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Marek Kalina
kulturradio vom rbb, July 2016

Bei Schubert und Wagner geht der Text im Klang unter, mit Schreker und Korngold ist Anne Schwanewilms dann tatsächlich in ihrer „schönen Welt“ angekommen.

“Schöne Welt …” heißt das neueste Album der deutschen Sopranistin Anne Schwanewilms. Sie ist Jahrgang 1967 und gehört zu den profiliertesten Opern- und Lied-Interpretinnen. Ihre große Leidenschaft gilt der Musik von Richard Strauss, vor allem seinen Opern. Anne Schwanewilms wird weltweit als überragende Darstellerin der Feldmarschallin im “Rosenkavalier”, der Ariadne in “Ariadne auf Naxos” oder der Kaiserin in “Frau ohne Schatten” gefeiert.

Auf ihrer neuesten CD präsentiert sie sich Anne Schwanewilms als Lied-Interpretin—mit Stücken von Franz Schubert, Franz Schreker und Erich Wolfgang Korngold. Richard Strauss ist nicht dabei. Trotzdem eine “schöne Welt …”?

Das “goldene Zeitalter” des Liedes

Was die Dramaturgie dieser CD betrifft, ist das auf jeden Fall eine Welt voller Gefühle und Sehnsucht nach dem erträumten, verlorenen Paradies, erfüllt von ewiger Liebe. Auf ganz unterschiedliche Weise—stilistisch und inhaltlich—setzen sich mit diesem Thema alle Lieder auf dieser CD auseinander. Den Ausgangspunkt bilden elf Lieder von Franz Schubert, komponiert u.a. auf Texte von Schiller, Goethe, Schlegel und Claudius. Dazwischen stehen fünf Lieder von Franz Schreker, einem Zeitgenossen von Richard Strauss eingebaut—und drei Lieder von Erich Wolfgang Korngold, die 100 Jahre (1928) nach Schuberts Tod entstanden sind. Eine interessante musikalische Zeitspanne, die das “goldene Zeitalter” des Lieds als Kunstgattung widerspiegelt.

Der Titel des Albums “Schöne Welt…” ist dem ersten Lied auf der CD entnommen—dem Schubert-Lied “Die Götter Griechenlands”, komponiert 1819 auf ein Gedicht von Friedrich von Schiller: “Schöne Welt, wo bist du? Kehre wieder”—mit diesen Worten beginnt das Lied. Im Vortrag von Anne Schwanewilms geht der Text jedoch im Klang unter.

Frappierende Text-Unverständlichkeit

In der Oper kann man damit leben, dass die Textverständlichkeit meistens auf der Strecke bleibt, vor allem in den Oper von Richard Strauss, die Anna Schwanewilms so gerne singt. Da ist der Orchesterapparat meistens so riesig, dass mit dem üppigen Klang nicht nur der Text, sondern auch der Gesang zugedeckt wird. Bei Wagner ist es nicht anders. Wagner gehört auch zu den Vorlieben von Anne Schwanewilms, vor allem die lyrischen Partien wie die Elsa im “Lohengrin” oder die Elisabeth im “Tannhäuser”.

Beim Liedgesang muss man es strenger bewerten. Vor allem bei Schubert. Da spielt der Text eine tragende Rolle. Das ist die Basis des musikalischen Vortrags und Ausdrucks. Ohne den Text zu verstehen, kann man Schuberts nuancierte Klangsprache in seinen Liedern gar nicht verstehen—geschweige denn seelisch erleben. Warum Anne Schwanewilms insbesondere bei Schubert mit der Textverständlichkeit so nachlässig umgeht, ist frappierend, zumal die Sopranistin selbst in einem Booklet-Aufsatz auf die immense Bedeutung des Wortes ausdrücklich hinweist.

“Für die Singstimme sind seine (Schuberts) Lieder ein Balanceakt, ein Tanz auf dem Seil. Schubert führt die Stimme auf einem seidenen Faden. Als Sängerin muss ich mich darauf einlassen—auch wenn jeden Moment ein leiser Windhauch die Bedeutung eines Wortes in sein Gegenteil verkehren kann. Verweigere ich der Musik diese bedingungslose, vertrauensvolle Gefolgschaft, verliere ich das Gelichgewicht und falle vom Seil.”

Fokus auf Schönklang

Der Klang allein, mag er noch so farbenreich und technisch brillant gestaltet sein—reicht nicht aus, um Schuberts seelische Welten auszuloten, sein permanentes, musikalisches Wandern zwischen Einsamkeit, Liebe, Hoffnung, Sehnsucht, Verzweiflung und Tod. Das sind faszinierende Welten-Geschichten, die unter die Haut gehen können, wenn sie entsprechend musikalisch erzählt werden.

