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Album Reviews



 
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Lukas Speckmann
Westfälische Nachrichten, October 2019

Es gibt Opern, die haben es doppelt schwer. Carl Maria von Webers große heroischromantische Oper „Euryanthe“ von 1823 ist so ein Fall: Sie ist aus dem Schatten des „Freischütz“ nie herausgekommen, auch wenn sie das Beste ist, was Weber je geschrieben hat. Und: Die wichtigste Aufnahme dieser Oper—Marek Janowskis Dresdner Lukaskirchen-Produktion von 1974 mit der famosen Jessye Norman in der Titelrolle—hat bislang noch jeden Mitbewerber ausgestochen. Nun ist seit Kurzem eine „Euryanthe“ auf dem Markt, die tatsächlich das Zeug hat, nach 45 Jahren die Krone an sich zu reißen: „Capriccio“ hat eine Aufführung am Theater an der Wien mitgeschnitten, die im vergangenen Jahr begeistert gefeiert wurde—und die auch als Soundtrack eine gute Figur macht. Kommt Janowskis unverwüstliches Schlachtross als symphonisches Hörspiel im Breitwandformat daher, spürt man hier echte, lebendige Theateratmosphäre: Alles klingt etwas schlanker und beweglicher, knapper und zupackender. Die krude Rittergeschichte wirkt sogar glaubwürdig, wenn sie, vom romantischen Ballast befreit, vor allem als Tragödie verschmähter Liebe rüberkommt. Das Ensemble ist hervorragend, das Schurkenpaar—Andrew Foster-Williams und Theresa Kronthaler—naturgemäß attraktiver als die wohlerzogenen Helden Jacquelyn Wagner und Norman Reinhardt. Vor allem aber hat Dirigent Constantin Trinks Chor und Orchester ganz wunderbar im Griff: Die Partitur steckt voller Finessen, die im etwas leichteren Klanggewand optimal zur Geltung kommen. © 2019 Westfälische Nachrichten




Matthias Siehler
Rondo, October 2019

WEBER, C.M. von: Oberon [Opera] (Kerschbaumer, Roschkowski, D.M. Marx, Peroš, M. Seidler, Giessen State Theatre Chorus and Philharmonic, Hofstetter) OC984
WEBER, C.M. von: Euryanthe [Opera] (N. Reinhardt, J. Wagner, A. Foster–Williams, Arnold Schoenberg Choir, Vienna Radio Symphony, Constantin) C5373

Auf gerade einmal vier offizielle CD-Aufnahmen bringt es Carl Maria von Webers „Oberon“, die letzte datiert von 2002. Im Fall der nur ein wenig populäreren „Euryanthe“ gibt es lediglich die alte DDR-Koproduktion mit Marek Janowski. Insofern sind gleich zwei Audio-Ergänzungen, natürlich wie heute üblich als Mitschnitte von konzertanten bzw. Bühnenaufführungen, zur mageren Weber-Operndiskografie jenseits des „Freischütz“ durchaus willkommen. Zumal man sich allein hörend besser auf die Musik konzentrieren kann, sich nicht mit der Bewältigung der unausgegorenen Libretti herumschlagen muss, die eine weitere Verbreitung im Repertoire verhinderten. Aus Gießen stammt die jüngste Variation vom bunt die Singstile mischenden Reigen seliger Feengeister nach Wieland, die auch des Komponisten Schwanengesang werden sollte. Michael Hofstetter hat eine neue, dramaturgisch gelungene Textfassung erstellen lassen, auch das Orchester spielt mit vorklassisch kontrastiver Dynamik, dabei hell und durchsichtig. Nur leider sind die lyrischen Sänger—besonders der hybrid heldischen Rollen Hüon und Rezia—ihren Partien nicht gewachsen. Das hat sich allerdings zu gutem Teil auch der hier unpraktisch agierende Weber zuzuschreiben. Zudem klingt hier alles sehr topfig.

Besser liegt dem Vokalpersonal die neue „Euryanthe“ in der Kehle, die bei einer Christof-Loy-Inszenierung im Theater an der Wien festgehalten wurde. Jacquelyn Wagners Sopran durchleuchtet die Titelpartie, die böse Eglatine ist mit Theresa Kronthaler jugendlich geradlinig, ohne Schurkinnen-Furor besetzt. Der Adolar von Norman Reinhardt wackelt bisweilen, doch findet er geschmeidige Linien. Andrew Foster-Williams (Lysiart) hat einen schönen Baritonkern, ein wenig klein klingt der Königsbass Stefan Cerny. Tadellos der Arnold Schoenberg Chor unter Erwin Ortner. Constantin Trinks mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien beweist, dass er nicht nur seinen Wagner kann, sondern auch die frühromantischen Vorläufer. © 2019 Rondo




Uwe Krusch
Pizzicato, September 2019

Neben dem Freischütz stehen die anderen Opern von Carl Maria von Weber immer im Schatten, so auch Euryanthe. Die Handlung um die Treue von Euryanthe zu Adolar, die durch die Intrige von Eglantine in Gefahr gebracht wird, erfüllt romantische Ansprüche. Mit dem Tode der Verschwörer und dem glücklichen Ende für Euryanthe und Adolar endet sie.

