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Album Reviews



 
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RĂ¼diger Winter
Opera Lounge, September 2020

Orfeo ist mit der Lied-Edition für Dietrich Fischer-Dieskau bei Vol. 3 angekommen und damit im zwanzigsten Jahrhundert (C994205). Während viele Kollegen seiner Generation gern einen großen Bogen um die Moderne machten, Fischer-Dieskau hat sich ihr gestellt. Das war einerseits mutig, andererseits stellt dieser Schritt die folgerichtige Konsequenz aus seiner intensiven Auseinandersetzung mit den Epochen davor dar. Beethoven, Schubert, Schumann, Mendelssohn, Brahms, Loewe, Tschaikowski, Cornelius, Liszt, Mahler, Wolf, Strauss, Pfitzner, Reger. Der Sänger hatte nichts ausgelassen, Lieder und Zyklen einiger Komponisten teils mehrfach eingespielt. Die neue Folge der Edition reicht bis in die Gegenwart. Aribert Reimann, der nicht nur als Komponist sondern auch Pianist und Musikwissenschaftler wirkt, wurde 1936 geboren. Er und der Sänger, beide gebürtige Berliner, waren künstlerisch eng verbunden. Die Anregung für die Lear-Oper soll von Fischer-Dieskau ausgegangen sein, der bei der Uraufführung 1978 in München auch die Titelrolle verkörperte. Reimanns Name taucht auf vier von fünf CDs der Sammlung auf. Aus eigener Feder stammen die Zyklen Unrevealed nach Lord Byron mit Streichquintett (Cherubini Quartett)—für den Sänger komponiert—und Shine and Dark nach James Joyce mit Klavierbegleitung für die linke Hand, die der Komponist selbst übernahm. Begleiter ist er auch bei den Liedern von Hermann Reutter, Wolfgang Fortner und Paul Hindemith, während bei ausgewählten Liedern von Maurice Ravel Hartmut Höll am Flügel sitzt.

Dietrich Fischer-Dieskau ist nicht der alleinige Solist in diesem Teil der ihm gewidmeten Edition. Die Mezzosopranistin Doris Soffel ist mit dreizehn Liedern von Reutter zu hören, der als Pianist selbst viele Liederabende mit bedeutenden Sängern bestritt. Für sich genommen sind die literarischen Vorlagen höchst anspruchsvoll: Die Jahreszeiten (Friedrich Hölderlin), Vier Lieder (Nelly Sachs) und Fünf Lieder (Marie Luise Kaschnitz). Es erweist sich als Gewinn, dass eine erfahrene Opernsängerin gewonnen wurde, der es gelingt, dramatische mit lyrischen Elementen zu verbinden. Großen Eindruck hinterlässt auch die früh verstorbene griechische Sängerin Stella Doufexis mit Fortners Farewell, während der Bariton Ralf Lukas und der aus Canberra stammende Tenor Christopher Lincoln Shakespeare-Sonette in der Originalsprache vortragen. Fischer-Dieskau ist schließlich mit den Terzinen von Hugo von Hofmannsthal, die mit zwei Zwischenspielen für Soloklavier unterbrochen sind, wieder am Zuge—und ganz in seinem gestalterischen Element. Allesamt fallen die Aufnahmen in die Spätzeit seiner Karriere. Während sich das typische Timbre, das ihn von allen Kollegen unterscheidet, erhalten hatte, verlor die Stimme vornehmlich beim dramatischen Anstieg an Halt und Glanz. Es stellt sich Frage, wie einige dieser Lieder denn in seinen jüngeren Jahren geklungen hätten, als er noch über seine schier unbegrenzten Mittel verfügte? © 2020 Opera Lounge




Remy Franck
Pizzicato, September 2020

Orfeo veröffentlicht Volume 3 der Dietrich Fischer-Dieskau Lied-Edition. Der Bariton, begleitet vom wie immer herausragenden Hartmut Höll am Klavier singt Lieder von Ravel, Hindemith, Fortner, Reimann und Reutter. © 2020 Pizzicato





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