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Album Reviews



 
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Bernd Feuchtner
Fono Forum, February 2018

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Hans-Juergen Fink
KulturPort.De, December 2017

Gerade mal 20 Jahre jung reichte Gustav Mahler die Partitur seiner symphonischen Kantate “Das klagende Lied” für den Beethoven-Preis der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien ein. Und wurde bereits im Vorfeld abgelehnt. Das gewaltige Werk in drei Teilen und 22 Strophen war vorerst unaufführbar—es erfordert vier Solisten, dazu Knabensopran und Knabenalt, großes Orchester und Fernorchester. Mahler revidierte und kürzte, die so verstümmelte Fassung hatte nach 20 Jahren Premiere. Die ursprüngliche Fassung wurde erst 1997 in Manchester uraufgeführt. Eine Mischfassung aus beiden (komplette Geschichte, etwas reduziertes Orchester) hat sich im Konzertleben eingebürgert und ist auch in dieser Aufnahme zu hören. Den Text des Schauermärchens hatte Mahler selbst geschrieben, nach Motiven von Ludwig Bechstein und der Brüder Grimm. Er selbst bezeichnete das Werk als sein Opus 1. In der aktuellen Aufnahme präsentiert das Wiener Radio-Symphonieorchester mit seinem Chefdirigenten Cornelius Meister Mahlers erstaunliches Frühwerk mit hohem Sinn für die kompositorische Revolution, die am Anfang von Mahlers Komponistenkarriere steht und in der er bereits alle seine persönlichen Stilmittel einsetzt, von den virtuosen instrumentalen Klangfarbenspielen und grotesken Brechungen der spätromantischen Musiksprache bis zu den feinsten Gefühlsregungen, vom gewaltigen Orchesterdonner und markerschütternden Ausbrüchen bis zur anrührendsten Innerlichkeit, zur himmelblauen Hoffnung und dunkelsten Verzweiflung. Die Live-Aufnahme aus dem Wiener Konzerthaus offenbart hin und wieder leichte Unschärfen vor allem im Chor, der Wiener Singakademie, aber auch Cornelius Meisters vollen Einsatz, wenn es darum geht, den hochkomplexen Mahler-Sound so packend wie möglich zum Klingen zu bringen. © 2017 KulturPort.De



Fridemann Leipold
BR-Klassik, November 2017

Im nächsten Sommer beginnt an der Stuttgarter Staatsoper eine neue Ära: Viktor Schoner übernimmt die Intendanz von Jossi Wieler, Nachfolger von Generalmusikdirektor Sylvain Cambreling wird der 1980 in Hannover geborene Cornelius Meister. Bis dahin bleibt Meister, der mittlerweile an den wichtigsten Opernhäusern gastiert, noch Chefdirigent des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien. Mit seinem Orchester hat Meister 2016 im Wiener Konzerthaus Gustav Mahlers Jugendwerk “Das klagende Lied” aufgeführt.

Unheil kündigt sich an zu Beginn des “Klagenden Liedes” von Gustav Mahler. Und der 20-jährige Komponist findet da schon ganz zu sich und seinem aufwühlenden Personalstil—Mahler akzeptierte seine dreiteilige Kantate von 1880 denn auch als sein Opus 1. Cornelius Meister verbindet in seiner facettenreichen Interpretation dramatischen Zugriff mit dem liedhaften Ton Mahlers, der sich hier bereits ankündigt.

Ein singender Knochen

Auch dank so renommierter Solisten wie dem Bariton Adrian Eröd zieht Mahlers Schauerballade in ihren Bann. Den Text zu seiner Kantate hatte sich Mahler nach dem makabren Märchen vom “singenden Knochen” in gereimter Strophenform selbst zusammengestellt. Das mittelalterliche Sujet kreist um einen Brudermord, der durch das “klagende Lied” einer Flöte aufgedeckt wird—ein Spielmann hat sie aus einem Knochen des Opfers geschnitzt.

