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Christof Jetzschke
Klassik heute, April 2016

Max Regers Violinkonzert op. 101 von 1907/08 hat es bis heute nicht vermocht, auf den Konzertpodien Fuß zu fassen, geschweige denn die Gunst des Publikums zu gewinnen. Das liegt vermutlich weniger an den enormen gestalterischen Herausforderungen, mit denen der Solopart aufwartet und Manchen vielleicht auch erschreckt; es ist die unglaublich ausladend dimensionierte Musik selbst, deren epischer formaler Prozess ein Mitverfolgen kaum möglich macht. Wie dicht diese Musik gearbeitet ist und wie spannend sich der formale Prozess dann doch erweist, zeigt nun die Bearbeitung dieses Konzert-Kolosses für Kammerensemble durch den Schönberg-Schüler und -Schwager Rudolf Kolisch; der österreichische Komponist hatte diese im Auftrag Arnold Schönbergs für dessen „Verein für musikalische Privataufführungen“ angefertigt—ein Verein, der sich neben Gustav Mahler besonders für Max Reger einsetzte.

Auch wenn das Konzert in dieser Bearbeitung immer noch überladen erscheinen mag, so tritt hier Regers immenser kompositorischer Ideenreichtum deutlicher hervor, als in der Originalversion; so werden beispielsweise die vertrackten Stimmführungen trotz ständiger Modulationen ein wenig verständlicher. Zudem lässt sich meiner Meinung nach erst in dieser Einrichtung für Kammerensemble wirklich nachvollziehen, wie organisch die Solostimme in den Orchestersatz eingebettet ist, was natürlich auch dem klanglich und dynamisch hoch differenzierten Spiel des—überhaupt in allen Belangen—absolut souverän agierenden Linos Ensemble zu verdanken ist. Dazu gesellt sich mit Winfried Rademacher ein überlegener Solist, dem die Strapazen seines Parts zu keiner Zeit anzumerken sind. Seine tiefenscharfe und überaus klug phrasierende Reger-Deutung zeichnet eine große innere Ruhe aus, die selbst der großen Kadenz des Kopfsatzes ihren Stempel aufdrückt. Und die mitverantwortlich für eine tatsächlich besondere Lesart ist: eine Lesart, die insgesamt eine erstaunliche und so von mir noch nicht gehörte Leichtigkeit verströmt. © 2016 Klassik heute



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, March 2016

Liebhaber der Musik von Richard Strauss werden auch bei diesem dreisätzigen Violinkonzert voll auf ihre Kosten kommen. Die äußerst reizvolle Bearbeitung für ein kleines Kammerensemble (Flöte, Klarinette, Horn, Violine, Villa, Cello, Kontrabass, Klavier und Harmonium) durch den Geiger Rudolf Kolisch geht auf den Verein für musikalische Privataufführungen zurück. Gegründet von Arnold Schönberg hatte der Verein zum Zweck, „Künstlern und Kunstfreunden eine wirkliche und genaue Kenntnis moderner Musik zu verschaffen.“ Dabei standen die Werke Mahlers und Regers im Mittelpunkt des Interesses, Schönberg hielt Reger für nichts weniger als ein Genie.

Und wirklich, wenn man das Violinkonzert oder die Tondichtungen dieses Komponisten anhört, begegnet man herrlicher spätromantischer Musik, die keinen Deut schlechter ist als vergleichbare und wesentlich populärere symphonische Werke etwa eines Richard Strauss oder Alexander von Zemlinsky. Die Hybris des Komponisten einmal beiseite (O-Ton: „Es mag ja rasend arrogant sein, aber ich habe das Gefühl, dass ich mit diesem Violinkonzert die Reihe der zwei Konzerte Beethoven-Brahms um eines vermehrt habe“) weist dieses 1908 in Leipzig durch Marteau/Nikisch uraufgeführte fast 60-minütige Konzert große Qualitäten auf.

Den genannten großen Vorbildern (vor allem Beethoven) folgend, setzt nach einer etwa 3-minütigen Orchestereinleitung der Solist ein. Der mit 27 Minuten Spieldauer monumentale Stirnsatz hört sich eine wild-jugendlich-frische Tour durch eine Landschaft voller Berge und Seen an, voller Spiellust und überreich an harmonischen Überraschungen und komplexen wie immer neu aus sich schöpfenden Wendungen, die dem Solisten ein eigenes Universum an Virtuosität und Ausdrucksmöglichkeiten geben. Die konzertierende Violine ist stets überaus gut in den Orchesterpart eingebunden, und parliert in den solistischen Kadenzen wie improvisiert aus dem tänzerischen-verträumten Fundus schöner Erinnerungen. Nach einem romantischen zweiten Satz darf der dritte Satz laut Reger als „eine Photographie von Teufels Großmutter, als selbige würdige Dame noch jung war, auf alle Hofbälle ging, sich da unglaublich satanisch benahm…“, gelten. Dieser augenzwinkernden Diagnose ist nichts hinzuzufügen.

Oder doch? Das Linos Ensemble und der „Teufelsgeiger“ Winfried Rademacher spielen diese Musik tatsächlich so, dass man Schönbergs Wertschätzung für dieses selten aufgeführte Werk durchaus nachvollziehen kann. Eine Entdeckung! © 2016 Der Neue Merker





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