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Rolf Fath
Opera Lounge, January 2016

Aufgehübscht und neu verpackt: Wohlfeil nannte man so etwas. Heute scheint das Wort ausgestorben zu sein. Sagen wir es deshalb ruhig billig. Gerademal so viel, wie ich früher für eine der von Jan Latham-König in Köln für den WDR eingespielten Weill-CDs ausgab, kostet nun das 5 CD-Set bei Capriccio. Von den Ende der 1980er und Anfang 90er Jahre (mit wenigen Ausnahmen) alle unter Leitung Latham-Königs entstandenen Stücken vereint Volume 1 auf je einer CD Die Dreigroschenoper, Die Sieben Todsünden in einer Aufnahme unter Lothar Zagrosek, die schon bei der alten Ausgabe mit dem Mahagonny Songspiel gekoppelt war, Der Jasager unter Willi Gundlach, der einstmals mit Down in the Valley ebenfalls unter Gundlach verbunden war und nun zusammen mit Der Lindbergflug eine CD füllt, sowie auf zwei CDs Der Silbersee (C 7178). Volume 2 folgt mit Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, Der Zar lässt sich photographieren, Der Kuhhandel und Happy End.

Was tun? Soll ich beispielsweise den dicken Silbersee zugunsten der halb so schmalen Neuausgabe entsorgen? Werde ich natürlich nicht machen, denn dort habe ich nicht nur den ausgezeichneten Text von Josef Heinzelmann und die umfangreiche (dt. engl.) Dokumentation zur Entstehung mit zahlreichen Ausschnitten aus der Korrespondenz von Weill, Kaiser und dem Universal Verlag und ein paar Fotos, sondern auch das komplette (wieder zweisprachige) Libretto; das gilt natürlich auch für die anderen Einzelausgaben, beispielsweise die sehr informative Todsünden-Mahagonny-Ausgabe. Der am 18. Februar 1933 in Leipzig und zugleich in Magdeburg und Erfurt uraufgeführte Silbersee mit dem Text von Georg Kaiser müsste eigentlich am Ende der zweiten Folge stehen. Es war Weills letztes in Deutschland realisiertes Werk: das Stück wurde Anfang März verboten, am Tag danach wurde Georg Kaiser aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen, am 10. März wurde das Stück auf dem Berliner Opernplatz verbrannt, zehn Tage später ging Weill ins Exil nach Paris—wo die Sieben Todsünden entstanden—von wo aus er 1935 in die USA emigrierte. Um chronologische Abfolge geht es nicht.

Wir hören also beispielsweise Reinhart Firchow als Ausrufer in der Dreigroschenoper, den kantigen Peter Nikolaus Kante als Peachum, Jane Henschel als lapidare, desillusionierte Mrs. Peachum (mit gutem Deutsch dank der Anfänge in Aachen, Wuppertal, Dortmund und Düsseldorf), Ulrike Steinsky als operettennahe Polly, Walter Raffeiner als öligen Macheath, Gabriele Ramm als züchtige Jenny. Latham-König, das Händel Collegium Köln (womit ein Bogen zu Gays The Beggar‘s Opera geschlagen ist) und das König Ensemble musizieren in dieser passgenau besetzten Aufführung sowohl kammermusikalisch leichtfüßig wie revuemäßig grell. Latham-König sorgt auch in den weiteren Aufnahmen für Drive und gutes Timing. Doris Bierett ist Anna I & II, Raffeiner, Ramm und Kante begegnen wir wieder im Mahagonny Songspiel, wo Trudeliese Schmidt in die von Lenya kreierte Partie der Jessie schlüpft. Trudeliese Schmidt gehörte zu den zahlreichen Kräften der Deutschen Oper am Rhein, die in den Kölner Studios ein Ensembletreffen veranstalteten und diesem Weill-Projekt den Stempel aufdrückten: Im Radiolehrstück Der Lindberghflug gibt Wolfgang Schmidt 1987, wenige Jahre vor seinen bedeutenden internationalen Debüts, die Titelrolle. Im Silbersee stieß Schmidt, neben dem herrlichen Hans Korte, auf weitere Düsseldorfer Kollegen, darunter Eva Tamássy und Udo Holdorf. © 2016 Opera Lounge



Arnt Cobbers
Klassik Newsletter, June 2015

Einen exzellenten Überblick über das in Europa entstandene musiktheatralische Werk Kurt Weills gibt die bei Capriccio erscheinende Weill-Edition, deren erste Folge neben der bekannten Dreigroschenoper und Mahagonny vier Raritäten beinhaltet: die Schuloper Der Jagsager, die Kantate Der Lindberghflug, das Ballett Die sieben Todsünden, allesamt auf Texte von Brecht, und das Wintermärchen Der Silbersee auf ein Libretto von Georg Kaiser. Es ist immer wieder erstaunlich, auf welch hohem Niveau sich Weills zwischen Anspruch und Unterhaltung changierende Musik bewegt und wie eigenständig sie auch ohne Bilder funktioniert. Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1990 bis 1997, Jan Latham-König, die guten Solisten und das WDR-Rundfunkorchester treffen den Weillschen Ton sehr genau. © 2015 Klassik Newsletter





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