Magischer Moment

Geschickt hat Mahler den Text in seiner frühen Talentprobe auf die Gesangspartien verteilt und mit dem Orchester verwoben: Die Solisten erzählen die Geschichte, der Chor kommentiert. Den magischen Moment, wenn die Stimme der Flöte den Mörder entlarvt, vertraute Mahler einem Knabenalt an.

Fatale Hochzeit

Der Chor spielt eine wesentliche Rolle in diesem Schauerstück—vor allem im dritten Teil, wenn die fatale Hochzeit des frevlerischen Bruders mit der stolzen Königin gefeiert wird, um die beide Brüder geworben hatten. Die Wiener Singakademie bringt sich machtvoll ein, und Meister hat den riesigen Apparat bis zur Schlusskatastrophe sicher im Griff.

Experimente mit dem Raumklang

Meister arbeitet mit dem zuverlässigen ORF Radio-Symphonieorchester Wien all die Neuerungen Mahlers heraus, die schon im “Klagenden Lied” angelegt sind: seinen Sinn für Klangfarbe und Instrumentation, seine Experimente mit dem Raumklang, seine radikal subjektive Weltsicht. In den Vor—und Zwischenspielen setzt Meister auf kammermusikalische Transparenz, bis zum finalen Schockmoment hält er die Spannung. Cornelius Meister und seine engagierten Mitstreiter machen uns mit Mahlers Wurzeln bekannt—zur Nachahmung dringend empfohlen! © 2017 BR-Klassik



Deutschlandfunk, November 2017

“Mein Märchenspiel ist endlich vollendet—ein wahres Schmerzenskind, an dem ich schon über ein Jahr arbeite. Dafür ist es aber etwas rechtes geworden!”

So resümierte der zwanzigjährige Gustav Mahler im Jahr 1880 den mühsamen Entstehungsprozess seiner Kantate mit dem Titel “Das klagende Lied”. Ein Stück für großes Orchester, Chor und Solisten, das der junge Komponist später als sein Opus 1 bezeichnen sollte.

Es dauerte lange bis “Das klagende Lied” unter Leitung von Mahler selbst in Wien seine Premiere erlebte—und bis heute wird es nur selten aufgeführt, auch wegen der großen Besetzung und des damit verbundenen Aufwands. Cornelius Meister, seit 2010 künstlerischer Leiter des ORF Radio-Symphonieorchesters, hat das rund einstündige Werk im Dezember vergangenen Jahres in Wien dirigiert. Beim Label Capriccio ist jetzt die Konzertaufnahme erschienen, mit Solisten wie der Sopranistin Simone Schneider, dem Tenor Torsten Kerl und der Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner.

Musik: Gustav Mahler, Das klagende Lied, 2. Satz

Den Text zu seinem “klagenden Lied” hat Gustav Mahler mit 17 Jahren selbst verfasst. Er basiert auf dem gleichnamigen Märchen von Ludwig Bechstein, das Mahler mit Elementen eines anderen Märchens, dem “singenden Knochen” der Gebrüder Grimm zu einer gruseligen Geschichte verwebt.

Schauermärchen ohne Happy End

Eine junge und stolze Königin akzeptiert nur denjenigen Rittersmann als Gemahl, der eine bestimmte rote Blume im Wald findet. Ein verhängnisvoller Wunsch. Denn er führt zu einem Brudermord. Und der wird erst bei der Hochzeitsfeier enthüllt—durch eine Flöte, die aus einem Knochen des ermordeten Ritters geschnitzt ist.

Dieses schaurige Märchen hat Gustav Mahler in seiner dreiteiligen Kantate “Das klagende Lied” vertont. Obwohl in dem Stück stellenweise noch die Einflüsse von Vorbildern wie Carl Maria von Weber und Richard Wagner durchschimmern, zeichnen sich die Konturen von Mahlers eigener Klangsprache bereits deutlich ab. Vor allem in charakteristischen Motiven und Farbmischungen, etwa in den Holzbläsern, die auch seine späteren Werke prägen. Dabei präsentiert sich schon der junge Gustav Mahler als Meister der Instrumentation. Im ersten Satz der Kantate mit dem Titel “Waldmärchen” beschwört er eine Naturstimmung, die nicht mehr weit von der Welt seiner ersten Sinfonie entfernt ist—von Cornelius Meister und dem ORF-Orchester transparent musiziert.