Das Theater an der Wien legt einen aus Aufführungen gewonnenen Mitschnitt vor, in dem dieses Werk in einer gelungenen Version vorgestellt wird. Der Katalog umfasst mehrere Aufnahme unterschiedlicher Prominenz, zu der diese Ensembleleistung hinzukommt. Das Team hat sich für eine Audiofassung entschieden, in der sich Nebengeräusche und gelegentlich eine ungleich ausgeleuchtete Hörbarkeit der Sänger hören lässt.

Ein verlässlicher Partner ist wieder einmal der Schönberg Chor. Auch das von Constantin Trinks geleitete ORF Radio Symphonieorchester zeigt eine einwandfreie Leistung, die als gelungen, aber nicht als glänzend oder besonders engagiert bezeichnet werden kann.

Die fünf Gesangssolisten lassen alle ordentliche Darbietungen hören, die mitunter einen sehr reizvollen Charme auströmen, wie beispielswiese der Moment, als der König und sein Gefolge die im Wald ausgesetzte Euryanthe finden und sie ihr Schicksal schildert. Teilweise lassen die Solisten aber auch wenig engagiert klingende Töne hören, die den Gesamteindruck ein wenig stören.

Insgesamt darf diese Einspielung als Darbietung stehen, die sicher im Saal einen besseren Eindruck hinterlassen hat als auf der Aufnahme. © 2019 Pizzicato



Ingrid Wanja
Opera Lounge, August 2019

Warum nur hört man diese herrliche, dem Freischütz in nichts nachstehende Musik so selten, fragt sich der Opernfreund, begegnet ihm doch einmal wieder Webers Euryanthe, so in einer Aufzeichnung der Aufführung im Theater an der Wien aus dem Jahre 2018. Ist die an romantischem Schwung und ebensolcher Innigkeit dem berühmteren Vorläufer gleichwertige Ouvertüre verklungen, ist das Rätsel schnell gelöst, liegt es in dem von Kitsch und von Moralinsäure triefenden Libretto von Helmina de Chézy, die unsäglich peinliche, die deutsche Sprache vergewaltigende Reime schmiedete, dazu noch an dem unseligen Einfall Webers , die bekannte Geschichte von der schönen Genoveva um das Motiv von der armen Emma, die nur durch Tränen einer Unschuldigen, die auf ihren Ring fallen, aus dem Untotendasein erlöst werden kann, zu „bereichern“. Das kann nicht einmal durch den Vorzug des Werks, als einziges Webers durchkomponiert zu sein, hinwegtrösten.

Vor einigen Jahren gab es aus Cagliari, experimentierfreudigstes Opernhaus Italiens, bereits eine Aufnahme, nun beweist Constantin Trinks mit dem ORF Vienna Radio Symphony Orchestra, welche Qualitäten bereits in der Ouvertüre stecken, lässt sie kontrastreich, schwungvoll und geheimnisraunend erklingen. Frisch klingt der Arnold Schoenberg Chor unter Erwin Ortner, kann besonders dem Jubel von Land-wie Hofleuten beredten Ausdruck verleihen.

Ein Glücksfall ist die Besetzung der Titelpartie, die die 17jährige Henriette Sonntag aus der Taufe hob, die von Jessy Norman und Joan Sutherland gesungen wurde, durch die Amerikanerin Jacquelyn Wagner, die völlig akzentfrei singt und das mit einer klaren, reinen, leuchtenden Sopranstimme, die besonders elegant geführt wird. Innig klingt die Cavatine zu Beginn des zweiten Akts, ein feines Piano erfreut in „Hier dicht am Quell“, mit viel vokaler Emphase wird die Unschuld beteuert. Auch die Ortrud nahe stehende Eglatine ist mit Theresa Kronthaler vorzüglich besetzt, auffahrend in den Rezitativen, schattierungsreich, rasant im Racheduett und unangefochten in der abschließenden Wahnsinnsszene. Die dritte weibliche Partie, die Braut Bertha, wird im Booklet nicht erwähnt, obwohl die feine Stimme bemerkens-und erwähnenswert ist.

Beim Adolar des Tenors Norman Reinhardt vermisst man zunächst eine großzügige musikalische Linie, manches klingt holprig, doch steigert sich der Sänger einer ausgeprägt lyrischen Stimme im Verlauf des Stücks, weiß empfindsam zu interpretieren und verfügt über eine gute Höhe. Eine leichte Spreizung des Timbres im vierten Akt müsste noch vermieden werden. Mit einem leichten Akzent irritiert zunächst der Lysiart von Andrew Foster-Wiliams,, dessen Bariton bereits nach dem Telramund verlangt, der markig und kernig und wie für die Brunnenvergifter geschaffen klingt. Zunächst dröge, zunehmend aber markant und angenehm schwarz ertönt der Bass, den Stefan Cerny für den König einsetzt.

Die Fotos im Booklet verraten dem Betrachter, dass Regisseur Christof Loy die Handlung in die Fünfziger des vergangenen Jahrhunderts versetzt hat, da lässt man doch besser beim Nur-Hören die eigene Phantasie walten (2 CD Capriccio C5373). © 2019 Opera Lounge







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