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Ingrid Wanja
Opera Lounge, January 2018

VERDI, G.: Rigoletto [Opera] (Hvorostovsky, N. Sierra, Demuro, Mastroni, O. Volkova, Šidlauskaite, Kaunas State Choir, Kaunas City Symphony, Orbelian) DE3522
VERDI, G.: Simon Boccanegra [Opera] (Hvorostovsky, Frittoli, Kaunas State Choir and Symphony, Orbelian) DE3457

Wie ein schönes Vermächtnis muten die beiden Gesamtaufnahmen von Verdi-Opern mit dem jüngst verstorbenen russischen Bariton Dmitri Hvorostovsky an, die 2013 und im Juli 2016 in der Kaunas Philharmonie aufgenommen wurden und die 2015 bzw. 2017, also erst kürzlich, erschienen. Es handelt sich um Simon Boccanegra und Rigoletto, in beiden Fällen leitet Constantine Orbelian das Kaunas City Symphony Orchestra, das sich als wenig raffiniert beim Simone, so im Vorspiel zum 1. Akt, aber auch sonst als recht schwerfällig erweist und das für den Rigoletto durch extreme Tempi in beide Richtungen auf sich aufmerksam macht. Besser schlägt sich auf beiden Einspielungen der Chor mit reicherer Agogik und einigem Brio. Beim Simone meint man zunächst wegen der Szenenfotos im Booklet, es handle sich um eine Live-Aufnahme, aber beides sind Studioaufnahmen, man hat lediglich Fotos von Bariton und Sopran in Kostümen für das Booklet machen lassen.

Als Simone erfreut der Sänger mit einer samtweichen Stimme im Vorspiel, mit effektvollem „morta“ oder „m’odi“, er verfügt über eine darstellende Stimme, die den Hörer nachvollziehen lässt, wie er vor dem Palast des Fiesco Überlegungen anstellt. Ohne Anstrengung gelingt später „Plebe! Patrizi!“, endlos ist das „figlia“ am Schluss des ersten Akts, weniger gut hört sich das Duett Bariton-Bass im letzten Akt an, da die beiden Stimmen nicht miteinander harmonieren. Dem Fiesco von Ildar Abdrazakov mangelt es zwar nicht an Fülle und Durchsetzungsvermögen, aber an Wärme, dem Bass fehlt auch das Balsamische, das die Benedizione im ersten Akt zur akustischen Labsal werden lässt, dazu ist er zu hart und dumpf- zumindest in dieser Aufnahme. Ein ganz großes Plus der Aufnahme ist Barbara Frittoli als Amelia, der Sopran ist reich an Farben, die Emission leicht, die Höhe sicher und aufblühend, und sehr schöne Glockentöne hat sie für „Orfanella il tetto umile“. Keine Mühe hat der Sopran, über den Ensembles zu schweben und den ersten Akt mit einem schönen Triller zu krönen. Gabriele ist Stefano Secco mit für Verdi eher zu hellem Tenor, und manchmal kommt der Hörer in Versuchung, „nomen est omen“ zu denken, besonders wenn wie im 2. Akt die Stimme unter Druck hart wird. Einen ausdrucksvollen Paolo mit manchmal fast zu schöner Stimme singt Marco Caria, von den einheimischen Kräften lässt Kostas Smoriginas als Pietro aufhorchen.

Der litauische Bariton darf auch im Rigoletto mitwirken und ist hier ein beachtlicher Monterone, weiß auch die größere Partie angemessen zu meistern. Mit der Stimme von Dmitri Hvorostovsky hingegen hat sich, wohl bereits krankheitsbedingt, ein bedauerlicher Wandel vollzogen, wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass die Begleitung nicht eben sängerfreundlich ist. Die dumpfer und hörbar älter gewordene Stimme, die manchmal abgedunkelt wird, hat es schwer, großzügige Bögen zu formen (so bei „vegliar oh donna“), gerät manchmal in die Nähe des Sprechgesangs und „Pari siamo“ wie „Cortigiani“ erscheinen nicht wie aus einem Guss, sondern zerstückelt. Es tut dem Hörer weh, wenn er sich vorstellt, dass der Sänger versuchte, trotz seiner schweren Krankheit die Folge derselben zu ignorieren. Immerhin gelingt es zumindest teilweise, durch expressives Singen einiges wettzumachen. Francesco Demuro hat zumindest im Ansatz die voce brillante, die die Partie des Duca verlangt, auch die notwendige, selbst wenn nicht besonders angenehm klingende Höhe. Für „Parmi veder“ setzt er eine gute Phrasierung ein, aber mehr liegt ihm „Possente amor“, da für die Arie etwas die notwendige lyrische Emphase fehlt. Nadine Sierra bietet für den „Caro nome“ hübsche Tongespinste an, ihre Pianissimi sind vom Feinsten, aber „Tutte le feste“ wird nicht mehr als anständig gesungen, für mehr ist der frische Sopran noch zu unbedarft klingend. Optisch finsterer als akustisch ist der Sparafucile von Andrea Mastroni, warme Töne steuert Oksana Volkova als Maddalena bei. Wenn dem zu früh verstorbenen Sänger diese Aufnahme eine Genugtuung war, dann will man auch zufrieden mit ihr sein, ein hohes Maß an künstlerischer Reife entschädigt allemal für Schwächen in der vokalen Bewältigung. © 2018 Opera Lounge



