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Bernd Hoppe
Opera Lounge, April 2016

HASSE, J.A.: Artaserse [Opera] (Giustiniani, Schiavo, Prina, Fagioli, Bove, Giovannini, Rovaris) CDS7715
HASSE, J.A.: Artaserse (Festival della Valle d`Itria, 2012) (NTSC) DYN-37715

Das Festival Valle d’Itria im italienischen Apulien ist bekannt für sein stets ungewöhnliches Programm voller Raritäten—ob aus dem Belcanto oder Barock-Repertoire. Im Juli 2012 gab es dort Hasses Dramma per musica Artaserse in der Venedig-Version von 1730 in szenischer Aufführung. Dynamic legt den Live-Mitschnitt dieser Produktion nun als Weltpremiere auf zwei DVDs (37715) und drei CDs (CDS 7715/1-3) vor. Der Musikfreund hat also die Wahl zwischen rein akustischem Nachhören oder dem totalen Erlebnis in Bild und Ton. Gabriele Lavias Inszenierung ist freilich nicht viel mehr als ein szenisches Arrangement mit recht statuarischer Personenführung, die gelegentlich sogar zu stehenden Bildern gefriert. Alessandro Cameras Bühne besteht aus verschiebbaren Wandsegmenten in patinöser Farbigkeit; Andrea Viottis Kostüme sind besonders für die Damen unkleidsam, lassen diese in ihrem weiten Plissee unförmig oder schwanger erscheinen. Die Herren dagegen wirken in ihren schnittigen Militäruniformen mit Orden geschmückter Brust sehr attraktiv. Der Vorteil der DVD, deren Bildqualität zum Teil recht bescheiden ist (vor allem in den verschwommenen nächtlichen Szenen), liegt in den Close-up’s, welche die expressive Mimik der Sänger sehr eindrücklich zeigen.

Vor allem Franco Fagioli ist da zu nennen, dessen Darstellung des Arbace in seinem Konflikt ein Ereignis ist. Er dominiert die Aufführung in exzeptioneller Weise und nicht umsonst hat Dynamic bei der CD seinen Namen an die Spitze der Besetzungsliste gesetzt. Immerhin wurde die Partie bei der Uraufführung von Farinelli gesungen und Fagioli wird dem bravourösen Anspruch, der sich mit diesem Fakt verbindet, beeindruckend gerecht. Sogleich mit der ausgedehnten ersten Arie, „Fra cento affani“, in der er eine immense Skala von der Tiefe bis zur Extremhöhe durchmisst und zudem mit bezwingendem Ausdruck imponiert, hat er das Publikum im Sturm genommen. Wie stets verfehlen sein erotisches Vibrato, die stupende Koloraturtechnik und die zauberischen Triller ihre Wirkung nicht. Bewegend ist seine Arie „Se al labbro mio“, die mit ihrem innigen, beschwörenden Klang ein ergreifendes Seelengemälde abgibt. Im 2. Akt verbinden sich bei „Lascia cadermi“ Virtuosität und Expressivität auf beglückende Weise. In „Per questo dolce amplesso“ kann er vor allem seine sonore und tragfähige Tiefe einbringen. Nichts weniger als ein Showstopper ist seine Arie im 3. Akt, „Parto qual pastorello“, in welcher er mit rasenden Koloraturläufen und mühelosen Tönen in der Extremhöhe ein Feuerwerk vokaler Zirzensik abbrennt.

Auch die Partie des Artabano, Arbaces Vater, wurde von einem berühmten Kastraten interpretiert, Niccolò Grimaldi (Nicolino), der allerdings bereits 57 Jahre zählte, so dass Hasse ihm bravouröse Exzesse ersparte und statt derer auf dramatische Expression setzte. Aber er schrieb für ihn die berühmte Arie „Pallido il sole“ am Ende des 2. Aktes, die auch für Farinelli zum cavallo di battaglia wurde und die er dem spanischen König Felipe V bei dessen nächtlichen Depressionen wieder und wieder vorsang und dabei immer neue Varianten erfand. In Martina Franca singt die Partie Sonia Prina in verblüffender maskuliner Erscheinung und Maske. Mit dem harschen Ton ihres Mezzos findet sie zu famosem Ausdruck, muss aber in der ersten Arie „S’impugni la spada“ dem halsbrecherischen Tempo des Dirigenten Corrado Rovaris Tribut zollen. Die Koloraturläufe klingen verhuscht, so dass hier nur der rasante Furor Wirkung macht. In „Pallido il sole“ gelingt ihr eine erstaunlich empfindsame und eindringliche Gestaltung, vom wiegenden Teppich des Orchesters getragen. Im 3. Akt kann sie bei „Figlio, se più non vivi“ mit energisch-maskulinem Ton punkten.

Farinellis Partnerin in Venedig war die gleichermaßen legendäre Sopranistin Francesca Cuzzoni in der Partie der Mandane, Arbaces Geliebter. In der Aufnahme ist Maria Grazia Schiavo mit ehrgeizigem lyrischem Sopran zu hören—eine solide, doch keineswegs exzeptionelle Besetzung. Ihr fällt die erste Arie des Dramma per musica zu, „Conservati fedele“, welche den Abschied von Arbace umschreibt und in der mancher Aufschwung in die Höhe bemüht gerät. Mit „Che pena al mio core“ beschließt sie den 1. Akt und lässt in den aufgewühlten Motiven, welche den seelischen Zustand der Figur beschreiben, eine recht grelle Höhe hören. Doch im 2. Akt wächst sie bei „Va’ tra le selve ircane“ förmlich über sich hinaus, wird getragen vom Sturm des Orchestra Internazionale D’Italia und setzt diese Vorgabe um in eine furiose Wiedergabe. Die Titelrolle ist ein Tenor, Anicio Zorzi Giustiniani, der mit seiner attraktiven Erscheinung und dem athletischen Körper optisch großen Eindruck macht, mit seiner männlich timbrierten Idomeneo-Stimme auch vokal gefällt. Sein erstes Solo, „Per pietà“, berührt durch den flehentlichen Ausdruck, „Rendimi“ zu Beginn des 2. Aktes überzeugt durch den beherzten Zugriff.

Semira, Arbaces Schwester und Geliebte Artaserses, wurde bei der Uraufführung von der renommierten Altistin Maria Maddalena Pieri wahrgenommen. Hier ist es Rosa Bove mit eigentlich schönem, warmem Mezzo-Timbre, wie es in der sanft wiegenden Arie „Bramar di perdere“ zu vernehmen ist, doch entfaltet sich die Stimme in der Emission nicht frei genug, klingt zuweilen fast erstickt. Am meisten überzeugen das vehemente„Se del fiume altera“ im 2. und das flehentliche „Non è ver“ im 3. Akt.

Die Besetzung komplettiert Megabise, General in Artabanos Armee, der in Venedig von dem Soprankastraten Antonio Castori interpretiert wurde. In Martina Franca lässt der Sopranist Antonio Giovannini eine klangvolle Stimme hören. In seiner ersten Arie, „Sogna il guerrier“, die von einer erregten Stimmung getragen wird, zeigt er souverän sein Potential in der exponierten Lage und die stupende Geläufigkeit, während die Tiefe dünn klingt. Das Orchester setzt bereits in der Sinfonia mit straffem und kontrastreichem Musizieren einen starken Akzent und inspiriert auch die Sänger immer wieder mit dramatischen Affekten und lyrischem Zauber. © 2016 Opera Lounge





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