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ouverture - Das Klassik-Blog, April 2016

Die Johannes-Passion schrieb Johann Sebastian Bach in Leipzig für die Karwoche 1724, unmittelbar nach seiner Anstellung als Thomaskantor. Er hat das Werk, uraufgeführt seinerzeit in der Nikolaikirche, immer wieder überarbeitet und abgeändert. Hier ist die sogenannte Fassung letzter Hand zu hören, die Bach 1739 begonnen, aber letztendlich wohl niemals selbst in dieser Form aufgeführt hat. Die Einspielung wird ergänzt durch eine ebenso ergiebige wie aufwendig produzierte Werkeinführung von Markus Vanhoefer.

Die Passion beginnt und endet mit großen Chören—Herr, unser Herrscher und Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine. In diesen Rahmen gefasst, erklingt die Passionserzählung, immer wieder unterbrochen durch reflektierende Choräle sowie durch Arien, die biblischen Texte eindringlich kommentieren. Neben Julian Prégardien, der die Partie des Evangelisten gekonnt vorträgt, hat der Chor des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Peter Dijkstra daher den umfangreichsten Part. Und der Chor singt hinreißend—beweglich wie ein Kammerchor, blitzsauber und stets durchhörbar, gestalterisch souverän und gänzlich ohne Manierismen. Sehr beeindruckend! Dieser Live-Mitschnitt einer konzertanten Aufführung am 7. März 2015 im Herkulessaal der Münchner Residenz ist ohne Zweifel mit Abstand die beste Einspielung der Johannes-Passion seit langem. Dazu tragen auch das renommierte Originalklang-Ensemble Concerto Köln und eine umfangreiche Riege junger Vokalsolisten mit bei. © 2016 ouverture - Das Klassik-Blog




Remy Franck
Pizzicato, February 2016

Peter Dijkstra, Chorleiter beim Bayerischen Rundfunk, dirigiert die Johannes-Passion in der letzten Fassung von 1749. Unterstützt von dem wie immer energievoll musizierenden ‘Concerto Köln’ nutzt er die Dramatik der Partitur für eine Darstellung von großer Intensität. Die Tempi sind zügig, die Akzentuierung kraftvoll.

Mit einem außergewöhnlich leidenschaftlichen Interpretieren ist der Tenor Julian Prégardien ein herausragender Evangelist. So viel Drama hat man selten in diesem Part vernommen. Übrigens: die vom Cembalo begleiteten Rezitative werden durch eine Viola da Gamba bereichert und dadurch sehr lebendig. Die Arien werden—in den meisten Fällen beeindruckend—von Solisten des Chores gesungen. Und dieser Chor überzeugt mit viel Homogenität und genau so viel Spontaneität.

Der Produktion liegt eine CD mit einer Werkeinführung samt Musikbeispielen bei. Das verhindert nicht, das wir die Schlamperei beanstanden, mit der diese BR-Klassik-Box in den Verkauf gelangt: dass nämlich hier die Fassung von 1749 aufgeführt wird, ist nirgends vermerkt, weder im Textheft noch auf dem Cover oder dem Backcover. © 2016 Pizzicato





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