Ingrid Wanja
Opera Lounge, January 2018

VERDI, G.: Simon Boccanegra [Opera] (Hvorostovsky, Frittoli, Kaunas State Choir and Symphony, Orbelian) DE3457
VERDI, G.: Rigoletto [Opera] (Hvorostovsky, N. Sierra, Demuro, Mastroni, O. Volkova, Šidlauskaite, Kaunas State Choir, Kaunas City Symphony, Orbelian) DE3522

Wie ein schönes Vermächtnis muten die beiden Gesamtaufnahmen von Verdi-Opern mit dem jüngst verstorbenen russischen Bariton Dmitri Hvorostovsky an, die 2013 und im Juli 2016 in der Kaunas Philharmonie aufgenommen wurden und die 2015 bzw. 2017, also erst kürzlich, erschienen. Es handelt sich um Simon Boccanegraund Rigoletto, in beiden Fällen leitet Constantine Orbelian das Kaunas City Symphony Orchestra, das sich als wenig raffiniert beim Simone, so im Vorspiel zum 1. Akt, aber auch sonst als recht schwerfällig erweist und das für den Rigoletto durch extreme Tempi in beide Richtungen auf sich aufmerksam macht. Besser schlägt sich auf beiden Einspielungen der Chor mit reicherer Agogik und einigem Brio. Beim Simone meint man zunächst wegen der Szenenfotos im Booklet, es handle sich um eine Live-Aufnahme, aber beides sind Studioaufnahmen, man hat lediglich Fotos von Bariton und Sopran in Kostümen für das Booklet machen lassen.

Als Simone erfreut der Sänger mit einer samtweichen Stimme im Vorspiel, mit effektvollem „morta“ oder „m’odi“, er verfügt über eine darstellende Stimme, die den Hörer nachvollziehen lässt, wie er vor dem Palast des Fiesco Überlegungen anstellt. Ohne Anstrengung gelingt später „Plebe! Patrizi!“, endlos ist das „figlia“ am Schluss des ersten Akts, weniger gut hört sich das Duett Bariton-Bass im letzten Akt an, da die beiden Stimmen nicht miteinander harmonieren. Dem Fiesco von Ildar Abdrazakov mangelt es zwar nicht an Fülle und Durchsetzungsvermögen, aber an Wärme, dem Bass fehlt auch das Balsamische, das die Benedizione im ersten Akt zur akustischen Labsal werden lässt, dazu ist er zu hart und dumpf- zumindest in dieser Aufnahme. Ein ganz großes Plus der Aufnahme ist Barbara Frittoli als Amelia, der Sopran ist reich an Farben, die Emission leicht, die Höhe sicher und aufblühend, und sehr schöne Glockentöne hat sie für „Orfanella il tetto umile“. Keine Mühe hat der Sopran, über den Ensembles zu schweben und den ersten Akt mit einem schönen Triller zu krönen. Gabriele ist Stefano Secco mit für Verdi eher zu hellem Tenor, und manchmal kommt der Hörer in Versuchung, „nomen est omen“ zu denken, besonders wenn wie im 2. Akt die Stimme unter Druck hart wird. Einen ausdrucksvollen Paolo mit manchmal fast zu schöner Stimme singt Marco Caria, von den einheimischen Kräften lässt Kostas Smoriginas als Pietro aufhorchen.

Der litauische Bariton darf auch im Rigoletto mitwirken und ist hier ein beachtlicher Monterone, weiß auch die größere Partie angemessen zu meistern. Mit der Stimme von Dmitri Hvorostovsky hingegen hat sich, wohl bereits krankheitsbedingt, ein bedauerlicher Wandel vollzogen, wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass die Begleitung nicht eben sängerfreundlich ist. Die dumpfer und hörbar älter gewordene Stimme, die manchmal abgedunkelt wird, hat es schwer, großzügige Bögen zu formen (so bei „vegliar oh donna“), gerät manchmal in die Nähe des Sprechgesangs und „Pari siamo“ wie „Cortigiani“ erscheinen nicht wie aus einem Guss, sondern zerstückelt. Es tut dem Hörer weh, wenn er sich vorstellt, dass der Sänger versuchte, trotz seiner schweren Krankheit die Folge derselben zu ignorieren. Immerhin gelingt es zumindest teilweise, durch expressives Singen einiges wettzumachen. Francesco Demuro hat zumindest im Ansatz die voce brillante, die die Partie des Duca verlangt, auch die notwendige, selbst wenn nicht besonders angenehm klingende Höhe. Für „Parmi veder“ setzt er eine gute Phrasierung ein, aber mehr liegt ihm „Possente amor“, da für die Arie etwas die notwendige lyrische Emphase fehlt. Nadine Sierra bietet für den „Caro nome“ hübsche Tongespinste an, ihre Pianissimi sind vom Feinsten, aber „Tutte le feste“ wird nicht mehr als anständig gesungen, für mehr ist der frische Sopran noch zu unbedarft klingend. Optisch finsterer als akustisch ist der Sparafucile von Andrea Mastroni, warme Töne steuert Oksana Volkova als Maddalena bei. Wenn dem zu früh verstorbenen Sänger diese Aufnahme eine Genugtuung war, dann will man auch zufrieden mit ihr sein, ein hohes Maß an künstlerischer Reife entschädigt allemal für Schwächen in der vokalen Bewältigung. © 2018 Opera Lounge





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