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Ingobert Waltenberger
Online Merker, April 2017

Nein, nicht schon wieder Beethovens Klaviersonaten und überhaupt schon gar nicht die in Moll notierten „Gassenhauer“ Opp. 13, 27/2 und 57, mag sich so mancher CD-Käufer oder Kritiker sagen. Und liegt damit ausnahmsweise falsch. Das im August 2016 in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin aufgenommene Album markiert die zweite Beethoven Erkundung des knapp dreißigjährigen südkoreanischen Pianisten Sunwook Kim. Das Besondere daran ist, dass Kim auf seinem Großen Steinway Konzertflügel genuine Spielerfahrungen auf dem Hammerklavier einsetzt. Dabei geht es vor allem um den Einsatz der Pedale, im Besonderen den Ersatz des Moderator Pedals, mittels dessen ein Stück Tuch zwischen Hammer und Saiten geschoben und so der Klang abgedämpft wird. Da die Saiten des Steinway wesentlich länger nachhallen als die dünneren des Hammerklaviers, wechselt „Sunwook Kim immer wieder das Pedal, aber auf eine so raffinierte Art und Weise, dass der Klangeffekt—dem Sfumato in der Malerei vergleichbar—demjenigen auf einem Hammerklavier ohne Pedalwechsel nahekommt“, wie Michael Ladenburger in einem hervorragend informativen Aufsatz im Booklet weiß.

Insgesamt spielt Kim einen wunderbar intensiven Beethoven mit ungeheurer Binnenspannung und einer die Extreme nicht scheuenden dynamischen Dramaturgie. Man höre nur einmal seine jede Zeit ausschaltende Einleitung, das „Grave“ der C-Moll Sonate und den Übergang zum Allegro di molto e con brio. Wie das Höllentempo des Allegro auf den Stillstand des Grave wirkt, ist atemberaubend. Keine Routine liegt in seinen Interpretationen. Kim, der mehrere Meisterkurse bei Andras Schiff absolviert hat, ist ein Perfektionist, der die Autographen im Beethovenhaus in Bonn ganz genau studiert hat. Aber im Endeffekt geht es bei der pianistischen Meisterschaft vor allem um die Kontrolle von Ansatz und das Erzeugen von verschwörerischer Intimität mit dem Zuhörer. Hier verblüfft Kim mit einem magischen Gleiten der Finger über die Tasten und erzeugt gänsehauttreibende Effekte, wie ich sie bislang nur von Wilhelm Backhaus kannte. Kim kennt kein monochromes Hämmern, seine Rubati sind fein platziert und dem emotiven Gehalt der Musik adäquat. Das Spiel der Stimmen, deren Klangfarbe, die stets modifizierte Lautstärke und der gekonnte Einsatz des Verschiebungspedals (mittels dessen nur eine statt drei Saiten angeschlagen werden) münden in ein breit aufgefächertes Spektrum an genau abschattierten und fein abgetönten Klängen. Bei all dem fehlt der maskuline Zugang nicht, die bisweilen subkutan oder direkt wütende bis rasende Komponente, wie sie der Musik Beethovens immanent ist.

Kim hat schreibt seinem zweiten Beethoven Album CD-Geschichte. Präzision gepaart mit künstlerischer Seriosität und mutiger Eigensicht eröffnen neue Hörerlebnisse für Kenner und „Feinschmecker“. Die Klangqualität ist stupend. © 2017 Online Merker





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