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Guido Fischer
Rondo, February 2017

Wie für seinen berühmten Vater Daniel bedeutete auch für Michael Barenboim der Tod des Komponisten Pierre Boulez Anfang 2016 einen großen Verlust. So muss Boulez für ihn eine Art künstlerische Vaterfigur gewesen sein, von der er mit seiner ersten Solo-CD nun auch Abschied nimmt. Denn unter den ausgewählten, klangsprachlich so unterschiedlichen, aber spieltechnisch allesamt irrsinnig anspruchsvollen Solo-Werken für Violine findet sich mit „Anthèmes I“ nicht nur ein Wettbewerbsstück, das Boulez 1992 für den Menuhin-Wettbewerb geschrieben hat. Fünf Jahre später verwickelte er dieses geradezu konventionell mit teuflischen Doppelgriffen und Trillerketten gespickte Stück in ein Zwiegespräch mit einer live-elektronischen Stimme. Allein schon in der akustischen Fassung zeigt Barenboim seine unglaubliche Meisterschaft im Höchstschwierigen. Im komplexen elektro-akustischen Mit—und Gegeneinander in „Anthèmes II“ verschwindet aber nun das technisch eigentlich Unspielbare zugunsten einer regelrecht musiktheatralischen Mehrdimensionalität, bei der Mensch und Maschine ständig ihre Identitäten zu tauschen scheinen.

Von dem Original „Anthèmes“ und seinem Double werden zwei Klassiker der Solo-Violinliteratur eingerahmt, die ebenfalls durch eine Nabelschnur miteinander verbunden sind. Denn für seine Solo-Sonate hatte sich Bartók intensiv mit den Partiten und Sonaten von Johann Sebastian Bach beschäftigt. Und auch hier hat man den Eindruck, dass Barenboim sich bei diesen beiden Komponisten wie Zuhause fühlt. Bartóks Gereiztheit, die Kanten und Schärfen, mit denen die vier Sätze neben ihrer neo-barocken Haltung auch gespickt sind, bringt Barenboim mit allem Furor unschlagbar rüber. Bei Bach feiert er hingegen gleich im Eröffnungs-Adagio der C-Dur-Sonate BWV 1005 das Seligmachende und Kostbare einer in sich ruhenden und doch alle Weltengrenzen überwindenden Musik. Eine fantastische Aufnahme. © 2017 Rondo





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