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Album Reviews



 
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Arnt Cobbers
Klassik Newsletter, November 2015

In der russischen oder sowjetischen Musik des 20. Jahrhunderts sind noch einige Entdeckungen zu machen. Zum Beispiel Alexander Mossolow. 1900 geboren, in den 20er Jahren sehr erfolgreich, in den 30ern als Konstruktivist geschmäht und schließlich wegen „konterrevolutionärer Propaganda“ zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Eine neue CD stellt nun einige Haupt- und Nebenwerke aus den 20er Jahren vor: Musik des Aufbruchs zu musikalisch wie politisch neuen Welten. Das ist wild, packend, auf der Basis der Tradition avantgardistisch und immer überraschend—in den symphonischen Werken wie dem Klavierkonzert oder dem kurzen Stück Die Eisengießerei wie auch in der Klaviersonate, der Legende für Cello und Klavier und den vier vertonten, absurden Zeitungsanzeigen. Und hier bestens gespielt. © 2015 Klassik Newsletter




Guido Fischer
Rondo, September 2015

„Irato“ (zornig), „estatico“ (ekstatisch), „impetuoso“ (stürmisch) und „con tutta forza“ (mit aller Kraft)—mit solch eindeutigen Spielanweisungen für den Pianisten fegte Alexander Mosolov jeglichen Anflug von säuselndem Klavierromantisieren weg. Schließlich zählte für Mosolov nur der neue Zeitgeist, die Revolution, der Aufbruch. Und statt gedankenverloren im Kämmerchen oder Salon herumzuklimpern, packte der frischgeborene Sowjetbürger in den 1920er Jahren mit seinen Kompositionen mit an und krempelte die Ärmel hoch. Sein bekanntestes Werk hat es inzwischen auch in deutsche Silvesterkonzerte geschafft. Es ist das aus der Ballettmusik „Stahl“ stammende Orchesterstück „Die Eisengießerei“, bei dem es dank der mechanisierten Rhythmen in einer Tour derart stampft und dampft, dass auch die Musiker vom Berliner RSO richtig „malochen“ müssen und ins Schwitzen geraten.

Ähnlich in Fahrt kommt ebenfalls die aus „Stahl“ stammende Szene „Die Ankunft des Traktors im Kolchos“—wenngleich gegen Ende das Feierlich-Hymnische dann doch etwas nervt. Neben diesen kurzen Muntermachern gibt es bei diesem Mosolov-Porträt die 1. Klaviersonate op. 3 zu entdecken, die mit ihrer Mischung aus suggestivem Klangfarbenflimmern und wuchtiger Polytonalität fast jeder Skrjabin-Sonate Konkurrenz machen könnte. Die „Vier Zeitungsanzeigen“ für Sopran und Klavier geben sich dagegen trotz ihrer aus dem Leben gegriffenen Texte etwa aus der Feder von Kammerjägern vielleicht ein wenig zu gespreizt. Dafür stellt sich die Legende für Cello und Klavier mit leichtem Blues und Jazz-Flair vor. Auch hier liegt der Klavierpart in den bewährten Händen von Steffen Schleiermacher und damit eines Pianisten, der wie fast kein Zweiter sich auch mit dieser leicht vergessenen Moderne auskennt (sein ähnlich neugieriger Kollege Herbert Henck scheint mittlerweile leider nahezu verstummt zu sein). Im Zentrum der Aufnahme steht nun Mosolovs 1. Klavierkonzert, bei dem es in bester Prokofjew-Manier brodelt, stampft und wütet. Und Schleiermacher spielt es so, wie sich der Komponist es wohl gewünscht hätte: „infernale“, „ironico“ und nicht zuletzt „con tutta forza“! © 2015 Rondo




Remy Frank
Pizzicato, September 2015

Von dem russischen-ukrainischen Komponisten Alexander Mosolov (1900–1973) kennt die Musikwelt vor allem das Opus 19, ‘Die Eisengießerei’, in dem er die Geräusche der Fabrik in Musik umsetzt. Die neue Capriccio-CD bringt mehr Mosolov-Werke aus den Zwanzigerjahren zu Gehör und erklärt damit, wieso der Komponist, der sich der 1924 gegründeten ASM (Vereinigung für zeitgenössische Musik) angeschlossen hatte, in Konflikt mit dem Sowjetregime geriet, da seine Musik nicht mit den Regeln des Sozialistischen Realismus zu vereinbaren war. Er wurde 1937 verhaftet und zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Doch im August 1938 erreichten seine Lehrer Glière und Miaskovsky, dass er begnadigt und seine Strafe in eine fünfjährige Verbannung aus Moskau, Leningrad und Kiev umgewandelt wurde. Er lebte zurückgezogen bis zu seinem Tod, und selbst seine späteren, tonalen und ‘liniengetreuen’ Werke wurden auch nach seinem Tode kaum aufgeführt.

Mosolovs Erstes Klavierkonzert mutet den Hörer wie eine Fortsetzung der ‘Eisengießerei’ an: die Musik entspricht dem, was die Musikwissenschaft von seinem Stil sagt: « Dieser ist konstruktivistisch, antiromantisch, antiemotional und in seiner Radikalität provozierend. In vielen Werken meidet Mosolov den Wohlklang und setzt fast alle Regeln der Tradition außer Kraft. Atonalität ist in seinen Werken dieser Zeit sehr häufig anzutreffen. » Auch der Jazz ist ein beeinflussendes Element für dies Konzert, das hier in einer sehr motorischen und hinreißend brillanten Aufführung erklingt.

Nach dem knapp vier Minuten langen, durchaus humoristischen Werk ‘Ankunft des Traktors im Kolchos’ kommt die von Ironie strotzende ‘Legende für Cello und Klavier’, gefolgt von der Ersten Klaviersonate—klangvoll und spannungsvoll gespielt—ehe das Programm dann mit den ‘Vier Zeitungsanzeigen’ von 1928 endet, in denen sich Mosolov satirisch mit Banalitäten wie einem entlaufenen Hund, einem Rattenvernichtungsangebot oder Herrn Stotterbock auseinandersetzt, der sein Namen ändern will.

Schade, dass dieses Talent von den Sowjets so erbarmungslos erdrosselt wurde! © 2015 Pizzicato





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