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Album Reviews



 
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Thomas Schulz
Fono Forum, November 2018

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Eckhard Weber
Concerti, September 2018

Heutzutage findet Boris Blacher eher Erwähnung im Zusammenhang mit seinen Schülern, etwa Gottfried von Einem, Isang Yun, George Crumb oder Aribert Reimann. Doch Blacher war nicht nur „Lehrer von“ oder „Vater von“, nämlich vom Geiger Kolja Blacher, sondern zu seiner Zeit einer der maßgeblichen Komponisten. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und Johannes Kalitzke widmen Boris Blacher nun eine Werkschau auf CD: Musik von 1937 bis 1974, vom halbwegs geduldeten Neutöner in der NS-Zeit bis zum international ausstrahlenden Altmeister der Berliner Szene. Blachers Musik hört man noch die kreativen Aufbrüche aus den zwanziger Jahren an. Sie ist quirlig, oft temporeich und von Jazzrhythmen sowie Modetänzen angeregt, vielgestaltig, gerne auch hochexpressiv, im Spätwerk gibt es sogar dezente Experimente mit Klangflächen. Das RSB bringt die ausgewählten Stücke punktgenau, reaktionssicher, plastisch, konturiert und in den Nuancen genau abgestimmt. © 2018 Concerti




Guido Fischer
Rondo, August 2018

Der in China geborene Boris Blacher verstand sich Zeit seines musikalischen Lebens eher als eine Art Freigeist. Obwohl er sich kompositorisch auch mit der Zwölftonmusik auseinandersetzte und später in seiner Wahlheimat Berlin Vorlesungen über experimentelle Musik hielt, lehnte er jeden Neue Musik-Dogmatismus ab, wie er gerade in den Nachkriegsjahren in solchen Zentren wie Donaueschingen und Köln gepflegt wurde. Wie sehr Blacher lieber das komponierte, was ihm Spaß macht, verdeutlichen allein schon solche parodistischen Kompositionstitel wie „What About This, Mr. Clementi?“ oder „Variationen über einen divergierenden c-Moll-Dreiklang“. Doch der einflussreiche Kompositionslehrer u.a. von Aribert Reimann, Isang Yun und Giselher Klebe war trotz des von ihm favorisierten Spiels mit der Musikgeschichte kein Vorläufer einer (gesichts und identitätslosen) Postmoderne. Das spiegelt auch das ihm nun von Johannes Kalitzke und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin in bester werkdienlicher Transparenz gewidmete CD-Porträt wider, das Orchesterwerke aus knapp vier Jahrzehnten umfasst.

Mit dem nur vom Datum her ältesten Werk, der „Concertanten Musik“ op. 10 schaffte Blacher 1937 und damit in dunkelsten Zeiten seinen Durchbruch. Aufgeführt wurde das Werk immerhin von den Berliner Philharmonikern unter Carl Schuricht. Und wenngleich das Werk hier und da mit so manchen Jazz-Rhythmen flirtete und damit musikästhetisch so gar nicht in den Kanon der nationalsozialistischen Musikpolitik passte, konnte Blacher zunächst unbehelligt weiterarbeiten. Aus dem Jahr 1940 stammen auch seine Ballettmusik „Hamlet“ sowie die Ouvertüre zu der Oper „Fürstin Tarakanowa“, die jetzt mit weiteren Balletttänzen zu einer „Tanz-Suite“ kompiliert worden ist. Und gerade die „Hamlet“-Partitur durchläuft eine wehmütige, bis zum Bersten gespannte Stimmung, die erstaunlicherweise nicht als „systemzersetzend“ eingestuft wurde. Von 1974 stammt schließlich das von Carlo Maria Giulini in Wien uraufgeführte „Poème“, das mit seiner beklemmend-schauerlichen Lamento-Wucht vieles von dem vorausgenommen hat, an dem heute gerade estnische und georgische Komponisten in ihren hochspirituellen Orchesterbekenntnissen festhalten. © 2018 Rondo





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