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Stefan Pieper
Klassik heute, October 2009

Einst ging fast alles Wesentliche in der Musik vom Gesang aus. Elliott Carter hat sich in seinem—von vielen Einflüssen genährten—Schaffen auch und gerade mit jenen Epochen befasst, in denen dieses Prinzip besonders stark vorherrschte: Madrigale, Fugen und spannende Mischformen der Kontrapunktik standen Pate, als er sich zwischen 1936 und 1947 intensiv der Chormusik zuwandte.

Diese Zeit wird heute der neoklassizistischen Phase im Wirken des mittlerweile 100-jährigen Elliott Carter zugeordnet. Jetzt wurden acht Kompositionen aus seinem kaum umfangreicheren Gesamt-Chorwerk auf CD eingespielt. Dieses überaus verdienstvolle Unterfangen ist dem SWR Vokalensemble Stuttgart zu verdanken, mit Unterstützung des Klavierduos Grau-Schumacher! Wie instrumentale und vokale Sphäre einander durchdringen und gegenseitig inspirieren, das ist außerordentlich hörenswert. Andreas Grau und Götz Schumacher entfachen ein Feuerwerk an Akzenten, der höchst beweglich phrasierende Chor lässt sich in wechselnder Besetzung und frappierend variablen harmonischen Färbungen dankbar darauf ein!

Wie Elliott Carter die augewählten Texte vertont, das sprüht nur so vor Enthusiasmus und erobert den Hörer im Sturm. Abendländische Antike, Lyrik aus England und den amerikanischen Südstaaten im 19. Jahrhundert lieferten die Vorlagen, und Carter verleiht diesen Texten ganz verschiedene, aber sensibel ausgeforschte musikalische Gesichter.

Elliott Carter bezieht sich nicht nur formal auf die Renaissancemusik, sondern ist auch in Sachen zeitgemäßer Kunstgriffe dieser an Kreativität keineswegs armen Epoche absolut hellhörig. Da treffen verschachtelte Fugato-Abschnitte durchaus auf polytonale Reibungen—bei diesem Strawinsky-Verehrer, der erst unlängst im Alter von 90 seine erste Oper komponiert hat, gibt es alles, nur keine strenge Satzlehre zu erleben!

Als Einstieg geht es direkt ins Zentrum musikalischer Lebensfreude. Die sinnesfrohen Worte des Ovid standen Pate für eine Tarantella aus dem Jahr 1937. Frivole Leichtigkeit atmet Let’s Be Gay—der Texz von John Gay aus dem frühen 18. Jahrhundert, der durch die Beggar’s Opera bekannt geworden ist. Ganz anders, betont elegisch und von lyrischem Patriotismus durchdrungen, betrauert die Suite Emblems die Opfer im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Das ist auch eine Ode an die Weite der Landschaft von Maryland, Carolina oder Virginia—und beschert dieser CD auf jeden Fall einen Gegenpol von aufwühlendem Ernst!

Von energischem Klavierspiel angefeuert, gibt es als lebhaften Höhepunkt der CD die sagenumwobene und mutige Verteidigung von Korinth zu feiern. An dieser hatten vor allem die Frauen ihren Anteil. Die lebhafte musikalische Schilderung auf der Basis des Textes von Francois Rabelais ist hier aber Sache eines auftrumpfenden Männerensembles. Mitten im ganzen Trubel schickt sich dann der Philosoph Diogenes an, eine Lanze fürs Nichtstun zu brechen.

Diese CD mit Elliott Carters Chorwerken bietet zupackende, ungewöhnliche und in jedem Moment fabelhaft interpretierte Chormusik, die durch das Fehlen adäquater Vergleichseinspielungen noch wertvoller wird. Ein atemberaubendes Hörvergnügen ist garantiert. Die vertonten Texte stamen aus verschiedenen, sehr weit auseinander liegenden Zeiten; auch wenn sie gelegentlich nicht ganz leicht zu verstehen sind—dies nicht zuletzt aufgrund eines ganz leicht „vernebelten“ Klanges—trübt das den Hörgenuss nicht. Ansonsten leistet ein ausführliches Booklet leistet informative Abilfe. © 2009 Klassik heute





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