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Marion Eckels
Opera Lounge, March 2016

RICCI, L. / RICCI, F.: Crispino e la Comare [Opera] (Colaianni, Boscolo, Orchestra Internazionale d'Italia, Bignamini) CDS7675
RICCI, L. / RICCI, F.: Crispino e la Comare [Melodramma fantastico-giocoso] (Festival della Valle d'Itria, 2013) (NTSC) DYN-37675

Anfang 2016 hat Dynamic (37675) die Einspielung der Buffo-Oper Crispino e la Comare (Crispino und die Gevatterin/Fee oder Der Arzt und der Tod) vom Festival della Valle d’Itria in Martina Franca im Jahr 2013 als DVD und auch als Soundtrack-CD (CDS7675) herausgebracht. Das auf ein Libretto von Francesco Maria Piave komponierte Werk erlebte 1850 in Venedig als vierte und letzte gemeinsame Oper der Brüder Luigi und Federico Ricci seine umjubelte Uraufführung; danach konnte jeder für sich mit Opern nicht an diesen Erfolg anknüpfen. Zwischen 1854 und 1871 wurde die unterhaltsame Geschichte weltweit aufgeführt, von Konstantinopel über Melbourne, Buenos Aires, New York bis Berlin, um nur einige Stationen zu nennen. Erst 1974 wurde es in Wexford wieder „ausgegraben“, in den 80er Jahren folgten neue Produktionen in New York, Venedig und Neapel. (Auf CD kennt man natürlich die solide Aufnahme bei Bongiovanni (als m. W. einzige verfügbare Einspielung, G. H.)

Alessandro Talevi hat die originelle Story, eine Satire auf Ärzte der damaligen Zeit, äußerst lebendig inszeniert. Unter Einbeziehung der natürlichen Kulisse des Palazzo Ducale hatte Ruth Sutcliffe eine typische Piazza mit einem Brunnen und großer Statue sowie einer kleinen Cafeteria, einer Apotheke und einer Flickschusterei entworfen. Raffiniertes Licht-Design für die Fee-Auftritte aus der Statue (Giuseppe Calabrò) und hübsche, zeitlose Kostüme (Manuel Petretti) ergänzten das passende Ambiente für das Geschehen.

Zum Inhalt: Da gibt es den reichen Hausbesitzer Don Asdrubale, der Lisetta, sein Mündel, wegen der Mitgift heiraten will, die aber den Grafen Contino liebt. Sie grämt sich so, dass der Arzt Fabrizio täglich dort ein und aus geht. Der Flickschuster Crispino Tacchetto, Mieter des Don Asdrubale, kann wieder einmal seine Miete und weitere Schulden nicht begleichen. Er ist deshalb so verzweifelt, dass er beschließt, sich das Leben zu nehmen. Das allerdings verhindert eine mysteriöse Dame, die dem ungebildeten Crispino eine neue Chance eröffnet: Er soll ausgerechnet als Arzt arbeiten, da die Welt voll unfähiger Mediziner sei. Der Deal ist: Er soll zu den Kranken gehen und sich umschauen; falls er sie, die Fee, dort sehen würde, bedeutete das den Tod des Patienten, falls nicht, würde der Patient leben und er könnte seine eigene Therapie entwickeln. Durch Crispino will sich die Fee—eigentlich der Tod—an den schlechten Ärzten rächen; sie gibt ihm einen Koffer mit Geld und verschwindet. Nun geht es für Crispino darum, die Leute von seinen Fähigkeiten als Arzt zu überzeugen, nachdem sie ihn natürlich nur auslachen. Sehr überrascht sind sie, als ihm mit Hilfe der Fee die „Heilung“ des vom Dach gefallenen, ohnmächtigen Bauarbeiters Bortolo gelingt, den die echten Ärzte schon aufgegeben haben. Nun fangen sie an, ihn zu loben und zollen ihm Beifall.

