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Astrid Belschner
kulturradio vom rbb, May 2016

Der RIAS Kammerchor hat – noch unter der Leitung seines ehemalige Chefdirigenten, Hans-Christoph Rademann – eine CD mit den 12 Bußverden und 3 geistlichen Gesängen von Alfred Schnittke herausgegeben.

Schnittke und die Chormusik

Alfred Schnittke ist dem Konzertpublikum vor allem durch konzertante Musik bekannt. Aber er hat auch Chormusik geschrieben: das Oratorium Nagasaki, die Kantate Lieder von Krieg und Frieden, eine Faustkantate – und eben auch geistliche Musik.

Schnittke und die Kirchenmusik

Mit Kirchenmusik hat er sich erst spät beschäftigt. Zunächst ist er mit unterschiedlichen Religionen groß geworden, denn seine Mutter war eine katholische Deutsch-Lehrerin, sein Vater ein jüdischer Journalist deutscher Abstammung. So hat er sich von Anfang an heimatlos gefühlt, war ein Querdenker und Individualist.

Zunächst hat er sich mit der römisch-katholischen Kirche und deren Musik beschäftigt, dann zog es ihn doch zur russisch-orthodoxen Kirche und deren Musik, schließlich aber war er seit 1992 ein bekennender Katholik. Das heißt, auch seine kirchenmusikalischen Werke gehören verschiedenen Phasen und Haltungen an. Die Bußverse sind 1988 entstanden und somit deutlich russisch-orthodox geprägt: Weil er die Chöre a cappella singen läßt, wie in der russisch-orthodoxen Kirche üblich, auch in der Art, wie er die Bässe einsetzt, die hier mehr als ein Fundament geben, und auch wegen der Ruhe und Zeitlosigkeit, die diese Musik ausstrahlt.

Schnittke und die Bußpsalmen

Alfred Schnittke komponierte die Bußpsalmen, wie die Bußverse auch genannt werden, als 1988 der 1000-jährigen Christianisierung Rußlands gedacht wurde, die mit der Taufe von Großfürst Wladimir ihren Anfang genommen hatte. Als literarische Vorlage dienten ihm Gedichte von unbekannten Mönchen, die er in einer Anthologie aus dem 16. Jahrhundert entdeckt hatte.

Weil Michael Gorbatschow gerade an die Macht gekommen war (zunächst als Generalsekretär der KPdSU, Staatspräsident wurde er erst 1990), gab es eine Entschuldigung gegenüber der Kirche und das Versprechen der Wiedergutmachung.

Gorbatschow holte sich demonstrativ Gottes Segen für die Perestroika—und die “Prawda” hat dieses Gebet dann sogar abgedruckt!

Der Rias-Kammerchor und Schnittke

Der Rias-Kammerchor hat einen überzeugenden Gestus gefunden, diese Musik zu interpretieren. Er singt klangvoll, ausgewogen, mit schier endlosem Atem, aber nicht einen russischen Chor nachahmend. Dennoch sind die Bässe bestens aufgestellt!

Der Chor arbeitet die breiten strömenden Linien der Komposition deutlich heraus. Auch die monumentalen Akkordentwicklungen werden in bester Intonation klangschön dargeboten. Ebenso die Passagen, in denen die Komposition die Extrembereiche der Stimmen nutzen, Clusterverbindungen oder Glissandi, werden perfekt gesungen—und der Chor kennt seine Grenzen, die er nie überschreitet. Und alles klingt natürlich.

Wer, wenn nicht der Rias-Kammerchor—kann so etwas so überzeugend und klangschön singen! Und auch das ist ja noch eine CD, die unter dem ehemaligen Chefdirigenten, der jetzt in Stuttgart ist, produziert wurde: Hans-Christoph Rademann, der vor dem Chor als Klangmagier oder Klangzauberer stand, dem der Chor stets gefolgt ist.

So ist diese CD eine absolute Empfehlung für alle Freunde der a-cappella-Musik! © 2016 Kulturradio





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