zwei Konzerten, die der Bayerische Rundfunk zu Mariss Jansons’ 75. Geburtstag im Januar 2018 veranstaltet hatte.

Das BR-Orchester spielt auf hohem Niveau und mit viel Hingabe, aber es ist vor allem der Chor des Bayerischen Rundfunks, der hier begeistert, weil er mit viel Leuchtkraft und schlankem Klang singt.

Das Solistenquartett Genia Kühmeier (Sopran), Gerhild Romberger (Alt), dem heroischen Maximilian Schmitt (Tenor) und Luca Pisaroni (Bass) hat am guten Eindruck, den diese Aufnahme hinterlässt, einen gebührenden Anteil.

Nach dem ‘Agnus Die’ mitsamt ‘Dona nobis pacem’ noch die 3. Leonoren-Ouvertüre zu spielen, macht Sinn, denn so wird der Friedens—mit dem Freiheitsgedanken vereint, zwei Themen, die Beethoven sehr am Herzen lagen.

Die Aufführung von Jansons und de Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist in ihrer emotionalen Differenziertheit ganz großartig. © 2018 Pizzicato



Michael Wersin
Rondo, December 2018

Beethovens C-Dur-Messe ist weit mehr als nur eine kleine Schwester der berühmten „Missa solemnis“: Kirchenmusikgeschichtlich markiert sie einen Wandel in der Vertonungstradition des Messordinariums, und die damit verbundene Wirkung des Stücks ist eindrucksvoll dokumentiert. Fürst Esterházy, der für den Namenstag seiner Gattin noch bis 1802 jährlich eine neue Festmesse von Joseph Haydn komponiert bekommen hatte, beauftragte 1807 (nachdem in den Jahren dazwischen u. a. J. N. Hummel Messen geliefert hatte) Ludwig van Beethoven mit der Komposition eines passenden Stückes. Beethoven konnte oder wollte kein Stück im althergebrachten Stil der klassischen „sinfonischen Messe“ anfertigen, sondern schuf—bei etwa gleichen besetzungstechnischen Rahmenbedingungen—eine Messe aus dem Geist der Aufklärung heraus: Die lateinischen Texte werden nicht einfach mit breitem Pinselstrich auf zwar engagierte, aber auch recht gefällige Weise abgespult, sondern werden—dies wird besonders im „Credo“ hörbar—den Hörern Punkt für Punkt und Aussage für Aussage markant vor Augen geführt: „Ich glaube“ ist bei Beethoven keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Aufgabe. Dass Christus für das Heil der Menschen vom Himmel herabgestiegen ist, wird als unerhörtes Ereignis, ja fast als Skandal herausgestellt, und dass der Sohn vom Vater „gezeugt und nicht geschaffen“ ist, wird so originell hervorgehoben, dass man über die theologisch bedeutsame Stelle stolpern muss. Dem Fürsten Esterházy hat dieses neuartige Stück allerdings nicht gefallen: Er, der Haydns prästabilierte Jubelmessen-Welt gewohnt war, hat sich über dieses widerborstige Werk ziemlich echauffiert.

Der Kirchenmusik-erfahrene Howard Arman hat den Chor des Bayerischen Rundfunks in diesem Sinne sehr sprach-affin auf das Projekt vorbereitet, zudem klingt das Ensemble angenehm homogen und fokussiert im Sinne der von Beethoven gestellten Aufgabe eines bewussten, Satz für Satz mitvollziehbaren Reflektierens des Messtextes. Anders leider das Solistenquartett: Hier hört man das für Sinfoniekonzerte seit langem typische Neben—und Auseinander einer wahllos zusammengekauften Truppe aus Einzelkämpfern. In einer Messe, die keine großen Soli, sondern auch im solistischen Bereich vor allem Ensemblestellen bietet, führt sich das ad absurdum: Während der Chor z. B. einheitlich „eleison“ singt, hören wir bei den Soli direkt nacheinander „eläison“, „ölöison“ und „äläison“. Wenigstens eine einheitliche Aussprache wäre doch angebracht, ein wirkliches Aufeinander-Eingehen hätte eigentlich das Ziel sein sollen. Stattdessen werkelt jeder für sich. Maximilian Schmitt klingt müde und vibriert übermäßig, Genia Kühmeier schiebt sich mehr durch ihre Solopassagen als dass sie ihre Stimme führt. Gerhild Romberger kommt in puncto Linienführung und Stimmsitz auch oft auf keinen grünen Zweig. Das ist mehr als schade: Warum legt Mariss Jansons auf die Spezifika der vokalen Ebene so wenig Wert? Kirchenmusik lebt vom Text, gerade im Fall eines so eigenwilligen Stücks wie diesem. © 2018 Rondo



