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Album Reviews



 
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Attila Csampai
Stereoplay (Germany), July 2017

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Gerhard Persché
Fono Forum, July 2017

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Jürgen Otten
Opernwelt (Germany), June 2017

John Troutbeck ließ sich nicht erweichen. Als der Priester daran ging, Antonín Dvořáks Kantate für Soli, Chor und Orchester «Svatební Košile » ins Englische zu übertragen, änderte er den Titel. Aus den «Brauthemden» wurde kurzerhand «The Spectre’s Bride», zu Deutsch: «Die Geisterbraut», und dies zu Recht. Der Titel passt weit besser zu jener schaurig-moralischen Ballade, die des Komponisten Landsmann Karl Jaromír Erben ersonnen hatte. Darin ein unschuldiges, der Abwesenheit ihres Geliebten wegen unglückliches Mädchen von einem Geist zur Sünde verlockt wird, schließlich aber, nachdem sie die Jungfrau Maria um Vergebung gebeten hat, in den Schoß der Kirche und zum Leben zurückfindet.

Dvořáks Vertonung hält sich streng an die Geschichte, untermalt sie mit luzid-leidenschaftlichen, aufwühlenden Klängen. Die Kantate als Opernszene, als wär’s ein Liebes-(leid)akt von Gounod, in mährischen Märchengefilden spielend. Cornelius Meister und das ORF Radiosymphonieorchester Wien finden den goldenen Mittelweg zwischen romantischem Schwelgen und distinguierter Rhetorik. Der Klang des Orchesters und ebenso der von Heinz Ferlesch einstudierten Wiener Singakademie ist licht, transparent, eloquent. Und die Wahl der Solisten formidabel. Adam Plachetka erscheint als mitfühlender Erzähler, Pavol Breslik gibt den bösen Verschwörer mit tenoralem Glanz und verführerischem vokalen Charme. Simona Šaturovás manchmal arg fragil-bebender, in den Pianopassagen glockenheller Sopran entspricht in allen Nuancen dem Charakter des Mädchens. Höhepunkt dieser klangschönen, feinnervigen, große Bögen aufspannenden Einspielung ist das Duett der beiden «Pěkná noc, jasná« (was so viel bedeutet wie «schöne Nacht, so klar»). Für Sekunden scheint es, als behielte der Dämon das Mädchen in seiner Gewalt. Doch höherer Wille befreit sie aus seinen Klauen. Nur ein zerrissenes Hemd verbleibt auf den Gräbern, die nach ihr riefen—als beklemmende Erinnerung. © 2017 Opernwelt (Germany)




Remy Franck
Pizzicato, May 2017

1884 schrieb Antonin Dvorak die opernhafte Kantate ‘Svatební Kosile’ (Die Geisterbraut) als Auftragskomposition des Musikfestivals von Birmingham. Doch zunächst wurde das Werk in Pilsen uraufgeführt und danach erst in Birmingham gespielt.

Ein Geist gibt sich als jener des in der Ferne weilenden Liebhabers eines jungen Mädchens aus und lockt dieses in einer furiosen nächtlichen Jagd zu einem Friedhof. Das Mädchen hat unterwegs alle religiösen Zeichen, u.a. auch ihr Gebetbuch und ihr goldenes Kreuz verloren und ist so scheinbar ein perfektes Opfer für den teuflischen Bewohner des Friedhofs. Doch ein Gebet zur Jungfrau Maria rettet das Mädchen vor dem Bösen…

Die neue Wiener Aufnahme der Kantate bringt Dramatik und Leidenschaftlichkeit der Musik mit ihrem Lyrismus in Einklang. Cornelius Meister kann die Spannung durchgehend aufrechterhalten und sich dabei auf sein gutes Orchester und die exzellente

‘Wiener Singakademie’ verlassen. In der Titelrolle lässt die Sopranistin Simona Saturova keine Wünsche offen: ihr Gesang ist einfühlsam, ihre Sopranstimme angenehm warm und gut geführt. Auch der Tenor Pavel Breslik wird seiner verführerischen Rolle gerecht. Mit seiner schlanken Bassbariton-Stimme ist Adam Plachetka ein souverän agierender Erzähler.

