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Album Reviews



 
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Roland H. Dippel
Concerti, December 2019

GOMES, C.: Schiavo (Lo) [Opera] (Teatro Lirico di Cagliari, 2019) (NTSC) DYN-37845
GOMES, C.: Schiavo (Lo) [Opera] (Teatro Lirico di Cagliari, 2019) (Blu-ray, HD) DYN-57845
GOMES, C.: Schiavo (Lo) [Opera] (S. Vassileva, Pisapia, Borghini, Balbo, Terenzi, Cagliari Theatre Chorus and Orchestra, Neschling) CDS7845.02

Der Oper „Lo schiavo“ des brasilianischen Komponisten Antônio Carlos Gomes als Auseinandersetzung mit Zeitphänomenen gebührt hohe Anerkennung.

Eigentlich müsste die Oper „Lo schiavo“ des brasilianischen Komponisten Antônio Carlos Gomes als Auseinandersetzung mit Zeitphänomenen vergleichbar hohe Anerkennung erhalten wie „La traviata“. Denn die Handlung des 1889 in Rio de Janeiro uraufgeführten Melodramma nach einem Schauspiel von Alfredo Taunay ist ein intensives Plädoyer gegen die in Brasilien erst 1888 gesetzlich aufgehobene Leibeigenschaft. Die CD, DVD und Blu-ray sind Mitschnitte der italienischen Erstaufführung aus dem um vergessene Werke bemühten Theater Cagliari. John Neschling, der in Bonn 1995 eine Einspielung von Gomes’ „Il guarany“ mit Plácido Domingo herausgebracht hatte, beweist mit einer passgenauen Besetzung auch hier, dass die Linie der italienischen Oper von Gomes‘ Lehrer Lauro Rossi bis Ponchielli zu Unrecht im Schatten der Werkgruppe um den späten Verdi und des beginnenden Verismo steht. Eine packende Entdeckung. © 2019 Concerti



Gerhard Hoffmann
Opera Lounge, October 2019

GOMES, C.: Schiavo (Lo) [Opera] (Teatro Lirico di Cagliari, 2019) (NTSC) DYN-37845
GOMES, C.: Schiavo (Lo) [Opera] (S. Vassileva, Pisapia, Borghini, Balbo, Terenzi, Cagliari Theatre Chorus and Orchestra, Neschling) CDS7845.02

Schnell hatte sich die Kunde von der italienischen Erstaufführung (!!!) des Schiavo von Carlos Gomez am Teatro Lirico von Cagliari im letzten Februar/März (2019) auch bei zisalpinen Opernfreunden herumgesprochen, und ungeduldig wartete man auf den versprochenen Mitschnitt auf Bluray (37845) und CD (2 CD CDS 784502) bei Dynamic, der nun dieser Tage eintraf und John Neschlings Championship in Sachen Gomes einmal mehr bestätigt. Wie nur wenige Dirigenten setzt er sich seit Jahren für seinen Landsmann ein und hatte bereits 1994 in Bonn die Herzog-Fitzcaraldo-Inszenierung des Guarany mit Plácido Domingo (Sony) dirigiert—musikalisch wie auch optisch damals ein Regenwald-Fest. Optisch gilt dies auch für die Aufführung in Cagliari, die sich stimmungs- und farbenvoll auf der DVD bietet (davon im Atikel von Ingrid Wanja nachstehend mehr).

Rein akustisch (davon hier) hat die Aufnahme ihre Flecken, leider. Und es schmerzt mich, der so ambitionierten Dynamic mal wieder ein paar sehr kritische Worte zu ihren Mitschnitten sagen zu müssen, schätze ich die Firma doch wegen der unglaublichen Vielfalt ihrer Live-Titel, die sie wie keine andere im Programm hat und mit denen sie viele europäische Theater vorstellt. Aber Live-Mitschnitte haben ihre Tücken.

John Neschling ist nun am Pult des Orchesters und Chor vom Teatro Lirico in Cagliari, das sich in der Vergangenheit immer wieder durch seltenes Repertoire hervorgetan hat. So auch hier. Der Schiavo von 1889 (am Teatro Imperial in Rio de Janeiro) ist im Zuge des amerikanischen Bürgerkriegs und der Abolitionsten-Bewegung Gomes´ später Aufschrei gegen die Sklaverei in seiner Heimat. Der erscholl leider zu einem Zeitpunkt, als diese gerade auch in Brasilien abgeschafft worden war. Pech für Gomes, dessen Oper in der Folge kaum (und dann nur im Heimatland) wieder gespielt und nach kurzem Auftauchen 1959 in Rio, dann 1999 in Belem und schließlich in Rio erst 2016 in einer bedeutenden Produktion unter Roberto Duarte wiedererweckt wurde. Cagliari nun ist die erste italienische Bühne, den Schiavo aufgeführt zu haben.

Es bleibt eine unbegreifliche Tatsache, dass Italien einen seiner größten Gast-Komponisten, der zudem durchweg in italienischer Sprache schrieb, kaum zur Kenntnis nahm und nimmt, so wie es in Deutschland—außer kurzen Lebenszeichen in Bonn (Il Guarany) oder Braunschweig (Salvator Rosa/ Oehms) kaum etwas von ihm zu hören gab/ gibt. Allerdings gebührt die Palme der europäischen Erstaufführung wieder einmal dem Stadttheater Gießen, wo es den Schiavo2013 unter Carlos Spierer in der Inszenierung von Joachim Rathke gab (später dann am selben Haus erstmals auch die Fosca 2017, chapeau!)

Bei aller Freude über diesen seltenen Titel bei Dynamic und bei aller Wertschätzung der kraftvollen, männlich-robusten Leitung John Neschlings mit dem Orchester und Chor des Theaters in Cagliari (in einer Co-Produktion mit dem Festival Amazonas de Opéra von Manaus) wird der Musikfreund mit dieser Neu-Aufnahme bei Dynamic nicht warm. Und das liegt an der nicht überzeugenden Besetzung ebenso wie (auf der CD als Soundtrack des Videos) an der rummeligen, unruhigen Live-Akustik, die das musikalische Erleben mit vielen unangenehmen Bühnengeräuschen und merkwürdiger Akustik „bereichert“. Soundtracks sind eben nicht wirklich günstig. Neschlings sorgfältige Hand vor allem auch in den lyrischen Passagen, an denen diese schwungvolle Oper so reich ist—ihre zahlreichen Arien und Ensembles geben reichlich Gelegenheit dazu—kann die provinziellen Stimmen nicht „aufhübschen“, die in den Hauptpartien nur selten ein überregionales Niveau für eine Traviata oder des Trovatore erreichen oder deren Anforderungen standhalten würden. Der Vergleich ist angemessen, denn Gomes war ja ein erbitterter Rivale des übergroßen Maestro, in dessen Schlagschatten alle Zeitgenossen standen und sich mühten, da heraus zu treten. Die berühmten compositori minori eben. © 2019 Opera Lounge





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