Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

 
Keyword Search
 
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Gerhard Eckels
Opera Lounge, December 2019

Die im Frühjahr 1876 entstandene Urfassung des Stabat Mater komponierte Antonin Dvorak möglicherweise als Reaktion auf den Tod seiner Tochter Josefa, die am 21. September 1875 zwei Tage nach ihrer Geburt starb. Dass er im Oktober 1877 die fehlenden vier Strophen nachkomponierte und das Klavier durch ein Sinfonieorchester ersetzte, kann man ohne biographische Überinterpretation als eine Art Trauerarbeit nach dem Tod zweier weiterer Kinder, der einjährigen Ruzena und des Erstgeborenen Oscar ansehen. Die Urfassung ist wie eine Kantate auf sieben Sätze verteilt und ein selbstständiges Werk für Soli, Chor und Klavier, das im März 2019 im Münchener Prinzregententheater durch den Chor des Bayerischen Rundfunks unter seinem künstlerischen Leiter Howard Arman aufgeführt wurde; der Mitschnitt ist bei BR KLASSIK erschienen. Besonders imponieren bei der gelungenen Aufnahme die chorischen Glanzleistungen, seien es machtvolle Kraftausbrüche, seien es zarte, lyrisch ausgesungene Passagen. Dabei gelingen klangliche Ausgewogenheit, intonationsreines Singen und schöne Durchsichtigkeit der ineinander verflochtenen Melodiebögen wie selbstverständliche Voraussetzungen. Das Solistenquartett verfügt über gut zueinander passende Stimmen, der leuchtende Sopran von Julia Kleiter, der charaktervolle Alt von Gerhild Romberger, der klare Tenor von Dmitry Korchak sowie der kräftige und auch weich dahin strömende Bass von Tareq Nazmi. Der renommierte Liedbegleiter Julius Drake unterstützt am Klavier souverän das wunderbare Solistenquartett und den ausgezeichneten Chor (BR KLASSIK 900526). © 2019 Opera Lounge




Uwe Krusch
Pizzicato, November 2019

Dvorak hat sein Stabat Mater, die Vertonung eines mittelalterlichen Gedichts, das die Mutter Jesus in ihrem Schmerz um den Gekreuzigten als zentralen Inhalt hat, zunächst in der in dieser Aufnahme vorgestellten unvollständigen Form in sieben Sätzen komponiert, in der nur ein Klavier die instrumentale Begleitung ausführt.

Geprägt wohl auch durch den persönlichen Schicksalsschlag des Todes seiner Tochter Josefa, zeichnet sich dieses aus einfachsten Klängen einzelner Töne des Klaviers entwickelnde Werk zu einem ergreifenden Gesang. Gerade durch diese Beschränkung des Instrumentariums kommt es zu einer fokussierenden Dichte und zugleich Einfachheit, so dass man sich ganz in den Atem und den Schmerz vertiefen kann.

Diese Einfachheit vermittelt der Pianist Julius Drake mit ergreifender Zurückhaltung. Sein Spiel setzt die Verzweiflung und die schmerzhafte Trauer in Klang um, ohne die Hoffnung zu verlieren. Das ausgesucht exquisite Solistenquartett ebenso wie der Chor übernehmen diese Darstellung mit schlichten Mitteln und gleichzeitig ergreifendem Tiefgang im Ausdruck.

Dass der Chor des Bayerischen Rundfunks zu den herausragenden Ensembles seines Genres gehört, ist gewusst und er setzt diese Klasse auch hier um. Auch die Solisten tragen mit feiner und stilistisch sich einbindender Artikulation sowie geschmeidig starker Stimmführung, ohne aufzutrumpfen, diesen Mitschnitt einer Aufführung mit zum Erfolg. © 2019 Pizzicato



Alexander Fischerauer
Crescendo (Germany), October 2019

„Wer Dvořáks Stabat mater, die Urfassung von 1876, im Blindtest verkosten müsste, würde auf eine harte Probe gestellt“—so das Begleitheft zur stimmungsvollen Einspielung dieses ungewöhnlichen geistlichen Werkes. Wie unbegründet diese Sorge ist, zeigt der Chor des Bayerischen Rundfunks in den knapp 60 Minuten schauervoll-trauriger Klage-Musik. Chor und Solisten beschwören von Anfang an eine Atmosphäre tieftrauriger, wehmutsvoller, aber auch hoffnungsvoller Affekte.