Nicht so in dieser Interpretation. Trotz Charles Spencer. Dabei gilt der Brite als einer der besten Liedbegleiter unserer Zeit, als Schubert-erfahrener Klangmagier, der mit vielen großen Sängerinnen und Sängern zusammenarbeitet. Im “Zusammenspiel” mit Anne Schwanewilms gelingt es ihm jedoch nicht, den Schubertschen Kosmos unmittelbar erleben zu lassen.

“Schöne Welt” bei Schreker und Korngold

Mit Liedern von Franz Schreker (Fünf Lieder op. 3) und Erich Wolfgang Korngold (Drei Lieder op. 22) kann Anne Schwanewilms anders als bei Schubert künstlerisch fast uneingeschränkt überzeugen.

Als überragende, weltweit gefeierte Straus-Interpretin liegt ihr vor allem die Musik von Franz Schreker, einem Strauss-Zeitgenossen und Konkurrenten, ausgezeichnet. Da kann sie die ganze Pracht ihrer farbenreichen, ausdrucksstarken Stimme präsentieren—und auch mit ihrer imposanten Gestaltungskraft brillieren.

Anne Schwanewilms ist mit Schrekers Musik bestens vertraut. Jahrelang war sie die gefragteste Interpretin der weiblichen Hauptfiguren in Schrekers Opern “Die Gezeichneten” und “Der ferne Klang”. Das kommt nun ihrem Lied-Vortrag sehr zugute, zumal die Lieder aus dem Opus 3 von Franz Schreker, die für diese CD ausgewählt wurden, einen starken opernhaften Gestus aufweisen. Hier ist Anne Schwanewilms tatsächlich in ihrer „schönen Welt“ angekommen. © 2016 kulturradio vom rbb



Pizzicato, July 2016

‘Schöne Welt’ heißt diese CD der Sopranistin Anne Schwanewilms und des Pianisten Charles Spencer. Der Name zur Einspielung wurde inspiriert von Schillers Gedicht ‘Die Götter Griechenlands’ (Schöne Welt, wo bist du ?).

Die CD erklingt wie eine Reminiszenz eines vergänglichen Paradieses und passt thematisch gut in unsere moderne, komplexe Welt, mit ihren Kriegen, Flüchtlingstragödien, Fremden und Religionshass sowie Fanatismus.

‘Die Götter Griechenlands’ ist das geeignete Lied, um ein derart komplexes, philosophisches Gedankengut anzugehen. Weiter zu hören sind auf dieser Aufnahme Schuberts Lieder ‘An den Mond’ und ‘Im Abendrot“, also weitere Reflexionen zum Thema Mensch und der Suche nach dem Sinn des Lebens. Von Schubert gibt es auch die vier gekoppelten Lieder ‘Das Mädchen’, ‘Die junge Nonne’, ‘Schwesterngruß’ und ‘Der Tod und das Mädchen’, weitere Vertonungen nach Dichtungen von Schlegel, Bruchmann, de Jachuletta oder Claudius zum Thema Leben, Tod und verlorenes Paradies.

Die drei Lieder aus ‘Ellens Gesänge’ von Schubert beenden das Programm. Im letzten Lied, dem bekannten ‘Ave Maria’, basierend auf Walter Scotts Gedicht ‘Lady of the Lake’, wendet sich die junge Frau in ihrer Verzweiflung an die Jungfrau Maria und bittet sie um Hilfe, da ihr Clan vor einem Krieg steht. Also ein letzter Appel für eine schönere Welt…

Weiter stehen ‘Fünf Lieder’ op. 3 von Franz Schreker auf dem Programm der CD. Anders als Schubert hat Schreker in seinen Liedern eine Zeitlang erfolgreich eine schöne heile Welt dargestellt. Ein weiterer österreichischer Komponist dieser Einspielung ist Erich Wolfgang Korngold, der mit den ‘3 Liedern op. 22’ vertreten ist. Auch er, der als Jude nach Hollywood flüchtete, baute sich eine schöne Welt als Filmkomponist auf.

Anne Schwanewilms, die als eine außergewöhnliche Strauss und Liedinterpretin gilt, hat mit dieser CD ein geschicktes Programm zusammengestellt. Jedoch erweist Sie sich nicht in sämtlichen Liedern als die ideale Interpretin. In manchen Stücken klingt ihre Stimme zu reif und zu voluminös und somit nicht glaubwürdig. Aber es fehlt nicht nur an jugendlicher Frische, sondern auch an Textverständlichkeit. Zwar gibt es wunderbare lange melodische Linien, aber hin und wieder irritieren die recht künstliche Färbung der Stimme und ein zu affektreiches Singen, das der Textverständlichkeit abträglich ist.

Viel Lob verdient Charles Spencer für seine intelligente Klavierbegleitung. © 2016 Pizzicato





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