Ingobert Waltenberger
Online Merker, November 2018

Der vorliegende Live-Mitschnitt aus der Philharmonie im Gasteig München ist der neben der Missa solemnis wohl bedeutendsten Kirchenmusik-Schöpfung Beethovens gewidmet, nämlich der Messe für vier Solostimmen, Chor und Orchester in C-Dur, Op. 86. Die beiden Konzerte zum Mitschnitt fanden anlässlich des 75. Geburtstags des Chefdirigenten des Symphonieorchesters des BR, Mariss Jansons am 14. und 15. Jänner 2018 statt.

Der Auftraggeber, der Fürst von Esterházy, der das Werk zur Feier des Namenstages der Fürstin Maria Josepha Hermenegild 1807 bestellte, fand das Resultat „unerträglich lächerlich und scheußlich“. Wir dürfen heute getrost anderer Ansicht sein, scheint diese Messe als persönliches Bekenntniswerk Beethovens doch mit der Betonung des Vokalen, des gesungenen Worts gegenüber dem Instrumentalen einen ganz anderen Zugang als die späten Haydn–Messen zu haben. Vera Baur analysiert das folgendermaßen: „Wie sehr in seiner C-Dur Messe das Wort Ausgangspunkt der Musik ist, zeigen die vielen deklamatorischen, aus der Sprachrhythmik gewonnenen, teils sogar syllabischen Abschnitte, die auch ohne profilierte Melodien auskommen und auf unmittelbare Textverständlichkeit zielen. Vor allem im Credo steigern sich solche Passagen zu ungeheurer Wucht, wenn der Chor den Text fast archaisch-rituell und in markigem Forte vorträgt.“

Die Einspielung unter Mariss Jansons besticht durch intensiven sprachlichen Ausdruck, pathosgeladene Dramatik, aber auch Wärme und Leuchtkraft des Klangs des Chors des Bayerischen Rundfunks als einen der aus meiner Sicht besten Chöre der Welt. Die Friedensbotschaft am Ende der Messe gerät zu einem universellen humanistischen Bekenntnis, wozu auch das Solistenquartett mit der engelsgleich singenden Genia Kühmeier (Sopran), Gerhild Romberger (Alt), dem heroischen Maximilian Schmitt (Tenor) und Luca Pisaroni (Bass) gebührenden Anteil hat.

Zu welchen Höchstleistungen das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks taugt, kann nicht nur anhand der expressiven Wucht des „Agnus Dei“, den wundervollen Solostellen von Fagott und Klarinette im „Gloria“, sondern vor allem an der Wiedergabe der „Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 in C-Dur“, Op. 72, nachgehört werden.

Wie sich hier die Quintessenz der Beethovenschen Wut gegen Tyrannei und Unterdrückung bis hin zum strahlendem in C-Dur jubelnden Finale in energetisch dicht vorwärtsdrängender Musik manifestiert, führt Mariss Jansons in seinem leidenschaftlichen Plädoyer für Beethovens „in göttlichem Ingrimm“ (Zitat Robert Schumann) geschaffenen Werk exemplarisch vor. Es handelt sich um eine Live-Aufzeichnung aus dem Herkulessaal der Münchener Residenz vom 29./30. Januar 2004.

Während einige der einst glänzenden wirtschaftlichen Symbole des Deutschlands des Nachkriegs-Wirtschaftswunders, wie die Deutsche Bank, aber vor allem die durch den Dieselskandal gebeutelte Kraftfahrzeugindustrie gehörig Kratzer abbekommen haben, ist die Orchesterkultur des Landes nach wie vor einzigartig. Dies sowohl, was die Zahl und die Qualität der Klangkörper betrifft. Das grandiose Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks pflegt dieses große kulturelle Erbe als eines der fünf besten Orchester Deutschlands nach Kräften. Bei jedem Konzert und jeder veröffentlichten CD ist dies eindrücklich und lebendig nachzuhören. © 2018 Online Merker





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