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Album Reviews



 
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Remy Franck
Pizzicato, July 2016

Vor 100 Jahren tobte der Erste Weltkrieg. Wie andere Labels auch erinnert Accentus daran, in diesem Fall mit drei CDs gespielt von der isländischen Geigerin Judith Ingolfsson und dem französischen Pianisten Vladimir Stoupel. Auf der ersten CD interpretieren sie Musik von Rudi Stephan und Albéric Magnard.

Der deutsche Komponist Rudi Stephan fiel am 29. September 1915 im Alter von 28 Jahren an der russischen Front. Seine ‘Groteske’ lebt vom starken Kontrast der Stimmungen, wobei die beiden Interpreten die verschrobenen Klangfiguren genauso spannend und expressiv zum Ausdruck bringen wie den lyrisch-melancholischen Mittelteil.

Albéric Magnard (1865–1914) hatte 1904 in Baron (Oise) ein Herrenhaus erworben. Als er am 3. September 1914 dort von der deutschen Armee überfallen wurde, trat er ganz allein, mit dem Gewehr bewaffnet, dem Feind entgegen und wurde dabei getötet.

Seine ‘Sonate pour violon et piano’ op. 13 komponierte er im Jahre 1901. Uraufgeführt wurde sie im Mai 1902 durch den Widmungsträger Eugène Ysaye und Raoul Pugno in der ‘Salle Pleyel’ in Paris.

Magnard hatte in der Musik ein Maximum an Reinheit erzielen wollen, was ihm, wie er glaubte und an Dukas schrieb, nicht gelungen war.

Judith Ingolfsson und Vladimir Stoupel investieren sich voll und ganz, um aus dieser Sonate das attraktive Werk zu machen, das der Komponist, wie er meinte, nicht fertiggebracht hatte. Das Zusammenspiel ist sehr inspiriert, und beide stützen sich nicht nur gegenseitig, sondern versuchen jeder für sich ein Maximum an Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen, um die Musik mit dynamischen und farblicher Nuancen, einem klugen Rubato und einer immer ästhetischen Akzentuierung viel Ausdruckskraft zu geben. Der verträumt und zart gespielte langsame Satz wird dabei in einem Maße stimmungsvoll, wie ich ihn noch nicht gehört habe. © 2016 Pizzicato



Peter Uehling
kulturradio vom rbb, February 2016

Die Komponisten Rudi Stephan aus Deutschland und Albéric Magnard aus Frankreich teilen das Schicksal, zu den Opfern des Ersten Weltkriegs zu gehören: Stephan starb als Soldat an der Front, Magnard beim Versuch, sich beim Einmarsch der deutschen Truppen in seinem Heimatdorf zu verteidigen.

Extreme Klänge versus tradierte Formen

Als Komponisten könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Stephan, geboren 1887, galt als Hoffnung einer neuen Musik, und die Aufnahme der erst 1979 aufgefundenen “Groteske” für Violine und Klavier zeigt, wie sich ein Komponist in neue, extreme Klänge stürzt und dabei nach Form nicht weiter fragt: “Grotesk” sind nicht nur die neuen Klänge, sondern vor allem die unvermittelten Stimmungsumschwünge.

Der 20 Jahre ältere Albéric Magnard dagegen, so klassisch gesonnen, dass man ihn in Frankreich schon der Abtrünnigkeit Richtung Deutschland verdächtigte, sucht den Rahmen der tradierten Formen beizubehalten—was seine Musik keineswegs einfach macht: Mit einer Dreiviertelstunde Spieldauer gehört seine Violinsonate zu den längsten überhaupt, und entsprechend komplex ist das, was hier geschieht. Denn Magnard versucht, harmonische Neuerungen mit der Tradition zu vermitteln, und das macht seine Musik schwer zu hören, aber auch reich an Zwischentönen.

Technisch makellos und ausdrucksstark interpretiert

Stephan und Magnard—in der Gegenüberstellung ergeben sie ein suggestives kulturelles Bild aus beharrenden und vorwärtsstürmenden, reflektierenden und bedenkenlosen Kräften. Die Geigerin Judith Ingolfsson und der Pianist Vladimir Stoupel haben für dieses Programm zurecht eine Einladung zur offiziellen französischen Gedenkfeier zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs erhalten; noch zwei CDs zu diesem Thema sollen folgen. Sie spielen technisch makellos, mit großem Farb- und Ausdrucksspektrum gerade im Leisen—wenn man sich noch etwas wünschen könnte, dann etwas mehr Zug und Vitalität in den raschen Partien. © 2016 Kulturradio





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