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Norbert Florian Schuck
Klassik heute, November 2018

„Möge unendliche, vervielfachte Liebe diesem großartigen […] Komponisten und seiner Musik sowohl von Interpreten als auch vom Publikum entgegengebracht werden!“ Diesen Worten, mit denen Sofja Gülbadamova den selbstverfassten Begleittext ihres Albums mit Klaviermusik Ernst von Dohnányis beschließt, kann ich mich nur anschließen, denn Dohnányi war ein Meister, einer jenen glücklichen Tonsetzer, denen kraft ihrer sprudelnden Inspiration und stupenden Technik ein großartiges Werk nach dem anderen aus der Feder floss. Davon kann man sich anhand der vorliegenden Doppel-CD ein schönes Bild machen, wobei die Pianistin den Schwerpunkt auf das Frühwerk Dohnányis gelegt hat: Von den Klavierstücken op. 41 abgesehen, entstanden alle hier eingespielten Werke bis zum 30. Lebensjahr des Komponisten. Dohnányi gehörte zu den letzten Protegés von Brahms, und in den frühen Klavierwerken zeigt sich, dass er seinen Stil wesentlich durch die Beschäftigung mit dessen Schaffen ausgebildet hat. Regelmäßig begegnen einem im Rhythmischen und Harmonischen Brahmssche Kunstgriffe (sehr deutlich etwa im Intermezzo op. 2, Nr. 2), von Anfang an jedoch pflegt Dohnányi einen virtuoseren Klavierstil als das Vorbild und kultiviert eine Klangsinnlichkeit und Farbenvielfalt, wie man sie bei Brahms kaum findet. Auch ist dem Jüngeren Brahmsens Melancholie weitgehend fremd. Die Stimmungen, denen sich Dohnányi vornehmlich widmet, der heitere Grundton seiner Musik—auch im Moll wird es bei ihm nicht finster—und der ausgeprägte Komponierwitz, lassen ihn eher als einen dem 19. Jahrhundert entwachsenen Geistesverwandten Haydns erscheinen. Bei aller Leichtigkeit ist diese Musik nur scheinbar locker, tatsächlich aber streng in der Form, gestaltet von einem wachen, scharfsinnigen, phantasievollen Verstand. Man höre etwa den einleitenden Marsch der Fünf Humoresken in Form einer Suite op. 17, dem man aufgrund des Reichtums reizvoller Ereignisse zunächst gar nicht glauben mag, dass er sich über einem konsequent durchgehaltenen Vierton-Ostinato entfaltet. Als Klavierkomponist war Dohnányi, wie Brahms, überwiegend Miniaturist. Mit den vier Rhapsodien op. 11, die schon durch die thematischen Verweise untereinander verraten, dass sie keine Sammlung, sondern ein Zyklus sind, enthält das Album aber auch dasjenige Werk des Komponisten, das einer Klaviersonate am nächsten kommt und seinen Schöpfer als Meister großer Form zeigt. Grundsätzlich traditionsverbunden, hat Dohnányi im Laufe der Jahre seinem Stil neue Ausdrucksmöglichkeiten hinzugewonnen, mitunter auf spielerische Weise. So erlebt man ihn in einigen der Stücke op. 41, wie er Steckenpferde der Impressionisten (ImpromptuCascades) und Neoklassizisten (Scherzino) reitet, ohne sich untreu zu werden.

Den oben zitierten Worten lässt sich entnehmen, dass Sofja Gülbadamova voll und ganz hinter der Musik steht, die sie auf den beiden Scheiben präsentiert. Man hört es auch ihren Interpretationen an. Sie ist nicht nur den immensen technischen Anforderungen Dohnányis gewachsen, sondern zeigt auch, dass Virtuosität dem Komponisten stets Mittel künstlerischen Ausdrucks war. Mit einem sicheren Sinn für Rubatoeffekte spürt sie dem Spannungsauf- und abbau der Werkverläufe nach und versteht ebenso gut, artikulatorisch abwechslungsreich zu gestalten. In ein paar Stücken hätte ein etwas mehr strukturbetontes Spiel den guten Eindruck vielleicht noch verstärkt (so könnte ich mir die Bassmotive in Um Mitternacht, der Nr. 7 des Winterreigens op. 13, deutlicher hervorgehoben vorstellen), doch liegt mit diesem Album eine sehr überzeugende Einspielung Dohnányischer Klaviermusik vor. © 2018 Klassik heute



Carsten Dürer
Piano News, May 2018

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Christian Lahneck
Concerti, March 2018

Jahrelang hat sich die russische Pianistin Sofja Gülbadamova mit der Musik von Ernst von Dohnányi beschäftigt. Nun hat sie einige seiner Klavierwerke auf einer Doppel-CD veröffentlicht, die ihre tiefe Vertrautheit mit Dohnányis spätromantischer, behutsam moderner Klangsprache verrät. Ausgewählt hat sie u.a. die frühen Klavierstücke op. 2, die Winterreigen-Bagatellen op. 13 bis hin zu den Klavierstücken op. 41. Wie Gülbadamova die Harmonien herausarbeitet, wie sie mit den rhapsodischen Momenten umgeht, das zeugt von Kenntnis und emotionaler Bindung. Auch wenn letzte pianistischen Klangfarben-Finessen fehlen, sie erzählt lebendig, artikuliert genau und rückt auf diese Weise Dohnányi mit seinen fantasieartigen Gebilden in eine späte Nachfolge von Robert Schumann. Eine Repertoirebereicherung sicherlich, und für alle, die nicht auf die Gesamtaufnahme mit Martin Roscoe setzen möge, eine gute Wahl. © 2018 Concerti





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