Musik: Gustav Mahler, Das klagende Lied, 1. Satz

Ein Höhepunkt, der gleich wieder in sich zusammenfällt, und kurz darauf ein collagenhaft geschnittener Wechsel in ein ganz anderes Klangbild: In solchen Momenten tritt die persönliche Handschrift von Gustav Mahler in seinem “klagenden Lied” deutlich zu Tage. Cornelius Meister formt diese weiten Räume mit ihren Farben und Kontrasten in seiner Konzertaufnahme mit dem Radio-Symphonieorchester des ORF plastisch aus.

Als Dirigent war Meister—designierter Generalmusikdirektor in Stuttgart - ein ähnlicher Frühstarter wie Mahler selbst. Schon mit 21 Jahren debütierte er an der Staatsoper Hamburg, mit 25 wurde er Generalmusikdirektor in Heidelberg. Mittlerweile ist er auch an Häusern wie der Wiener Staatsoper und der Mailänder Scala zu Gast. Von diesem reichen Erfahrungsschatz profitiert der heute 37-jährige Cornelius Meister, wenn er in seiner Interpretation von Gustav Mahlers Kantate “Das klagende Lied” das breite Farbspektrum des Orchesters auffächert, die Charaktere der Musik schärft und Steigerungen hervorhebt.

Live-Aufnahme nicht ohne Makel

Von der besonderen Spannung eines Konzerts ist in der Aufnahme aus Wien allerdings relativ wenig zu spüren, zumindest nicht im positiven Sinne. Die Live-Situation manifestiert sich in diesem Fall eher in einem etwas wackligen Gesamteindruck. Gerade die Einsätze der Bläser des ORF Orchesters sind nicht immer so exakt getimt und stabil intoniert, wie man es von einem Klangkörper dieser Qualität erwarten würde, und die Sänger der Wiener Singakademie schwimmen stellenweise. Etwa wenn der Chor im ersten Teil des Schauermärchens den Konkurrenzkampf um die Gunst der Königin kommentiert—und einen der beiden Ritter ermahnt, er solle das Fluchen sein lassen. Da hat Cornelius Meister den großen Apparat nicht richtig im Griff, die Abstimmung zwischen Frauen- und Männerchor und dem Orchester ist unklar.

Musik: Gustav Mahler, Das klagende Lied, 1. Satz

Gustav Mahler führt die Solostimmen der Männer für kurze Zeit im Oktavunisono: eine gespenstische Farbmischung und eines von vielen Beispielen für den besonderen Klangsinn, den der erst 20-jährige Komponist in seinem Stück “Das klagende Lied” demonstriert.

Monumentalwerk mit üppiger Besetzung

Den kompletten ersten Satz mit dem Titel “Waldmärchen” hat Mahler selbst in einer umfassenden Revision des Stücks gestrichen, um die gewaltigen Dimensionen einzudampfen und so dem Geschmack des Publikums entgegen zu kommen. Sonst hätte er womöglich noch länger als zwanzig Jahre auf die Uraufführung warten müssen. Außerdem hat er den zweiten und dritten Satz überarbeitet und dabei auch die gigantische Besetzung der Urfassung reduziert, für die unter anderem nicht weniger als acht Harfen vorgesehen waren.

Wenn das Stück heute aufgeführt wird, dann meistens mit dem ersten Teil, weil kaum ein Interpret auf dessen musikalischen Reichtum verzichten möchte. Auch Cornelius Meister hat diese Mischfassung dirigiert, mit dem ursprünglichen Waldmärchen an erster Stelle, vor den beiden revidierten Kapiteln.

