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Album Reviews



 
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Alain Steffen
Pizzicato, July 2017

Zhu Xiao-Meis Interpretationen gehören zum Besten, was es derzeit in Sachen Bach gibt. Die 1949 geborene chinesische Pianistin scheint nach einem sehr ereignisreichen und nicht immer schönen Leben in Bachs Musik den Weg zum Licht gefunden zu haben. Reiner, ungekünstelter, schlichter spielt wohl kein anderer Bach-Interpret

Was Mei hier  an Klangwelten zaubert, kann man und soll man auch nicht beschreiben. Diese Schlichtheit und zugleich Tiefe in den Suiten ist einfach atemberaubend. Schönheit, Transzendenz, Reinheit, wer dies in Bachs Musik sucht, der wird hier reichlich belohnt. Da bedarf es keiner weiteren Worte mehr. © 2017 Pizzicato




Bernhard Schrammek
kulturradio vom rbb, June 2017

Leicht und ungekünstelt: Die neueste Einspielung von Zhu Xiao-Mei widmet sich jenen in Köthen entstandenen Kompositionen, die Bach selbst nie veröffentlicht hat.

Die chinesische Pianistin Zhu Xiao-Mei kann auf eine außergewöhnliche Laufbahn zurückblicken: Geboren 1949, wuchs sie in Peking auf, erhielt früh Klavierunterricht und trat schon als junges Mädchen in öffentlichen Konzerten auf. Die vorgezeichnete Musikerkarriere erhielt aber einen jähen Bruch unter Maos Kulturrevolution.

Obwohl sie nach eigenen Aussagen zunächst selbst der maoistischen Doktrin folgte, wurde sie aufgrund ihrer „bürgerlichen Herkunft“ fünf Jahre lang in ein Arbeitslager an der mongolischen Grenze verbannt. Dort kam sie durch glückliche Umstände wieder zu einem Klavier und entdeckte die Musik erneut für sich.

In den Siebzigerjahren nahm sie das Studium in Peking wieder auf und floh drei Jahre später über Hongkong in die USA. Dort wurde sie nicht gerade mit offenen Armen empfangen und verdingte sich zunächst als Putzfrau und Kellnerin in Boston, bevor sie 1985 in Paris ansässig wurde und ihre internationale Karriere begann. Das Werk von Johann Sebastian Bach besitzt für sie überragende Bedeutung, allein die Goldberg-Variationen hat sie mehr als 200 Mal aufgeführt.

Miró und Bach

Die neueste Einspielung von Zhu Xiao-Mei widmet sich den Französischen Suiten, also jenen in Köthen entstandenen Kompositionen, die Bach selbst nie veröffentlicht hat und wohl in erster Linie als Lehrstücke für seine Kinder und Schüler angesehen hat.

Im Booklet sagt Xiao-Mei über ihre Intentionen beim Musizieren dieser Stücke: “Bei der Einspielung der Französischen Suiten habe ich an Kinder gedacht, indem ich ständig die Unkompliziertheit und die Unschuld ihres Herzens im Bewusstsein hatte.” Und als zweite Assoziation nennt sie ein Zitat von Miró, dessen farbenprächtige, lichte Malerei sie zutiefst verehrt: “Mit der Freiheit gewinnt man gleichzeitig Schlichtheit.”

Dieser Ansatz beherrscht ihre gesamte Produktion der Französischen Suiten. Zhu Xiao-Mei spielt die kurzen Tanzsätze in kunstvoller Schlichtheit und Demut. Sie verzichtet durchweg auf Zusatzeffekte wie stark gedehnte oder immens rasante Tempi, wie zusätzliche Verzierungen, aber auch Pedalspiel und übertriebene dynamische Kontraste.

Die Sarabanden etwa nimmt sie (im Vergleich zu vielen Kollegen) relativ zügig und betont somit den tänzerischen Charakter. In den einleitenden Allemanden betont sie jeweils den fließenden, lebendigen Klang, manche Gavotte oder Courante klingt richtiggehend keck und die Gigues am Schluss der Suiten quirlen vor Lebensfreude, ohne Stoppuhr-Wettbewerbe zu werden. Schließlich sind die Sätze wunderbar transparent gespielt, so dass die einzelnen Stimmen gut heraushörbar sind.

Gelungen ist Zhu Xiao-Mei damit eine wunderbar leichte, gut hörbare und ungekünstelte Aufnahme der Französischen Suiten. © 2017 kulturradio vom rbb





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