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Johannes Schmitz
Fono Forum, July 2017

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Ingobert Waltenberger
Online Merker, May 2017

Schon 1997, dem Jahr, in dem ihm die österreichische Kammersängerschaft zuteil wurde, hat der junge Bo Skovhus die Schöne Müllerin eingespielt, mit Helmut Deutsch am Klavier (bei EMI erschienen, später von Sony wiederaufgelegt). Skovhus, der die Tradition des klassischen Kavaliersbariton hoch hält, hat sich seit seinen Anfängen an der Wiener Volksoper (unvergesslich sein Don Giovanni!) ein breites Repertoire angeeignet und auch stilistisch überzeugend künstlerisch umgesetzt. Ob es Operette, klassische Oper oder die Moderne sind, ob Lied, Oratorium oder ein breites Konzertwirken, stets konnte und kann Skovhus mit ehrlich intensiver Darstellung, präziser Wortausdeutung und kluger Phrasierung für sich einnehmen.

Im Liedgesang pflegt und liebt Skovhus ebenso die stilistische Vielfalt. Der ersteingespielte Müllerinnen- Zyklus hat das lichte Primat der Jugendlichkeit. Geht es in der traurigen Geschichte doch um einen jungen Mann mit untröstlichem Liebeskummer, war Skovhus‘ heller kerniger Bariton, dem schon damals kaum Balsamisches anhaftete, sehr gut geeignet, um die soghaften Gefühlsabläufe auf der Wanderschaft des Müllers in den Tod glaubwürdig zu vermitteln. Die Stimme ist reifer geworden und so manch technisches Zwicken und Zwacken macht sich vor allem bei den ersten beiden Liedern bemerkbar. Da klingt der nach wie vor burschenhaft gefärbte Bariton von Skovhus oft kurzatmig, allzu behaucht und in den Verzierungen nur von ungefähr. Aber von der ersten Note an gilt es auch einen bemerkenswerten Drive und eine unmittelbar bewegende Ausdruckstiefe zu konstatieren. Es ist so in etwa wie bei jungem und altem Wein. Wem was besser mundet, bliebt letztlich Geschmacksfrage. Je öfter ich die neue CD anhöre, desto mehr entdecke ich an großen Momenten in den Piani, den hoch gelegenen Legatostellen, im Singen am Wort. Dafür lassen sich schon abnützungsbedingte stimmliche Defizite in Kauf nehmen.

Das große Atout der neuen Aufnahme ist aber Stefan Vladar am Klavier. Vladar ist kein bloßer Begleiter, sondern ein genialer Pianist, der Schubert komplett aus der Gemütlichkeitsecke holt. Unglaublich rasch und drängend geht die schicksalshafte Reise wie im Sturmschritt voran. Nicht biedermeierlich verweilend, sondern gar atemlos rast der Müllersbursch seinem Ende entgegen. Er findet erst am Ende mit dem Schubert‘schen Liebestod („Des Baches Wiegenlied“) die ersehnte Ruhe. Wie Vladar all das in atmosphärisch dichte Klänge taucht, existenziell aufgeraut und in einen großen Spannungsbogen getaucht, das gehört zu den ganz großen Klavierleistungen im Liedgesang auf Tonträger.

Für alle, die in der Schönen Müllerin weniger einen romantischen Liedzyklus sehen, sondern ein expressionistisches Drama hören wollen, werden von der neuen CD angetan sein. Schöngesang sollte nicht erwartet werden, aber der Musikfreund wird im Gegenzug mit jeder Menge an künstlerischer Wahrhaftigkeit und faszinierender vokaler Entäußerung (z.B.: „Die böse Farbe“) belohnt. © 2017 Online Merker





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