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Album Reviews



 
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Attila Csampai
Oper!, October 2017

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Walter Weidringer
Crescendo (Germany), September 2017

Marlis Petersen in ihrer neunten Lulu-Produktion, 2015 an der Bayerischen Staats­oper: Das bedeutet ein formidables Charakterporträt, gezeichnet am Schnittpunkt von stimmlicher Frische und äußerer Jugend auf der einen Seite sowie Rollenerfahrung und darstellerischer Tiefe auf der anderen. Kirill Petrenko zapft am Pult des prächtig klingenden Staatsorchesters das Herzblut von Alban Bergs schwelgerischer, mit Jazz­elementen gewürzter Zwölftonoper an, die hier in Friedrich Cerhas Komplettierung gegeben wird. Auch das übrige Ensemble (darunter Bo Skovhus, Daniela Sindram und Matthias Klink) agiert markant und präzise in jenem Labyrinth aus Schaufenstern oder Glasstürzen, das Regisseur und Bühnenbildner Dmitri Tcherniakov geschaffen hat: ein aseptisches, gefühlsfeindliches Ambiente mit einer Lulu ganz in Weiß, in dem sich diese Unglückliche den Todesstoß zuletzt selbst zufügt. © 2017 Crescendo (Germany)



Ingrid Wanja
Opera Lounge, September 2017

Nüchterner, um nicht zu sagen steriler, hätte die Bühne von Dmitri Tcherniakov für Alban Bergs Lulu in München nicht ausfallen können, und auch das verführerische Kindweib Lulu, stets in unschuldiges Weiß gekleidet und mit strenger Duttfrisur, allerdings in feurigem Rot, entspricht nicht den Erwartungen, die man gemeinhin in Bezug auf die Männerverführerin und -verderberin hat. Zwischen Eisengestänge geben Plexiglasscheiben den Blick auf die Bühne frei. Zunehmend roher und gewaltsamer tummeln sich dort zu den Zwischenspielen Paare aller Altersklassen in knallbunten, zeitlosen Kostümen (Elena Zaytzeva), zuletzt allerdings fast entblößt, während die Solisten den schmalen, nur mit Stühlen bestückten Streifen davor bevölkern. Das berühmt-berüchtigte Gemälde der Titelheldin ist hier nur eine mehr oder weniger vollständige Silhouette, wie sie bei Un- oder Kriminalfällen mit Kreide gezeichnet werden. Das Spiel wird als solches deutlich gemacht, wenn sich der Medizinalrat nach seinem Tod erhebt und die Bühne verlässt oder wenn der Kleidertausch zwischen Lulu und dem Pagen nicht stattfindet. Da auch der dritte Akt mitsamt dem heiklen Parisbild gespielt wird, erweist sich die an sich akzeptable Grundidee doch als Spannungskiller und lässt die Vorstellung nicht nur als reichlich lang, sondern auch streckenweise langweilig erscheinen. Daran ändert auch nichts, dass die „Fünfzehnjährige“ als junges Ebenbild Lulus erscheint und den Zuschauer ahnen lässt, dass auch in Zukunft die Männerwelt in Gefahr ist, den Verstand zu verlieren. Abgeändert hat die Regie den Schluss, indem sich Lulu selbst das Messer von Jack the Ripper in den sündigen Leib stößt. Das ist ebenso diskussionswürdig wie die verordnete Zeitlosigkeit für ein Werk, bei dem zumindest das Libretto auf der Grundlage von Wedekinds Lulu-Zyklus ein typisches Zeitprodukt in der Epoche der Frauenemanzipation ist.

Es dürften bereits an die zehn Produktionen sein, in denen Marlis Petersen die schwierige Partie mit hoher vokaler Kompetenz, aber doch auch mit nachlassender optischer Überzeugungskraft bewältigt hat. Nahaufnahmen sind ihr nicht gerade dienlich, aber der Sopran bewältigt auch die unangenehmsten Extremhöhen, die mörderischen Intervallsprünge fast unangestrengt. Dass sie von der Regie im Parisbild zu unablässigem Grimassieren und hektischem Gestikulieren, zum Sichwinden um den Stuhl herum angehalten wird, trägt nicht dazu bei, Optik und Musik miteinander in Einklang zu bringen, und das Laszive der Figur scheint die Regie nicht interessiert zu haben. Zu bebrillter Hässlichkeit verdammt ist Daniela Sindram als Gräfin Geschwitz des puren vokalen Wohllauts, der ihr Aufbegehren am Schluss zu einer der schönsten Szenen des Abends werden lässt. Nicht ganz heran an diese Leistung kommt Matthias Klink als Alwa in seinem Hymnus auf die Schönheit Lulus, dem er es etwas an lyrischem Schmelz, an Ekstase mangeln lässt, bei einer insgesamt doch beachtlichen Leistung, die durch die zeit-, aber auch charakterlosen Kostüme nicht eben gesteigert wird. Dem Machtmenschen Dr. Schön weiß Bo Skovus einen kraftvollen Bariton und eine angemessenen Darstellung zu verleihen. Als The Ripper erscheint er fast unkenntlich mit Perücke, was unerfahrenen Zuschauern beim Verstehen des Werks nicht dienlich ist. Einen höchst angenehmen Tenor setzt Rainer Trost für den Maler ein, gar nicht asthmatisch, sondern stimmpotent verkörpert Pavlo Hunka den Schigolch, stramm in jeder Hinsicht ist Martin Winkler als Athlet und Tierbändiger, für dessen Prolog der Regie leider nichts eingefallen ist. Die vielen anderen Mitwirkenden insbesondere im Parisbild bleiben gesichts- und charakterlos, nicht nur weil auf der schmalen Vorderbühne relativ aktionslos aufgereiht. Ganz anders klingt, was man aus dem Orchestergraben zu hören bekommt: Unter Kirill Petrenko schwelgt das Bayerische Staatsorchester in schillernden Farben bei kammermusikalischer Durchsichtigkeit, und die Sänger dürften sich gut aufgehoben gefühlt haben.  Mehr noch als bei anderen Produktionen werden hier die Zwischenspiele zu den spannendsten Teilen der Aufführung. (BelAir BAC 129) © 2017 Opera Lounge





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