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Album Reviews



 
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Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, October 2016

„Los Angeles people look right trough you, see little ghosts with no shape or color. Money gives a body form like a straitjacket holding you aganist wind, pestilence. You are shadow against dusk. Cream against pale. All colors not cream become sunshine.“

Mark Abels erste Oper, zu der er auch das Libretto verfasst hat, ist eine typisch amerikanische Entwicklungsgeschichte, in diesem Fall der Zwillingsgeschwister Lisa und Laurie. Von Morro Bay aus gehen sie in die „Welt“ (New York), um ihr Glück in der Kunstszene und im Finanzsektor zu versuchen. Und wie das so ist, wenn die strengeren protestantischen Moralprinzipien auf die Libertinage und gewinnorientierte Oberflächlichkeit der Großstadt treffen, gibt es einen hübschen Konflikt. Der geht natürlich so aus, als dass die beiden sich wieder aufs Land zurückzuziehen, um sich wohltätigen Tätigkeiten, wie der Pflege von Veteranen und Obdachlosen zu widmen. Ach ja und auch der Krieg hinterlässt Spuren in der Geschichte. Der Afghanistankrieg liefert nicht nur Kolorit, sondern auch gleich die Liebesgeschichte dazu. Lance, der ältere Freund Lauries zieht in den Krieg, um Geld für seinen Ausbildung zu sparen, kommt aber versehrt und drogenabhängig zurück. Laurie verlässt ihn, ihre Wege kreuzen sich später, als er im Rollstuhl und homeless durch die Straßen von Morro Bay irrt. Sie wird sich also auch um ihn kümmern können und ihrem Leben endlich einen Sinn geben können.

Diese rührselige, reichlich naive und einfach gestrickte Geschichte ist in ihrer Banalität aber auch ein Kaleidoskop des Lebens eines Teils der amerikanischen Gesellschaft zwischen 2005 bis 2011. Das Aufeinanderprallen von Lebensstilen und -entwürfen, die Frage von Selbstbestimmheit und Sinnhaftigkeit eigenen Tuns inspirierten Mark Abel zu einer eklektischen, aber doch die Neugier anstachelnden Musik, die gleichermaßen aus klassischen Wurzeln, Jazz und Pop schöpft. Eher dialogisch denn arios konzipiert, lauscht man einer wilden Melange aus einer mit Tönen versehenen Sitcom mit Musicalelementen, plakativer Filmmusik mit Anklängen an die amerikanische Operngeschichte etwa eines Carlisle Floyd oder John Coolidge Adams. Abels zitiert in seiner Oper explizit Laura Nyro‘s Lied „The Confession“, die letzen Minuten des 15. Symphonie von Schostakowitsch oder Charlie Hadens Bass solo aus Denny Zeitlins Jazztrio.

Während die immer tonalen Gesangslinien aus der Musicaltretorte zu kommen scheinen und kaum im Ohr haften bleiben, ist Mark Abel ein Meister der Instrumentation. Die La Brea Sinfonietta unter dem Dirigenten Benjamin Makino stützt sich insbesondere auf das Holz, Horn, Flügelhorn, aber besonders auf Klavier, Orgel, Cello, Kontrabass und ein reich bestücktes Schlagzeug. Elektronische Klänge fehlen ebenso wenig wie Vibraphon oder Celesta. Die Sängerriege macht ihren Job so gut es geht. Jamie Chamberlin, Ariel Pisturino, Babatunde Akinboboye, E. Scott Levin, Janelle DeStefano, Jon Lee Keenan und Carver Cossey bringen den typischen vokalen Broadway Sound, manchmal in versuchten Operndimensionen gut „über die Rampe“.

Die Oper kann wegen der ohne Streicherkohorten auskommenden Instrumentierung auch als Kammerstück aufgeführt werden. Ob dieser aufführungstechnische Aspekt neben der zugegeben reizvollen und farbprächtigen Instrumentierung für einen Erfolg ausreicht? Mark Abels Oper ist aber sicher besser und lohnendeer zu hören als die vielen 0-8-15 Kommerzmusicals, die allerorts zusammengeflickt werden und sich den Zuhörern mit faserschmeichlerischem Schmalz anbiedern.

Ergänzt wird das Album durch den Liederzyklus „The Palm Trees are restless“ nach Gedichten von Kate Gale („The Storm Drain“, „Los Angeles“, „Crater Light“, „Shura“, „The Great Divorce“). Auf dem Klavier begleitet von Tali Tadmor singt Hila Plitmann diesen 2014 entstandenen Zyklus ausdrucksstark und charaktervoll persönlich timbriert. Auch dies eine Weltersteinspielung. © 2016 Online Merker



Rolf Fath
Opera Lounge, September 2016

10.000 Kilometer und Welten trennen The Children of Rosenthal und Home is a Harbor. Vergleichsweise anämisch mutet die erste Oper von Mark Abel (*1948) an, dem Delos auch bei Home is a Harbor die Treue hält. Abel selbst hat das Libretto verfasst, welches „covers a wide emotional landscape—ranging from youthful exuberance and celebration of family values to tragedy, pathos and desillusion…“. Abel erzählt die Geschichte der Schwestern Lisa und Laurie, die sich als Künstlerin und Geschäftsfrau versuchen, Wirtschaftskrise und die Folgen des Afghanistan-Kriegs erleben und ins heimatliche Morro Bay zurückkehren, wo sie obdachlosen Veteranen helfen. Das ist alles so gut gemeint, wie die kleinformatige, aufführungsfreundliche Besetzung, die Zitate, von Schostakowitschs Fünfzehnter bis Jazz, womit Abel an seine Anfänge erinnert, und die sparsam gefühlvoll untermalende Musik, die Sätze wie „Hi Mom“ „Hi. We’re eating in half an hour“ zum Klingen bringt, wie die Aufführung selbst. Benjamin Makino vermittelt mit der 13-köpfigen La Brea Sinfonietta überzeugend Pathos und Sentimentalität der drei Akte, unterstützt von den hingebungsvollen Solisten, den lyrischen Sopranistinnen Jamie Chamberlin und Ariel Pisturino, dem Bariton Babatunde Akinboboye und dem Tenor Jon Lee Keenan. Zusammen mit Lisa und Laurie ist der Hörer erleichtert, wenn die Schwestern endlich ihre Bestimmung gefunden haben: „Life comes clear. The birds fly over the harbor“. © 2016 Opera Lounge





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