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ouverture - Das Klassik-Blog, April 2018

Mit den Goldberg-Variationen BWV 988 von Johann Sebastian Bach beschäftigt sich Christine Schornsheim schon seit vielen Jahren. „Angefangen hat es bei mir bereits während meines Klavierstudiums, und unvergessen bleiben mir einige Stunden bei Amadeus Webersinke, der mit 1980 in einem Meisterkurs gehörig den Kopf gewaschen hat und mit unnachgiebiger Strenge versuchte, mir meinen bis dahin offensichtlich recht oberflächlichen Blick auf das Werk auszutreiben“, erinnert sich die Cembalistin. „Am Ende dieses Kurses gab es dann noch die freundliche Ermahnung, die Variationen immer und immer wieder zu studieren und den hoffnungsvollen Satz ,später werden Sie diese Variationen sicher gut spielen!’.“

Mittlerweile gibt die Musikerin selbst Meisterklassen; mit Leidenschaft unterrichtet Christine Schornsheim als Professorin für historische Tasteninstrumente Studierende an der Münchner Musikhochschule. Die Goldberg-Variationen hat sie schon vor mehr als 25 Jahren eingespielt. Dass sie sich nun noch einmal von Grund auf mit dem Werk befasste, verdanken wir dem Cembalobauer Christoph Kern. Denn er ermunterte die Musikerin, die Aria mit 30 Veränderungen ein zweites Mal aufzunehmen. Er hat auch das Cembalo angefertigt, das hier zu hören ist, nach einem Vorbild, gebaut von Michael Mietke um 1710 in Berlin.

Schornsheim ließ sich auf das Experiment ein. Dafür kombinierte sie die Goldberg-Variationen mit einem anderen, ebenso bedeutenden, allerdings weit weniger populären Variationswerk—der Aria ,La Capricciosa’ BuxWV 250 von Dieterich Buxtehude. (Diese Gegenüberstellung lässt noch immer erahnen, warum der junge Bach seinerzeit zu Fuß von Arnstadt nach Lübeck wanderte, um bei dem älteren Kollegen zu lernen.) „Viele Querverbindungen zeigen sich bei näherer Betrachtung beider Werke“, unterstreicht die Cembalistin im Beiheft. „Die rein norddeutsche Orgel—und Cembalotradition durchbricht Buxtehude bei ,La Capricciosa’. Indem er sich einer in Italien beheimateten Bergamasca als Thema bedient. Dieses Thema wiederum finden wir leicht verändert als ;Kraut und Rüben haben mich vertrieben’ im Quodlibet der ,Goldbergvariationen’ wieder. Dass wir es bei beiden Werken mit 32 Stücken zu tun haben, wird auch kein Zufall sein.“

Zu jedem dieser insgesamt 64 Stücke findet Schornsheim einen individuellen Zugang; die Cembalistin besteht auf differenziertem Gestus und Ausdruck. Außerdem spielt sie virtuos und mit Temperament, was es zu einem großen Vergnügen macht, ihr zuzuhören. © 2018 ouverture - Das Klassik-Blog



WDR (Westdeutscher Rundfunk), April 2017

Bach zeigt sich hier von einer menschlichen und humorvollen Seite wie in kaum einem anderen Werk. Die Cembalistin Christine Schornsheim spielt die Goldberg Variationen seit über 30 Jahren. “Wieviel des menschlichen Lebens steckt in diesen Variationen und der perfekten Symmetrie und Architektur”, schreibt sie im Begleitheft zu ihrer aktuellen Neuaufnahme. “Nach den 30 Variationen mit allen nur denkbaren Affektwechseln wieder bei der Aria anzukommen, hat etwas Schmerzliches und Tröstliches zugleich. Noch nie habe ich im Konzert in diesem Moment Müdigkeit verspürt, wohl aber Trauer über die Endlichkeit, nicht selten aber auch einen tiefen Frieden.”

Tatsächlich sind Bachs “Goldberg Variationen” BWV 988 vor allem wegen ihrer großen Kunstfertigkeit und Vielfalt berühmt. Die virtuosen Herausforderungen sind nicht nur gefürchtet, sondern ziehen die Interpreten regelrecht in ihren Bann. Die Lust und Freude am Spiel mit den Tasten wird jedes Mal größer.

