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Ingrid Wanja
Opera Lounge, December 2016

Eigentlich bester Verdi ist dessen aus den Galeerenjahren stammende Oper Giovanna d’Arco, deren größtes Manko wohl die Abweichung des Librettos von der historischen Wahrheit ist, indem eine fade Liebesgeschichte zwischen der Jungfrau von Orléans und König Karl von Frankreich zum Kern der Geschichte gemacht wird. So passt das Werk durchaus in das Konzept des Festivals von Martina Franca in Apulien, das sich die Entdeckung vergessener oder, wie in diesem Fall, der Erinnerung an selten gespielte Opern widmet—und das vor der jüngsten Aufführung an der Scala mit Anna Netrebko, nämlich bereits im Sommer 2013. Aus den Achtzigern ist noch eine Produktion in Bologna mit Susan Dunn, Vincenzo La Scola und Renato Bruson in Erinnerung, und im Vergleich damit fällt, abgesehen vom Tenor, auf, wie leicht besetzt die Partien in Martina Franca mit Jessica Pratt und, mit Abstrichen, auch mit Julian Kim sind, während der Tenor von Jean-Francois Borras ungefähr demselben Fach zugehörig ist wie in den Achtzigern der von La Scola, und der wurde damals durchaus nicht als ideal für die Partie angesehen.

Ein Garant für verdi-gemäßes Musizieren ist natür lich der Dirigent Riccardo Frizza, und auch das Orchestra Internazionale d’Italia wächst von Jahr zu Jahr an seinen Aufgaben, die der Coro del Teatro Petruzzelli (aus Bari) natürlich längst verinnerlicht hat, so dass die Klage um den bedauernswerten Zustand des Vaterlands durchaus mit denen aus Macbeth oder Nabucco konkurrieren kann.

Jessica Pratts hellem, zartem, mädchenhaftem Sopran, der auch die kleinen Notenwerte zu lieblichem Geklingel werden lässt, glaubt man die schüchterne Jungfrau eher als das „Son guerriera che a gloria ti invita“, das etwas bemüht und verhuscht klingt. Lobenswert sind die Pianissimi-Höhen, vieldeutig der Schrei am Schluss der großen Arie im ersten Akt, ganz in ihrem Element ist sie (und auch der Bariton) im dritten Akt mit „Amai ma u n solo istante“. Ätherisch und visionär klingt „Si apre il cielo“. Zu einer so lyrischen und hell klingenden Giovanna passt natürlich der Carlo von Jean-Francois Borras, eher ein Donizetti—denn ein Verdi-Tenor, und auch im französischen Fach denkbar . Für die Cabaletta im ersten Akt kommt ihm die Leichtigkeit der Stimmemission entgegen, die Höhe gelingt ihm zuverlässig. Er gibt sich zwar heldisch, so am Schluss des ersten Akts, aber wirklich überzeugend ist er nur dann, wenn er in Kantilenen schwelgen kann. Padre Giacomo von Julian Kim singt etwas zu bedächtig, als dass er wirklich mitreißend wirkt, auch wenn das Timbre dunkel genug für Verdi ist. Die Cabaletta hat nicht den richtigen Drive, Lyrisches wie „Spema era“ gelingt ihm hingegen viel besser, auch weil die Phrasierung „stimmt“ und ein „pianto“ aus der Stimme herauszuhören ist. Übrigens erinnert der Schluss an den von Luisa Miller, Sopran, Tenor und Bariton in schöner Klage vereint, und auch da würde man sich dramatischere Stimmen wünschen (Dynamic CDS 7676 1-2; dies ist der Soundtrack der gleichnamigen DVD bei derselben Firma). © 2016 Opera Lounge





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