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Peter Päffgen
Gitarre und Laute, July 2017

Diese Stücke sind oft aufgeführt worden, gerne dabei zu Anlässen wie Abitur oder Examensfeiern. Ich selbst habe die Solostimme des D-Dur-Konzerts (RV 93) anlässlich der Feier meines Abiturs gespielt … Solo und Orchesterstimmen sind spieltechnisch auch in der Aufregung eines solchen Tages zu bewältigen und ein „Orchester“ lässt sich rasch und preiswert auf die Beine stellen. Neben der Solostimme braucht man nur noch zwei Geigen und b.c. … und außerdem: Diese Musik kennt buchstäblich jeder! Nicht, weil sie zum Weltkulturerbe zählte (vielleicht tut sie das sogar!) oder immer und überall aufgeführt würde (das stimmt sicher!), nein, aber Vivaldis Konzerte mit Laute oder Mandoline dienten als Soundtrack zu „Kramer vs. Kramer“, dem Filmdrama mit Dustin Hoffman und Merryl Streep. Es hat fünf Oskars bekommen, ist für vier weitere nominiert worden und die Musik, die den Film begleitet hat, ist jedem präsent.

Nun war „meine“ Version des Konzerts (RV 93) mit Laute und b.c., damals gespielt in einer Besetzung mit Gitarre, mit Streichern besetzt … und das ist in der Version, die es heute zu würdigen gilt, anders. Hier ist „das Orchester“ gezupft. Wir hören Konzerte für Mandoline, mehrere Mandolinen, Violine und Zupforchester … und das macht den Unterschied! Die Vivaldi-Konzerte werden oft und gern von Zupforchestern dargeboten und das ist ebenso legitim wie angemessen … zumal Besetzungen mit Laute oder gar Gitarre auch nicht auf Vivaldi selbst zurückgehen. Schon die „Originale“ waren Transkriptionen. Danilo Prefumo hat den begleitenden Text geschrieben: „… we ought to mention that the instrument used for this performance (the nowadays universally-used Neapolitan mandolin with four courses of metal double strings) differs considerably from the mandolin with five gut strings used in Venice in Vivaldi’s day. These are declaredly, transcriptions, created with the sole purpose of giving pleasure to performers and listeners alike, and taking in no account any philological concerns. The result is so wonderful that for once, perhaps, philologists won’t mind too much.“ [S. 11] Vorauszusetzen, dass die Philologen an den Bearbeitungen nichts zu bemäkeln haben, ist natürlich nur ein frommer Wunsch und auch die Aussage, das Ergebnis sei wunderbar, teilt sicher nicht jeder. Aber die Platte ist gelungen und sie präsentiert, daran wird niemand kratzen können, „große Musik“. Es geht los mit Bachs Konzert für zwei Violinen und Orchester BWV 1043, später hören wir das „Dritte Brandenburgische Konzert“ BWV 1048. Letzteres Werk ist vielleicht die bitterste Pille für Musikfreunde, weil sie es in seiner eigentlichen Besetzung und seiner eigentlichen klanglichen Gestalt mit neun Streicherstimmen und Generalbass kennen und, ich setze das mal als selbstverständlich voraus, lieben. Bei diesem Konzert hat die Neubesetzung mit Zupfinstrumenten nicht nur eine klangliche Wandlung herbeigeführt, hier hat sie (natürlich nur scheinbar) eine strukturelle Veränderung bewirkt, weil plötzlich Stimmen nach vorne gezupft werden, die in der recht homogenen ursprünglichen Besetzung keine besondere Bedeutung hatten. Und: Es entstehen hie und dort metrische Muster, die mir in dem Konzert völlig fremd vorkommen. © 2017 Gitarre & Laute





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