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Album Reviews



 
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Christoph Vratz
Fono Forum, May 2015

MAHLER, G.: Symphony No. 9 (Chailly) (NTSC) ACC-20299
MAHLER, G.: Symphony No. 9 (Chailly) (Blu-ray, Full-HD) ACC-10299

Musik:
Klang:

Bruno Walter hatte während seiner Zeit als Gewandhaus-Kapellmeister eine Mahler-Tradition in Leipzig begründet, deren jüngstes Kapitel Riccardo Chailly wesentlich bestimmt. Nun liegt im Rahmen seines Sinfonien-Zyklus die Neunte wahlweise als DVD oder Blu-ray vor. Chaillys Mahler-Bild hat sich seit seiner Amsterdamer Zeit beim Concertgebouw nicht grundlegend verändert, wohl aber verfeinert. Mit den Leipzigerin lebt dieser Mahler, vom Italiener mit gelassener Konzentration dirigiert, von einer mal unverkrampft-heiteren Spielfreude, mal—wie im dritten Satz—von Risikolust und schroffer Bissigkeit, mal von einer sphärischen Nachdenklichkeit. Jede Stimme bleibt, selbst im tumulthaften Tutti, gut erkennbar, während das Ganze zu einem homogenen Gesamtklang verschmilzt. Eine höchst eindringliche, plastische Aufführung, von großem Atem und einer Fülle an Details geprägt. Nicht zu verachten das Bonus-Material: Schade, dass das Gespräch zwischen Chailly und Henry-Louis de La Grange, dem großartigen Pariser Mahler-Biographen, nicht länger als eine Viertelstunde dauert. Hier begegnen sich zwei Enthusiasten, die sich nicht im Elfenbeinturm verlieren, sondern die über Mahlers Musik plaudern, dass das Zuhören eine Freude bereitet. Auch der zweite Mini-Film, in dem Chailly im Toblacher Mahler-Häuschen seinen Zugang zur Neunten erklärt, ist mehr als schmückendes Beiwerk. © 2015 Fono Forum




Remy Franck
Pizzicato, November 2014

Wie ein Horrorfilm aus einem Spukschloss zieht der erste Satz aus der Neunten Mahler an dem Hörer vorbei. Grässliche Fratzen, bittersüße Gesichter, hämische Grimassen… Wie schon 2004 in seiner Decca- Einspielung mit dem ‘Concertgebouw Orkest’ bleibt Chailly auch hier fern von jeder Intellektualisierung der Musik. Er bleibt irdisch, transzendiert nicht, sondern betont das Leidenschaftliche und das Gefühlvolle. Er trimmt den ersten Satz auf Vitalität und scheint den Beweis erbringen zu wollen, Mahler sei, als er diese Neunte schrieb, kein kranker, sondern ein höchst lebhafter und rüstiger Mensch gewesen. Dass in diese Vitalität immer Höllenkobolde und Todesahnung hereinbrechen, macht Chaillys ersten Satz so richtig schaurig.

Ungemein lebensfroh erklingen Ländler und Rondo-Burleske, um ihrerseits mit dem langsamen und hier sehr breit genommenen Adagio-Finale zu kontrastieren. Der Schlussteil ist tief ergreifend.

Das Gewandhausorchester spielt mit höchster Intensität, und die sehr direkte und doch auch räumliche Tonaufnahme ist von bester Qualität. © 2014 Pizzicato





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