Aber vermehrter Reichtum und Ruhm verändern den Menschen Crispino; er wird überheblich und unerträglich aufbrausend. Die Ärzte und Apotheker sind ärgerlich, weil er schlecht über sie spricht und—noch schlimmer—ihnen die Patienten stiehlt. Als er den Tod Don Asdrubales voraussagt, der auch wirklich eintritt, können Lisetta und Graf Contino endlich heiraten. Annetta gefällt das arrogante Gehabe ihres Gatten gar nicht, der sogar handgreiflich wird. Als er wieder einmal unterwegs ist, organisiert sie eine Party, um etwas Freude zu haben. Crispino jedoch kehrt zu früh zurück und stoppt die Feier außer sich vor Ärger und Eifersucht. Sein Zorn trifft sogar die Fee, die ihn wegen seiner Undankbarkeit in tiefe Bewusstlosigkeit versetzt. In einer Art Traum erfährt Crispino nun, dass er sterben wird, was ihn bitten und betteln lässt, wenigstens seine Frau noch einmal zu sehen. Das wird ihm gewährt: Nun erkennt er seine Schuld und Annettas treue Liebe. So fleht er reumütig nochmals um sein Leben; dann steht dem guten Schluss der opera buffa nichts mehr im Wege.

Jader Bignamini am Pult des gut disponierten Orchestra Internazionale D’Italia arbeitete die eingängigen Melodien und auffällig viele Walzer der Ricci-Brüder mit viel Schwung heraus, achtete auf den nötigen Impetus bei zungenbrecherisch schnellen Texten, ließ aber auch die ruhigeren Passagen gut aussingen. Die Titelrolle wurde von Domenico Colaianni in allen Facetten vom verzweifelten Versager („Dove vado, ove corro“) über den versnobten Arzt („Son tutti medici?“) bis zum in Todesangst mit lyrischen Bögen verfassten „Testamento!“ bestens ausgespielt und -gesungen. Besonders eindringlich und intonationsrein gelang das Duett mit Annetta über ihre verzweifelte finanzielle Situation. Nach ihrem Auftrittslied „Istoria belle a leggere“, in dem Stefania Bonfadelli schon mit gestochenen Koloraturen und ausladenden Höhen punktete, und dem Duett überzeugte sie ebenso mit der Jubel-Arie „…Io non sono più l’Annetta“ (die als ehemaliges Primadonnenvehikel der Schellackstars namentlich von der jungen Sutherland im Gedächtnis geblieben ist) aus Freude über den neuen Stand als Frau Doktor; besonders publikumswirksam war dabei der dazwischen bellende Pudel als gehobenes Standessymbol. Die mystische Figur der Gevatterin Tod „La Comare“ stellte Romina Boscolo mit faszinierend timbriertem Mezzosopran dar, für mich die interessanteste Stimme der Aufzeichnung. Da spielte auch überall Erotik mit, als sie Crispino mit „Fermo là, che cosa fai“ großvolumig am Selbstmord hinderte. Mattia Olivieri (Fabrizio) mit sehr trockenem Bariton und Alessandro Spina (Mirabolano) mit gut durchgebildetem Bass gaben zwei aufgeblasene Ärzte, deren Auftritt in dem köstlichen „Streit“ mit Crispino über gestohlene Patienten gipfelte („Di Pandolfetti medico“). Carmine Monaco erfüllte seine Rolle als geldgieriger Hauswirt Don Asdrubale mit profundem Bass, während Francesco Castoro (Bortolo) und Lucia Conte (Lisetta) das Gesangsensemble solide abrundeten. Der Männerchor (Einstudierung: Franco Sebastiani) löste seine Aufgaben mit sichtbarer Freude und mit weitgehend ausgewogenem Gesang. Allemal ist diese Einspielung eine interessante Wiederentdeckung der Buffo-Oper aus der Mitte des 19.Jahrhunderts. © 2016 Opera Lounge





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