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Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, May 2020

Der Frankfurter Komponist Walter Braunfels ist mittlerweile im Schallplattenkatalog sehr gut vertreten, auch dank der Initiativen von Labels wie Capriccio. Jetzt gilt es nach der Publikation großer Opern („Die Vögel“) bzw. monumentaler geistlicher Werke (“Große Messe”, “Te Deum“) der Klaviermusik. Der Komponist war selber Pianist, hatte also hinreichend Ahnung davon, was technisch auf dem Instrument möglich war. Eine kleine historische Anekdote: Walter Braunfels war Spielkamerad und Klavierstundengenosse vom Tasten-Exzentriker Percy Grainger. Ihr Lehrer James Kwast (nicht zuletzt Hans Pfitzners Klavierlehrer) bestand darauf, die beiden jungen Leute zusammen zu unterrichten. Später vervollkommnete Braunfels seine Klavierstudien in Wien bei Theodor Leschetitzky.

Dass Walter Braunfels die Vertreter der Zwölftonmusik in einem Garten verortete, in dem „nur Kakteen gedeihen“ und eine erschütternde Diskrepanz zwischen technischem Aufwand und emotionalem Resultat der Dodekaphonie diagnostizierte, verrät uns viel über seinen Zugang zur Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dennoch war Braunfels alles andere als altmodisch oder rückwärtsgewandt. Es erging ihm nur wie vielen anderen „Romantikern mit Kante“, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus völlig klischeehaften Gründen lange keine Chance hatten.

Die „Neun Bagatellen“ für Klavier Op. 5 des 23-Jährigen entstanden 1905, als Walter Braunfels in gesellschaftlichem Kontakt zu Wilhelm Furtwängler und dessen Verlobter Bertha von Hildebrand (Tochter des Bildhauers Adolf von Hildebrand) stand. Später spannte Braunfels Furtwängler Bertele aus und heiratete sie 1909, dem Jahr der Uraufführung seiner ersten Oper „Prinzessin Brambilla“.

Gegen Ende des ersten Weltkriegs folgten die fünf „Kleinen Stücke für vier Hände“, Op 24., Klaviermusik zum Bildungsbürger-Hausgebrauch, die nie veröffentlicht wurde und deshalb einen wichtigen Bestandteil des neuen Albums bildet. 1933 wurde Braunfels all seiner Ämter enthoben und seine Musik auf den Index gesetzt. Er überlebte fernab musikalischer Zentren in Bad Godesberg und Überlingen am Bodensee. Da überarbeitete er auch die schon 1919 entstandenen „Variationen über ein altfranzösisches Lied” für zwei Klaviere Op. 46, die das Zentrum der neuen CD bilden. Das Thema fand Braunfels im Lied „Au clair de la lune“, es schließen sich 18 Variationen und ein Epilog an. Fertig gestellt hat Braunfels die Neubearbeitung nach Kriegsende 1945.

Um sich ein Bild von der Tragik der Rezeption von Walter Braunfels Musik zu machen, hier ein Zitat von Jens F. Laurson: „Nach dem Krieg förderte man lieber eine Sprache, die wesentlich radikaler mit der von den Nazis vertretenen Ästhetik brach. Braunfels hatte den ersten Tod seiner Musik 1933 überlebt, um nun einen schleichenden zweiten beobachten zu können.“

Das neue Album wird hervorragend von der Dortmunderin Tatjana Blome und dem Berliner Pianisten Holger Groschopp gespielt. © 2020 Online Merker





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