Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

 
Keyword Search
 
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

CLASS: aktuell, October 2018

View PDF  



Giselher Schubert
Fono Forum, October 2017

View PDF  


Carsten Dürer
Piano News, September 2017

View PDF  



Guido Fischer
Rondo, July 2017

ANTHEIL, G.: Jazz Symphony (A) / Piano Concerto No. 1 / Capital of the World Suite (Dupree, Rheinland-Pfalz State Philharmonic, Steffens) C5309
ANTHEIL, G.: Orchestral Works, Vol. 1 - Symphonies Nos. 4 and 5 / Over the Plains (BBC Philharmonic, Storgårds) CHAN10941

Kaum hatte George Antheil 1922 europäischen Boden betreten, sollte er bekanntermaßen zu einer der schillerndsten Figuren in den Musikmetropolen Berlin und Paris werden. Denn der Amerikaner muss nicht nur ein phänomenaler Pianist mit einer außergewöhnlichen Vorliebe für die damaligen Musiktrends gewesen sein. Als Komponist zog er von frechem Jazz bis zur tollwütigen Maschinenmusik alle Register, um schon mal handfeste Skandale auszulösen. Doch auch wenn Antheil sich dabei oftmals von den Grellheiten eines Strawinski fasziniert zeigte, trifft auf Teile seines beachtlichen Schaffens ein Wort zu, das Leonard Bernstein einmal über die Musik von Gershwin gesagt hat: „Sie klingt amerikanisch, riecht nach Amerika, und wenn man sie hört, fühlt man sich amerikanisch.“ Antheils amerikanische, aber eben auch seine ausgeprägt europäische Seite kann man nun auf zwei Tonträgern auf durchaus unterschiedliche Weise kennenlernen. Während nämlich Karl-Heinz Steffens mit seiner Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz eine furiose Leistungsschau vom auch mit spektakulären Rhythmen und Dissonanzen jonglierenden Jazzfan Antheil bieten, stellt das BBC Philharmonic unter John Storgårds den eher unbekannten Sinfoniker Antheil vor.

Mit einem wahren Muntermacher legt zunächst die Staatsphilharmonie auf standesgemäß prachtvollem Niveau los. „A Jazz Symphony“ für drei Klaviere und Orchester flirtet heftig auch mit flirrendem Strawinski-Kolorit. Von strammer Rhythmik effektvoll aufgezogen kommt danach das von Pianist Frank Dupree mit muskulöser Pranke hingeschmissene 1. Klavierkonzert daher. Und vor dem rumbaesk-flotten Finalstück „Archipelago“, das ab sofort als Alternative zu Darius Milhauds Hit „Le bœuf sur le toit“ gelten darf, geht das Orchester Antheils Ballettmusik „Capital Of The World“ aus dem Jahr 1953 mit dem dafür notwendigen iberischen Temperament an.

Aus den 1940er Jahren stammen hingegen die beiden Sinfonien Nr. 4 & 5, die John Storgårds und das BBC Philharmonic mit der Weltersteinspielung des Konzerstücks „Over The Plains“ (1945) kombiniert haben. In allen drei Werken sucht man zwar vergeblich nach jener auch provozierenden Experimentierfreudigkeit des George Antheil früherer Jahrzehnte. Dafür ging er immerhin geschickt bis inspiriert mit musikalischen Facetten um, die u.a. Schostakowitsch und Copland vorgegeben hatten. Mit strahlenden Blechbläser-Fanfaren und Cowboy-Songanleihen könnte „Over The Plains“ glatt ein Kommentar zu Coplands drei Jahre vorher komponiertem Ballett „Rodeo“ sein. Die mit „1942“ betitelte Vierte, die im 2. Satz auf das von den Nazis verübte Massaker in Lidice Bezug nimmt, bewegt sich ständig zwischen beklemmender Tragik und trotziger Fröhlichkeit. Und die mit „Joyous“ bezeichnete Fünfte (1947/48) kommt mit ihren Folklorismen und ihrer hollywoodesken Süffigkeit wunderbar „amerikanisch“ rüber—dank eines Orchesters, das nicht vordergründig Brillanz und Drive auffährt, sondern bis in die Fingerspitzen das nötige Melos besitzt. © 2017 Rondo



Hans Ackermann
kulturradio vom rbb, July 2017

COPLAND, A.: Symphony No. 3 / 3 Latin American Sketches (Detroit Symphony, Slatkin) 8.559844
ANTHEIL, G.: Jazz Symphony (A) / Piano Concerto No. 1 / Capital of the World Suite (Dupree, Rheinland-Pfalz State Philharmonic, Steffens) C5309

Experiment und Provokation: Die sinfonischen Werke von George Antheil und Aaron Copland sind Beispiele für die vielfältige Musikkultur der USA.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom europäischen Neoklassizismus wie auch vom nordamerikanischen Jazz beeinflusst, haben sich beide Komponisten auch Ausflüge in die mexikanische Folklore gegönnt.