Nach der Vorgeschichte im Waldmärchen kehrt der zweite Teil dorthin zurück, wo der böse Ritter seinen Bruder im Schlaf getötet hat, um an die rote Blume zu kommen und die Königin für sich zu gewinnen. Ein Spielmann findet einen Knochen am Wegesrand und hält ihn für ein Rohr, aus dem er sich eine Flöte schnitzt. Doch als er die Knochenflöte spielt, spricht aus ihr die Stimme des Ermordeten. Gustav Mahler legt sie einem Knabenalt in den Mund, hier gesungen von einem Solisten des Tölzer Knabenchors. Diese eigentümliche Verbindung eines morbiden Tons mit kindlicher Unschuld gehört auch in späteren Werken zu den Vorlieben des Komponisten.

Musik: Gustav Mahler, Das klagende Lied, 2. Satz

“Im Walde bleicht mein junger Leib, mein Bruder freit ein wonnig Weib”, klagt die Stimme vom ermordeten Bruder aus der Flöte des Spielmanns. Dieses Märchen wird kein gutes Ende nehmen, das ist spätestens jetzt klar. Doch zu Beginn des dritten Teils von Gustav Mahlers “klagendem Lied” herrscht zunächst noch Festtagsstimmung. Auf dem Schloss sitzen stolze Ritter und Frauen mit goldenen Ketten, um die Hochzeit der Königin zu feiern.

Gustav Mahler inszeniert dieses Bild mit Bläserpracht, mit rauschendem Schlagwerk und massigem Chor, später kommen noch ein Fernorchester und Solisten dazu. Die scharf geschnittenen Kontraste der Musik treten deutlich zu Tage, Cornelius Meister bündelt die Energie in steil zulaufenden Crescendi, dramatischen Steigerungen und prägnanten Gesten. Das ORF-Orchester spielt hier präziser als noch im ersten Teil und ist genauer mit dem Chor synchronisiert; allerdings franst der Klang der Wiener Singakademie in den Forte-Passagen aus und erreicht nicht das Niveau eines Spitzenchores.

Musik: Gustav Mahler, Das klagende Lied, 3. Satz

Alle stimmen in den Jubel über die Hochzeit der Königin ein. Nur der Bräutigam sitzt stumm und bleich auf seinem Thron, geplagt vom schlechten Gewissen über den Mord an seinem Bruder.

Musik: Gustav Mahler, Das klagende Lied, 3. Satz

Licht und Schatten im Gesangsensemble

Mit ihrem strahlkräftigen Timbre und mit ihrer natürlichen Sprachgestaltung ist Tanja Ariane Baumgartner die herausragende Sängerin im nicht durchweg überzeugenden Solisten-Quartett der Aufnahme, aus dem sich neben ihr noch Adrian Eröd mit seinem kultivierten Bariton abhebt. Dagegen klingt das wagnergestählte Timbre des Tenors Torsten Kerl zwar kraftvoll, aber in vielen Passagen auch ziemlich unflexibel, die Sopranistin Simone Schneider singt mit einem stellenweise stark schillernden Vibrato.

Ihren stärksten Auftritt haben die beiden kurz vor Schluss des Stücks, wenn sie den Forte-Bereich verlassen und stattdessen den gedeckten Ton des Unheils anschlagen. Als der Bräutigam selbst die Knochenflöte des Spielmanns zur Hand nimmt und auf ihr bläst, meldet sich die Stimme seines ermordeten Bruders ein letztes Mal und klagt ihn öffentlich an, diesmal verkörpert vom Sopran. Die Königin bricht zusammen, die Ritter fliehen, und die alten Mauern versinken. Das bittere Ende eines romantischen Schauermärchens, von Gustav Mahler und seinen Interpreten in gespenstische Farben getaucht.