Und somit liegt von diesem von der Schallplattenindustrie verschmähten Werk nach den alten Aufnahmen von Zdenek Macal und Gerd Albrecht endlich wieder eine auch klanglich gute Neueinspielung vor. © 2017 Pizzicato



Xaver Frühbeis
WDR (Westdeutscher Rundfunk), May 2017

Vor 150 Jahren war Gothic Horror in England en vogue—kein Wunder, dass Antonin Dvorak einen richtig schaurigen Stoff für die Menschen dort vertont hat. Seine Grusel-Kantate “Die Geisterbraut” hat die Wiener Singakademie gerade neu eingespielt, Jan Ritterstaedt hat das Album gehört: “Man wundert sich nach dem Hören etwas, warum dieses schaurig-schöne Werk hierzulande so selten aufgeführt wird. […] eine echte Alternative zum abendlichen Horror-Streifen!” © 2017 WDR (Westdeutscher Rundfunk)



Ingobert Waltenberger
Online Merker, May 2017

Eine gar gruselige und für heutige Verhältnisse wohl ziemlich abstruse literarische Vorlage von Karel Jaromir Erben hat Dvořák zu einer dramaturgisch meisterlichen Partitur inspiriert. Das in achtzehn Nummern gegliederte Werk ist kurz vor der 7. Symphonie entstanden und somit der Reifezeit des Komponisten zuzuordnen.

Die katholische Horrorballade mit Semi-Happyend handelt von einer jungen Frau, die sich ihren Geliebten, der offenbar gefallen ist, zurück wünscht. In einem Gebet an Maria macht sie klar, dass sie sterben wolle, wenn er nicht zu ihr zurückkehrt. Eine klassische Ausgangslage für das was folgt. Die solcherart schmerzlich Umnachtete folgt also einer männlichen Erscheinung, einem Toten-Untoten, einer Art satanischem Geist (in Wahrheit ihrem Geliebten?), in einer „wilden Jagd“ durch die Nacht. Die Reise, auf der sie das Kruzifix, einen Rosenkranz und ein Gebetbuch verliert, geht zum Friedhof. Dort in einem Gebet ihr Tun bereuend, wird ihr vergeben und „die ersten Sonnenstrahlen verkünden den Beginn eines neuen Tages. Nur ein zerrissenes Hemd des Geliebten bleibt auf den Gräbern zurück.“ Ein irrer Kitsch, der aber den Komponisten zu wunderbarer hochromantisch-böhmischer Musik anleitete.

Drei Solorollen sind dem Mädchen (Sopran), dem Toten (Tenor) und einem Erzähler (Bassbariton) zugeordnet. Gesungen wird auf der Aufnahme von einer ausschließlich tschechischen-slowakischen Besetzung gut bis exzellent. Überaus wohlklingend legt Pavol Breslik als schwärmerisch intensiver „Toter“ los, sein lyrischer Tenor mit heldischem Ansatz klingt ganz nach jungem Verführer, dämonische Farben sind ihm nicht eigen. Letztere hat dafür der Erzähler Adam Plachetka im Übermaß. Seine Stimme erinnert an den jungen Bryn Terfel. Plachetkas viril schöner Bassbariton ist breit, vielleicht allzu breit geführt. Manchmal scheint es ihm Mühe zu machen, sein beeindruckendes Material fokussiert zu halten. Die Partie des Mädchens ist Simona Šaturová anvertraut, einem dramatischen Koloratursopran. Sie singt technisch tadellos, das Timbre ist allerdings wenig mädchenhaft und ihr Sopran neigt in der Höhe zu Härten.

Eine ganz wesentliche Aufgabe in der Kantate kommt dem Chor zu. In zwölf Nummern kommentiert und dramatisiert er das Geschehen aus dem Off. Die Wiener Singakademie zeigt sich in voller Form. Heinz Ferlesch , der die Geschicke dieses traditionsreichen Wiener Konzertchors seit beinahe 20 Jahren mit hohem persönlichem Engagement steuert, hat sowohl von der Phrasierung, der Wortausdeutung, der klanglichen Ausgewogenheit der Stimmgruppen als auch der dramatischen Wucht des Klangs wieder einmal beste Einstudierungsarbeit geleistet. Gemeinsam mit Johannes Prinz vom Wiener Singverein hält er die Wiener Chortradition hoch. Diesen beiden wunderbaren Ensembles aus Amateuren gelingen immer wieder Konzerte, die bisweilen sogar professionelle bzw. semi-professionelle Chöre in den Schatten stellen. So viele Orden/Ehrenzeichen gibt es gar nicht, die man diesen beiden großen Chorerziehern aus Dank für ihren langjährig erfolgreichen Einsatz umhängen müsste.