Auch der planvolle symmetrische Bau des umfangreichen Variationszyklus fasziniert. Am Anfang und Ende steht dasselbe Thema: die langsam schreitende Aria. Eine prachtvolle französische Ouvertüre markiert die Mitte des Werkes. Außerdem teilen sich die dreißig Variationen in zehn Dreiergruppen, die jeweils ein Charakterstück, eine virtuose Variation und einen Kanon enthalten.

1741, mit 56 Jahren, lässt Johann Sebastian Bach sein umfassendes Variationswerk erstmals drucken, und zwar unter dem umfangreichen Titel “Clavier Übung bestehend in einer ARIA mit verschiedenen Veränderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen”. Den heute so bekannten Namen “Goldberg” bringt über 50 Jahre nach Bachs Tod sein erster Biograph Johann Nikolaus Forkel ins Spiel. Den Erinnerungen der Bach-Söhne zufolge soll der jugendliche und hochbegabte Cembalo-Schüler Johann Gottlieb Goldberg die 30 Variationen einem russischen Gesandten am Dresdner Hof in dessen schlaflosen Nächten vorgespielt haben.

Für die Neuaufnahme der Bach'schen “Goldberg Variationen” hat Christine Schornsheim eines ihrer Lieblings-Cembali gewählt: den Nachbau eines Instrumentes aus dem Jahre 1710 von Michael Mietke, aus dessen Berliner Werkstatt Bach selbst sich ein Cembalo bestellt hatte.

Christine Schornsheim erläutert die verschiedenen Tempomöglichkeiten, aber auch die vielfältigen Charaktere, Stimmungen, Spielweisen und Herausforderungen der “Goldberg Variationen” BWV 988, aber auch ihre lebenslange Auseinandersetzung mit dem Werk als Interpretin—von ihrer Studienzeit bis zur heutigen Tätigkeit als Professorin an der Musikhochschule in München. © 2017 WDR (Westdeutscher Rundfunk)




Guido Fischer
Rondo, January 2017

Über den Einfluss des Organisten Dietrich Buxtehude auf Johann Sebastian Bach gibt es keine zwei Meinungen. Was aber Buxtehude als den geistigen Paten von Bachs „Goldberg-Variationen“ angeht, da zerbrechen sich Musikwissenschaft und Interpretenzunft immer noch die Köpfe. Worum geht es? Um Buxtehudes Variationsreigen „La capricciosa“ BUXWV 250, der mit seinen 32 Stücken genauso umfangreich ist wie eben Bachs berühmtes Cembalo-Pendant. So hat etwa jüngst der luxemburgische Pianist Francesco Tristano angesichts so mancher Parallelen die These aufgestellt, dass jede Bach-Variation im Grunde ein Update einer Buxtehude-Variation sei. Und erst recht kann es kein Zufall sein, dass das Ausgangsthema von „La capricciosa“ sich bei Bach im finalen Quodlibet in Form des verwandten Volksliedes „Kraut und Rüben“ wiederfindet.

Auch Christine Schornsheim weist in ihrem Booklettext zur eingespielten Gegenüberstellung der beiden Variationszyklen auf solche Tatsachen hin. An weiteren Spekulationen beteiligt sie sich aber nicht, sondern lässt lieber die Musik sprechen. Und da steht das Urteil schnell fest. So wie Schornsheim sich an dem volltönig leuchtenden Nachbau eines Mietke-Cembalos von 1710 auf die Reise in die Wunderwelt deutscher Barockmusik macht, kommt man sehr gut auch ohne die Lösung solcher musikhistorischer Fragen aus. Zumal Schornsheim über eine Palette an Farben verfügt, die allein schon aus jeder der Buxtehude-Variationen eine kleine wertvolle, verlockend schöne und nuancenreich schimmernde Perle macht. Außerdem besitzt bei der Musikerin alles Hand und Fuß, Stil und Geschmack. Was selbst für die „lebendigen“ Verzierungen gilt.

Einen Gang höher schaltet Schornsheim sodann bei Bach und da, wo Drive gefragt ist. Wobei sie stets auf äußerste Klarheit bedacht ist. Untadelig ist das alles vorgetragen. Aber nicht selten hat man den Eindruck, dass Schornsheim ihren Bach inzwischen vielleicht doch allzu gut kennt. Dagegen wirkt ihr Buxtehude wie eine aufregend neue, junge Liebe. © 2017 Rondo



Friedrich Sprondel
Fono Forum, January 2017

Virtuos-hochgespannte, auch humorvolle Interpretation zweier variativer Meisterwerke. © 2017 Fono Forum





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