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Album Reviews



 
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Remy Franck
Pizzicato, May 2015

Diese CD ist ungemein spannend! Die drei Werke erlangen in den Interpretationen des Signum Quartetts etwas Geheimnisvolles, mitunter auch Angstvolles. Um so zu spielen, so zu erzählen, braucht es auf Seiten der Interpreten eine tiefe affektive Bindung zum Notenmaterial, aber auch eine geistige Vorbereitung, welche die Komplexität der Anforderungen klar und vor allem die Ereignisse zwischen Beginn und Ziel deutlich werden lässt. Das scheint mir vorbildlich erfolgt zu sein, weil die Signum-Musiker es darüber hinaus auch noch schaffen, des Hörers innere Sinne direkt anzusprechen und ihn tief in die Musik hinein ziehen.

So entsteht im Debussy-Quartett gleich eine faszinierende Atmosphäre, gar nicht vergleichbar z.B. mit dem, was das Hagen Quartett in seiner ersten Einspielung dieses Opus erzeugte. Das Signum Quartett ist längst nicht so dramatisch, nicht so energetisch und bedient sich vielmehr einer faszinierenden Nuancierungskunst und eines subtilen Spiels mit den Farben, die aus dieser Interpretation etwas ganz Besonderes machen.

Debussy geht auf diese Weise quasi nahtlos in das siebensätzige Quartett ‘Arcadiana’ von Thomas Adès über, das 1994 uraufgeführt wurde und die Ideallandschaft Arkadiens beschreibt, wie sie Vergil in seinen Hirtenliedern geschildert hat. Laut dem Komponisten beschwören die sieben Titel Bilder herauf, die mit der Vorstellung von Idylle, Entschwinden, Entschwundenem und Erfundenem verknüpft sind. Die Sätze mit ungerader Nummer handeln alle vom Wasser und ergeben eine zusammenhängende musikalische Einheit. Der dritte Satz bezieht sich auf das Schubert-Lied ‘Auf dem Wasser zu singen’. Die Überschrift des fünften Satzes wurde von Watteaus Gemälde ‘L’Embarquement pour Cythère’ im Louvre abgeleitet. Der siebte Satz trägt den Namen des mythischen Flusses des Vergessens in der Unterwelt. Der zweite und der sechste Satz haben das pastorale Arkadien bzw. Mozarts ›Königreich der Nacht‹ und andere Gefilde zum Thema. Im Mittelpunkt steht der vierte Satz; er trägt als Titel den Beginn der lateinischen Inschrift ‘Et in Arcadia ego’, die auf Poussins Gemälde im Louvre von Hirten entdeckt wird und an die Vergänglichkeit selbst in der Idealwelt Arkadiens erinnert.

Diese Musik hat im Signum Quartett einen phänomenal begabten Erzähler, der das Konkrete von Adès’ Gedanken in ihrer musikalischen Abstraktion emotional auszudrücken versteht und damit für den aufmerksam vertieften Hörer Deutungsräume voller suggestiver Hilfen schafft.

Introspektion und raffinierte Affektnuancen bestimmen auch das Ravel-Quartett, in dem wir, wie in den beiden ersten Werken, die Klangbalance des Ensembles bewundern, das die Musik in eine Art sensuellen Traum verwandelt, der die ganze Delikatesse von Ravels Musik wiedergibt. Und so wird diese CD summa summarum ein Zufluchtsort für geheimnisvolle Gedanken, Wünsche und Sehnsüchten, aus dem uns der letzte Satz des Ravel-Quartetts in einer besonders stringenten und extrovertierten Interpretation herausreißt. © 2015 Pizzicato



Heinz Gelking
image hifi, April 2015

”Soundescapes” hat das Signum Quartett seine neue CD betitelt, Klangfluchten also. Die Streichquartette von Claude Debussy und Maurice Ravel umrahmen ein Werk von Thomas Adès, nämlich Arcadiana von 1994. Arkadien ist ein geographischer, viel mehr aber ein mythologischer Ort, von Susanne Ziese beschrieben als “weltliches Jenseits, erfüllt vom Frieden der Einfachheit, von reinen Sinnenfreuden und schönen Künsten”. Bei Adès ist es auch ein Ort musikgeschichtlicher Zitate, aus der “Rachearie” der Zauberflöte zum Beispiel. Vielleicht sollte man der vermeintlichen Idylle also gar nicht trauen und sich nach Falltüren in der so aparten Musik umschauen. Jedes der drei Werke ruft einen eigenen Klangraum auf, jedes unterscheidet sich in Farbe und Textur, jedes hat spezielle nur ihm eigene Effekte wie Glissandi, Pizzicati, Flageoletts, extrem Leises. Das Signum Quartett kostet solche Klangreize bis auf den Grund aus und eröffnet uns mit seinem vielschichtigen, sich permanent wandelnden Spiel womöglich wirklich Fluchtwege in unbekannte Welten. © 2015 image hifi





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