Beim ORF Radio-Symphonie-Orchester unter Cornelius Meister ist der hochromantische Instrumentalpart in besten Händen. Manchmal hängen die Spannungszügel ein wenig durch, insgesamt ist von einer adäquaten, atmosphärisch dichten Umsetzung der Partitur zu berichten. Dass auch die klangliche Seite der Unternehmung gut gelungen ist, was ja bei den ORF-Aufnahmen beileibe keine Selbstverständlichkeit ist, ist wohl dem derzeit besten Tonmeister in Wien, Erich Hofmann , zu verdanken. Eine Empfehlung! © 2017 Online Merker



Daniel Hauser
Opera Lounge, April 2017

Viktorianische Empfindlichkeiten waren es, die Antonin Dvorák bewogen, seine 1885 für England komponierte Kantate für Soli, Chor und Orchester op. 69 Die Geisterbrautzu nennen. Der Titel der als Vorlage dienenden Ballade von Karel Jaromir Erben war „Svatebni Košile“, wörtlich: „Die Brauthemden“. Aus heutiger Sicht erscheint solche Prüderie unwirklich. Dieses Werk steht mit seinem seltsam zwitterhaften Charakter irgendwo zwischen kurzer Oper und Oratorium. Die Handlung entbehrt durchaus nicht des im neunzehnten Jahrhundert so beliebten Gruselfaktors, geht es doch um ein junges Mädchen, das von seinem untoten Geliebten nach einer wilden Jagd durch die Nacht beinahe zu einer mitternächtlichen Hochzeit auf einem gespenstischen Friedhof gedrängt wird. Sie selbst flehte um seine Rückkehr und wollte lieber sterben, als ohne ihn zu leben. Nach und nach entledigt sie sich des Gebetbuches, des Rosenkranzes und schließlich gar ihres goldenen Kreuzes. Erst zuletzt erkennt sie ihren Irrtum. Allein ihr unerschütterlicher Glaube, gipfelnd in einem stillen Gebet zur Jungfrau Maria, kann sie schließlich vor einem ähnlich furchtbaren Schicksal bewahren. Der moralisierende Stoff mag dem streng katholischen Dvorák entgegengekommen sein.

Das österreichische Plattenlabel Capriccio legt jetzt eine brandaktuelle Neueinspielung vor, die sich insgesamt grofler Meriten erfreut. Der Chor, hier die exzellente Wiener Singakademie (Einstudierung: Heinz Ferlesch), spielt eine ganz wesentliche Rolle und trägt, das Geschehen kommentierend, zur unheimlichen Atmosphäre gehörig bei. Expressiv und gefühlvoll in der Titelrolle die Sopranistin Simona Šaturová, verführerisch und gar nicht abschreckend der Tenor Pavel Breslik als der Tote. Deutlich ehrfurchtgebietender Adam Plachetka als wortgewaltiger Erzähler. Tatsächlich spielt eher der Bassbariton die männliche Hauptrolle.

Nach einer aufwühlenden Introduktion folgen insgesamt achtzehn nahtlos ineinander übergehende Vokalnummern. Prächtig und mit dem nötigen Temperament das ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter seinem Chefdirigenten und künstlerischen Leiter Cornelius Meister, der mit seinem feurigen Dirigat den leidenschaftlichen Charakter der Kantate unterstreicht. Sehr gut auch der Klang dieser an zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Juni 2016 im Wiener Konzerthaus entstandenen Live-Aufnahme. Weniger vorbildlich die Gestaltung des Booklets: Der Text ist nur auf Tschechisch und Englisch abgedruckt, die einzelnen Track-Namen gar nur in tschechischer Sprache. Auf Deutsch nur die knappe Werkeinführung und die Künstlerbiographien. Das geht bei einer österreichischen Produktion besser. © 2017 Opera Lounge





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