Musik: Gustav Mahler, Das klagende Lied, 3. Satz

Das düstere Finale von Gustav Mahlers Kantate “Das klagende Lied”, in einer Konzertaufnahme unter Leitung von Cornelius Meister, mit dem Radio-Symphonieorchester des ORF, dem Wiener Singverein und den Solisten Simone Schneider, Tanja Ariane Baumgartner, Torsten Kerl und Adrian Eröd. Die Einspielung ist beim Label Capriccio erschienen. © 2017 Deutschlandfunk



Rüdiger Winter
Opera Lounge, October 2017

Das klagende Lied von Gustav Mahler ist in verschiedenen Fassungen überliefert. Zunächst bestand es aus drei Teilen, im zweiten und dritten zusätzlich mit Fernorchester versehen, wie es später in der 8. Sinfonie zum Einsatz kommt. Nicht weniger als elf Solisten plus zwei Knabenstimmen sah die Besetzung vor, für das Orchester acht Harfen. Das titelgebende „Klagende Lied“ von Ludwig Bechstein und das Grimmsche Märchen „Der singende Knochen“ bildeten die Textgrundlage. Von Anfang an war klar, dass sich keine Gelegenheit würde bieten, um dieses in seinen Ausmaßen gigantische Werk eines Anfängers aufzuführen. Mahler war achtundzwanzig, als er an die Komposition ging. Folglich strich er den ersten Teil, das so genannte „Waldmärchen“, reduzierte die Zahl der Sänger auf das in Oratorien übliche Quartett. Zudem fielen sechs Harfen und das Fernorchester weg.

Nachdem Mahler zum Direktor der Wiener Hofoper aufgestiegen war, bot sich die Gelegenheit für eine Veröffentlichung diese Opus 1, wie es der Komponist selbst nannte. Dafür fügte er das Fernorchester im Schluss wieder ein. In dieser Form hob Mahler sein Werk am 17. Februar 1901 in Wien aus der Taufe. Nachdem das Klagende Lied in den 1960er Jahren für den Konzerbetrieb und die Musikindustrie wiederentdeckt wurde, bürgert sich eine Mischfassung ein, die auch auf das ursprüngliche „Waldmärchen“ zurückgriff. Dafür hatte sich der Dirigent Cornelius Meister bei seiner Aufführung im Dezember 2016 mit der Wiener Singakademie und dem ORF-Sinfonieorchester im Konzerthaus der österreichischen Hauptstadt entschieden—und damit eine Chance verpasst. Warum nicht endlich mal die Urfassung, wie sie 1997 in Manchester erklang? Wenn es einen Ort gib auf der Welt, wo das Original hingehört, dann ist es Wien! Aus zwei Konzertabenden hat Capriccio eine CD zusammengeschnitten (C5316).

Im Booklet ist die spannende Werkgeschichte ebenso nachzulesen wie der Text der Kantate. Das ist auch nötig, denn Solisten und Chor sind nicht immer gut zu verstehen. Vor allem der Chor, die renommierte Wiener Singakademie, lässt Wünsche offen. In dramatischen Situationen ist das Klangbild verwaschen und undeutlich, was womöglich auch auf das Konto der Aufnahmetechnik dieses Rundfunkmitschnitts geht. Obwohl allesamt deutscher Zunge, können die vier Solisten Simone Schneider (Sopran), Tanja Ariane Baumgartner (Mezzosopran), Torsten Kerl (Tenor) und Adrian Eröd (Bariton) dieses idiomatische Manko nicht ausgleichen, zumal auch sie sich gelegentlich schwer tun mit dem Text.

Die neue Aufnahme schwer hat es gegen die Konkurrenz nicht leicht, die mit Dirigenten wie Pierre Boulez, Simon Rattle, Kent Nagano, Riccardo Chailly, Michael Tilson Thomas oder Giuseppe Sinopoli im Laufe der Jahre geballt aufgetreten ist. Aber sie regt sie zu neuer Auseinandersetzung mit dem ambitionierten Werk an, in dem bereits der ganze Mahler angelegt ist—und nicht nur die erste Sinfonie, auf die es im dritten Teil einen unmittelbaren thematischen Vorgriff gibt. Richard Wagner, dem sich Mahler stark verbunden fühlte, geistert mit dem kompositorisch weitergeführten Rheingold-Motiv durch die Partitur. Und das direkt zitierte Weihnachtslied „Alle Jahre wieder kommt das Christuskind“ kann als Zeichen dafür gelten, dass Mahler erste musikalische Eindrücke aus seiner Kindheit nie wieder losgelassen haben. © 2017 Opera Lounge





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