Musikalisches Monument

1946 hat Aaron Copland seine Sinfonie Nr. 3 uraufgeführt, eine moderne Pastorale, die nach den Jahren des Krieges den langersehnten Frieden feiert. Schon 1942 hatte Copland im Auftrag des Cincinnati Symphony Orchestra seine berühmte “Fanfare for the common man” komponiert, eine patriotische Hymne für Blechbläser und Perkussion, die im Schlusssatz der Sinfonie im Mittelpunkt steht.

Leonard Bernstein hat Coplands Sinfonie 1947 in Europa uraufgeführt und das Werk in der Folge ein “musikalisches Monument” genannt—vergleichbar mit dem Lincoln Memorial, dem berühmten Freiheitsdenkmal in Washington.

Freiheit

Dennoch war Copland in den Fünfzigerjahren den Verfolgungen des McCarthy-Komitees für “unamerikanische Aktivitäten” ausgesetzt. Seine Werke waren zeitweilig verboten, er selbst wurde der Sympathie mit der Kommunistischen Partei verdächtigt. Erst in den Sechzigerjahren wurde Copland rehabilitiert und von Präsident Johnson mit der “Medal of Freedom”, der amerikanischen Freiheitsmedaille ausgezeichnet.

Radikalität

So wie Aaron Copland hat auch George Antheil seine musikalische Ausbildung in Paris erhalten und in den Zwanzigerjahren mit der Verbindung von europäischer Kunstmusik mit nordamerikanischem Jazz experimentiert. Antheil geht hierbei radikaler als Copland vor, lässt in seiner “Jazz Symphony” Walzerklänge und expressives Jazzklavier aufeinanderprallen, fügt aber auch stilsicher mexikanische Folklore und allerlei Geräusche der Großstadt hinzu.

Für die umfänglichen klanglichen Herausforderungen dieser sinfonischen Collage des 20. Jahrhunderts zeigen sich Karl-Heinz Steffens und seine Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz bestens vorbereitet, unterstützt dabei von nicht weniger als drei Pianisten, die in dieser aufregenden Musik die solistischen Glanzlichter setzen.

Provokation

Der Titel seiner 1945 erschienen Autobiographie “Bad Boy of Music” charakterisiert bis heute recht gut das Selbstverständnis George Antheils, der oft als Provokateur, aber immer noch viel zu selten als hochtalentierter Komponist angesehen wird. © 2017 kulturradio vom rbb



Lotte Thaler
SWR2 Radio, July 2017

Tour de force durch das heutige Amerika

Eine wilde Collage ist die Jazz Symphony des „bad boy of music“: George Antheil. „Ich habe ein Stück geschrieben“, teilt er einer Mrs. Bok mit, „ein Super-Jazzstück, das, wie mir sogar Gershwins beste Freunde versichern, Gershwin in den Schatten stellen wird—es ist eine Tour de force durch das heutige Amerika.“

Ein Jahr nach der „Rhapsody in Blue“ schrieb Antheil dieses „Superstück“ 1925, ebenfalls wie Gershwin für Paul Whiteman und seine Band. Aber Antheil wurde nicht rechtzeitig fertig, so dass die Jazz Symphony erst 1927 aufgeführt werden konnte, und auch nicht von Paul Whiteman. Gershwin, der im Publikum saß, kommentierte prompt: „Ich kann Anteils Jazz wirklich nicht mit meinem vergleichen. Er bewegt sich in Polytonalitäten und Dissonanzen, folgt Strawinsky und den Franzosen.“

Reihe von Anklängen

In der Tat: Anklänge an Strawinskys „Sacre“, an die „Geschichte vom Soldaten“ und den Schluss aus „Petruschka“ sind nicht zu überhören. Dazu kommen aber noch ein opulenter Hollywood-Walzer, ein Ragtime von Scott Joplin und das Thema aus der Ballettmusik „La Creation du monde“ von Darius Milhaud.

Frank Dupree, Jazz-affiner, kraftvoll zupackender, glänzender Pianist und die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Karl-Heinz Steffens haben die Jazz Symphony in der Originalfassung von 1925 eingespielt. © 2017 SWR2 Radio



Dietrich Heißenbüttel
Schott Music, June 2017

Dem Orchester und seinem Dirigenten Karl-Heinz Steffens sei empfohlen, wenn sie denn solche Werke einspielen wollen, ein halbes Jahr nichts als die hervorragendsten afro-amerikanischen Jazz-Orchester der Zeit—Fletcher Henderson etwa, Duke Ellington oder eben W. C. Handy—anzuhören, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie eine solche Musik zum Swingen gebracht werden kann. © 2017 Schott Music





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group