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ouverture - Das Klassik-Blog, December 2015

Arnold Ludwig Mendelssohn (1855 bis 1933) ist heute, obwohl er Lehrer von Paul Hindemith und Günter Raphael war, weitgehend vergessen. Er war ein Neffe zweiten Grades von Felix Mendelssohn Bartholdy und wuchs behütet und allseits gefördert auf. So erhielt er Klavierunterricht bei Carl August Haupt, dem späteren Direktor des Königlichen Institutes für Kirchenmusik in Berlin. Dennoch begann der Abiturient 1876 zunächst ein Jura-Studium in Tübingen, da seine Mutter Musik eher als eine brotlose Kunst ansah. Mendelssohn wiederum wollte sich ein Leben als Arzt, Richter, Lehrer oder Offizier nicht vorstellen—und kehrte er noch im selben Jahr nach Berlin zurück, um weiter bei Haupt sowie an der Akademischen Hochschule für Musik zu studieren.

1880 erhielt der junge Musiker eine erste Anstellung in Bonn. Er wirkte dort an der Neuen Evangelischen Kirche als Organist und Chordirigent, und unterrichtete zudem an der Universität Orgelspiel und Musiktheorie. Aus der Bekanntschaft mit Friedrich Spitta ergab sich die Auseinandersetzung mit Werken von Heinrich Schütz und dessen Lehrer Giovanni Gabrieli. Mendelssohn hat während seiner Bonner Jahre etliche Werke Schütz’ erstmals wieder aufgeführt.

Von 1883 bis 1886 wirkte Mendelssohn in Bielefeld, dann als Lehrer für Orgel und Theorie am Konservatorium in Köln. 1891 wurde er zum Kirchenmusikmeister der Evangelischen Landeskirche in Hessen berufen. Er lebte in Darmstadt, kümmerte sich um die Orgeln im Lande, komponierte viel, und engagierte sich zudem für Bach und Schütz, deren Werke er immer wieder dirigierte. Außerdem lehrte er seit 1912 am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt/Main.

Mendelssohn war unter anderem mit Engelbert Humperdinck und dem Thomaskantor Karl Straube befreundet. So schrieb er viele seiner Werke für den Thomanerchor. Der Kirchenmusiker wurde von seinen Zeitgenossen hochgeehrt und vielfach ausgezeichnet. Im Februar 1933 erlag er einem Herzinfarkt; so musste er nicht mehr erleben, was damals Familien geschah, die jüdische Wurzeln hatten. Seine Musik geriet rasch in Vergessenheit. Daran hat sich leider bis heute wenig geändert.

Das SWR Vokalensemble Stuttgart unter Leitung von Frieder Bernius hat bei Hänssler Classic eine Auswahl wichtiger Chorwerke veröffentlicht. Die CD enthält die Deutsche Messe op. 89, sowie drei Motetten aus der Geistlichen Chormusik op. 90: Die Advents-Motette Träufelt ihr Himmel von oben, die Motette Lobt Gott, ihr Christen zum Weihnachtsfest und Siehe! Finsternis decket das Erdreich zum Epiphaniasfest. Es handelt sich durchweg um Kompositionen für achtstimmigen Chor und Soli—und sie sind keine leichte Kost, weder für die Sänger noch für das Publikum. Dabei hat sich der Komponist an den Arbeiten der alten Meister orientiert: Die Werke von Bach, vor allem aber auch Schütz, Monteverdi oder Hassler boten ihm Inspiration, doch in seiner Musik interpretierte er diese Anregungen mit den Mitteln der Spätromantik.

Es könnte auch sein, dass Mendelssohns Musik so selten zu hören ist, weil sie sehr anspruchsvoll ist, und weil in Deutschland Chöre, die leistungsstark genug sind, sich daran zu wagen, mittlerweile selten geworden sind. Das SWR Vokalensemble Stuttgart engagiert sich besonders im Bereich der zeitgenössischen Musik. Der professionelle Chor ist aber ebenso erfahren im stilsicheren Umgang mit Werken aus der Musikgeschichte. Bei Mendelssohns Motetten können die Sänger beides einsetzen und beeindrucken so mit Aufnahmen von hoher Sensibilität und höchster Qualität. Bravi! © 2015 ouverture - Das Klassik-Blog




Helmut Mauró
Preis der deutschen Schallplattenkritik (German Record Critics’ Award), February 2013

Die 1922 entstandene Deutsche Messe von Arnold Mendelssohn, spätgeborener Neffe des großen Felix Mendelssohn Bartholdy, ist ein leidenschaftliches Bekenntnis zur zeitüberschreitenden Wahrheit einer musikalischen Form, die keine Avantgarde dieser Welt aushebeln kann. Das SWR-Vokalensemble singt unter der charismatischen Führung von Frieder Bernius in gewohnter Präzision und profunder musikalischer Inspiration. © 2013 Preis der deutschen Schallplattenkritik (German Record Critics’ Award)




Guy Engels
Pizzicato, November 2012

Arnold Mendelssohn war ein entfernter Neffe von Felix Mendelssohn Bartholdy, stand allerdings musikalisch ganz in der Tradition seines berühmten Onkels. Der gebürtige Schlesier, der zunächst Jura studiert hatte, blickt in seinen Werken gerne zurück auf Renaissance und Barock, Epochen, die er in das musikalische Gewand der Spätromantiker des beginnenden 20. Jahrhunderts kleidet. Da Arnold Mendelssohn die meiste Zeit seines Lebens in Diensten der Evangelischen Kirche stand, bildet die Sakralmusik den Schwerpunkt seines Werkkataloges.

Das SWR-Vokalensemble präsentiert uns daraus die Deutsche Messe op. 89 sowie drei Motetten zur Weihnachtszeit. Aus den vier Kompositionen hört man heraus, wie stilsicher Arnold Mendelssohn mit tradierten Formensprachen umgehen konnte.

Frieder Bernius und seine Sänger setzen die Partituren gewohnt stimmsicher und präzise um. Ausgehend von einer klaren Aussprache entwickeln sie packende dramatische Konturen, setzen in den gegebenen Momenten kräftige Akzente, ohne, dass der Klang an Farbe und Transparenz verliert. Hoffentlich kommt der streichwütige Intendant des SWR nicht auf den verwegenen Gedanken, nach der Fusion der beiden Hausorchester, auch dieses exzellente Vokalensemble wegzurationalisieren. © 2012 Pizzicato





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