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Ingrid Wanja
Opera Lounge, August 2016

Auch in Deutschland kein ganz Unbekannter mehr ist der Tenor Emanuele D’Aguanno, sang er doch in München den Egeo ind Mayrs Medea in Corinto und den Arturo in Lucia di Lammermoor. In kleineren italienischen Opernhäusern oder beim Festival von Glyndebourne wurde er auch schon mit den großen Partien wie Duca oder Alfredo betraut. Das Cover seiner bei Capriccio in der Reihe Premiére Portraits erschienenen Capriccio-CD zeigt einen jungen Mann eher angelsächsischen Typus‘, und auch die Stimme hat nicht den solaren Glanz, den man sich von einem italienischen Tenor dieses Fachs erwartet, sondern besticht eher durch eine perfekte Technik, eine schöne Geläufigkeit des Singens und eine angenehme Gefälligkeit, was bei einem Lehrer wie William Matteuzzi kein Wunder ist. Bei diesen Gaben verwundert es auch nicht, dass der Sänger Preisträger des Wettbewerbs „Toti dal Monte“ in Treviso ist, was ihm die Rolle des Paolino in Cimarosas Il matrimonio segreto eintrug. Dieses Repertoire dürfte auch das der Stimme angemessenste sein, weil es die Vorzüge der Stimme herausstellt, ohne die (noch) fehlenden Charakteristika zu betonen.

Die vorliegende CD bietet dem Hörer Canzonen von Bellini, Donizetti und Rossini, eine glückliche Wahl und vorzüglich begleitet von keinem Geringeren als Charles Spencer. Der leichte, sanfte Tonansatz des Tenors weiß die sentimentale Anmut von Stücken wie Malinconia oder Vaga luna mit großer Stilsicherheit und einer exemplarischen Diktion dem Hörer nahe zu bringen, und in ebenfalls Bellinis Per pietà weiß er auch vokal entschiedener zuzupacken. Außerdem spricht die große Stilsicherheit für seine Darbietung.

Donizettis dramatischerem È morto fehlt etwas der vokale Biss, klingt die Höhe etwas dünn, besser gelingt Eterno amore mit seiner feinen Stimmungsmalerei und atmosphärischen Dichte. Insgesamt vermittelt der Tenor eher ein Lamento, als dass er tragisch umflort klingt. Übermütiges wie Doinzettis Il barcaiolo könnte mehr Temperament, Rossini, der mit vier Stücken vertreten ist, mehr Prägnanz vertragen. © 2016 Opera Lounge



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, June 2016

Vocal Recital: Hübsch, Cornelia - KORNGOLD, E.W. / GOLDMARK, K. C3004
Vocal Recital: D'Aguanno, Emanuele - BELLINI, V. / DONIZETTI, G. / ROSSINI, G. C3005

Das Label Capriccio hat eine neue Serie gestartet, in der jungen Gesangskünstlern die Gelegenheit geboten wird, ein Debütalbum aufzunehmen. So sind in Zusammenarbeit mit dem renommierten Klavierbegleiter Charles Spencer in Wien u.a. zwei Alben entstanden, die auf unterschiedliche Weise Aufschluss über junge Gesangskunst geben.

Da wäre zum einen die gelungene CD mit dem lyrischen römischen Tenor Emanuele d‘Aguanno. Er singt mit schlank und fokussiert geführter Stimme Canzoni vonVincenzo Bellini, Gaetano Donizetti undGioachino Rossini. Sehr sympathisch ist anzuhören, mit welcher Verve und innerer Leidenschaft sich der schon an internationalen Bühnen erfolgreiche Sänger, mit welcher Stilsicherheit und tollen Höhen er die schönen Belcanto-Lieder singt. Studiert hat er bei William Matteuzzi. Legato, Verzierungen, piani, mezza voce, alles technische Wissen und Können ordnet sich der Interpretation, der Auslegung von Text und Musik unter. Charles Spencer begleitet temporeich mit Freude an Melodie und Stimmungsnuancen. Gelungen!

Im Vergleich dazu hat sich die österreichische Sopranistin Cornelia Hübsch ein anspruchsvolles Liedprogramm mit Gesängen von Karl Korngold und Erich Wolfgang Korngold gewählt, ein fin-de-siècle Rundblick mit selten aufgeführten Preziosen. In der Operette zu Hause, sind die schweren spätromantischen Kompositionen keine einfache Aufgabe. Bei leichtem lyrischem Material gibt es vor allem in den oberen Lagen schöne schwebende Momente. Bei dramatischeren Liedern mit großem Mittellage-Anteil („Das eilende Bächlein“) klingt der Sopran bisweilen unruhig, verliert das silberne Timbre ein wenig an Glanz. Die lyrischen Gesänge sind hingegen eine echter Ohrenschmaus. Uneingeschränkt zu loben sind Textverständlichkeit, das Bemühen um höchste Differenzierung in der Interpretation. Insgesamt bietet auch dieses Album eine erfreuliche akustische Begegnung, noch dazu bei absolut hohem Repertoirewert des Dargebotenem. Auch hier begleitet Charles Spencer wissend und einfühlsam. © 2016 Der Neue Merker





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