Besonders hervorzuheben ist die schöne Homogenität des Chorklangs, die vom ersten Moment an überzeugt. Auch die Solisten-Ensembles, wie etwa der Beginn des Quando corpus morietur sind sehr gut musiziert: Artikulation, Intonation und Ausdruck lassen keine Wünsche offen und bei dieser wehmutsvollen Musik auch kaum ein Auge trocken. Einzig schade: Das distanzierte und dünne Klangbild der Aufnahme schafft eine gewisse emotionale Distanz zwischen Sängern und Text. © 2019 Crescendo (Germany)



Roland H. Dippel
Concerti, October 2019

Erst vor wenigen Jahren wurde Dvořáks Urfassung veröffentlicht. Ein wichtiger Beitrag zum 10-jährigen Jubiläum des Labels BR Klassik.

Ein düsterer, doch dringend nötiger Beitrag des hervorragenden Chors zum zehnjährigen Jubiläum des Labels BR Klassik! Sogar in der lichten Akustik des Münchner Prinzregententheaters sind die ersten Klavier-Akkorde wie das verhärmte Erstarren, wie eine in Töne gebannte Depression. Klavier? Erst vor wenigen Jahren wurde die Urfassung von Dvořáks berühmten Stabat mater veröffentlicht. Noch fehlen in der Urfassung von 1876 die Sätze V bis VII. Ohne die versöhnliche Weichheit seiner Instrumentation konfrontiert Dvořák, aus dessen „Biblischen Liedern“ Glaubensgewissheit strahlt, in dem während der Trauerarbeit nach dem Tod seiner Tochter Josefa entstandenen Sakralwerk mit einer bei ihm ungewöhnlichen Auszehrung. Die Intervalle der Solisten-Ensembles wirken derart leer, dass die ausgesprochen schönen Timbres keinen Trost enthalten. Die finale Amen-Kette setzt bitteren Trotz an die Stelle von harmonischer Spiritualität. © 2019 Concerti




Michael Wersin
Rondo, October 2019

Das Klavier wurde im 19. Jahrhundert hin und wieder prominent als Begleitinstrument oratorischer Werke eingesetzt: In Rossinis „Petite Messe solennelle“ ist es, ergänzt durch ein Harmonium, der Normalfall, denn die Orchesterversion hat der Komposition erst nachgereicht. Für das „Deutsche Requiem“ von Brahms existiert eine vierhändige Klavierfassung vom Komponisten selbst. Im Falle von Dvořáks „Stabat Mater“ wiederum ist die Klavierfassung die Urzelle jener Komposition, die wir gewöhnlich als abendfüllendes sinfonisches Werk von etwa eineinhalb Stunden Dauer zu hören gewohnt sind: Drei Sätze und knapp eine halbe Stunde weniger Musik enthält die Klavierfassung vom Frühjahr 1876, in der noch nicht der gesamte Text der hochmittelalterlichen Sequenz vertont ist. Im Herbst 1877 erweiterte Dvořák sie zu der bekannten vollumfänglichen Orchesterversion.

Das Klavier als Begleitinstrument für ein großes oratorisches Werk: Eine Herausforderung und eine ungeheuer spannende Aufgabe für entsprechend begleiterisch begabte Pianisten. Julius Drake als erfahrender Lied-Pianist ist prädestiniert für diese Aufgabe, er entlockt dem Klavierpart ein Kaleidoskop an Farben und akkompagniert besonders die Soli sensibel und differenziert. In ebensolchen Momenten, etwa im zweiten Satz „Quis est homo“ sind dem Rezensenten die Solisten auch am sympathischsten, wenngleich auch hier die Unterschiedlichkeit ihrer Timbres bisweilen stört: Julia Kleiter kommt wohl am ehesten noch aus dem kammermusikalischen Bereich, allerdings kann ihre Stimme mittlerweile auch zu einem nicht unbeträchtlichen Vibrato ausschwingen. Dmitry Korchak ergeht sich mit seiner metallischen Tenorstimme gern in großer opernhafter Gestik, so z. B. gleich bei seinem ersten Solo im ersten Satz. Tareq Nazmi verfügt über eine recht mächtige Bassstimme, die mit breiter, ausladender Führung bei abgedunkelter Vokalisierung auch eher auf der Opernbühne daheim zu sein scheint: Im Solo-Satz „Fac, ut ardeat cor meum“ wird in jeder Hinsicht mit entsprechend breitem Pinsel gemalt. Auf sehr gutem Niveau agiert der Chor des BR, sich dem vielfältigen Chorpart entsprechend sehr gut positionierend zwischen klangprächtiger Fülle und feingezeichneter Lyrizität. Mit einem ausgewogeneren, sachgerechter ausgewählten Solistenquartett hätte die Produktion ein Knüller werden können. © 2019 Rondo





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group