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Album Reviews



 
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Guido Krawinkel
Klassik heute, October 2020

Wer war Soghomon Gevorki Soghomonian? Selbst nannte er sich, der nach dem frühen Tod seiner Eltern in einem orthodoxen Kloster ausgebildet wurde und dort lange als Mönch lebte, Komitas Vardapet, nach einem gleichnamigen orthodoxen Kirchenoberhaupt, Hymnendichter und Musiker aus dem siebten Jahrhundert. Der Name klingt etwas geheimnisvoll und dürfte zudem nur wenigen Eingeweihten bekannt sein. Dabei wird er gemeinhin als Retter der armenischen Musik angesehen, die—auch bedingt durch den Völkermord an den Armeniern im osmanischen Reich—völlig daniederlag. Komitas hat sich an die Arbeit gemacht, die Volksmusik seines Landes zu sammeln, aufzuschreiben und damit für die Nachwelt zu überliefern. Zudem hat er ein umfangreiches, überwiegend liturgisch-vokales Schaffen hinterlassen. Das ist deutlich von der orthodoxen Kirchenmusiktradition geprägt, aber auch fest in der armenischen Volksmusik verwurzelt. Dennoch hat Komitas‘ Musik ein ganz eigenes Gepräge, mystisch-geheimnisvoll mutet es zuweilen an, aber auch irdisch, volksverbunden und in jedem Fall authentisch und einzigartig.

Mystisch und feierlich

Der Latvian Radio Choir hat nun unter der Leitung von Sigvards Klava die Göttliche Liturgie aufgenommen, eine rund 80minütige Vertonung der feierlichen orthodoxen Liturgie, rein a capella und mit höchst feierlichem Duktus. Das klangliche Ergebnis ist mehr als eindrucksvoll. Nicht nur die vokale Wucht, die der lettische Radiochor entfaltet, ist enorm. Auch alle anderen chorischen Parameter beherrschen die Sängerinnen und Sänger dieses Profichores in Vollendung. Zart schmelzende Frauenstimmen, sonore Tiefbässe, ein sahniger Gesamtklang, der die Erhabenheit der orthodoxen Liturgie ebenso würde- wie klangvoll vermittelt: hier stimmt einfach alles. Eine zutiefst ergreifende Aufnahme! © 2020 Klassik heute




Norbert Tischer
Pizzicato, August 2020

Delos veröffentlicht eine Konzertfassung der Heiligen Liturgie des armenischen Komponisten Komitas Vardapet (1869-1935). Der armenische Komponist Vache Sharafyan hat das ursprünglich für Männerchor komponierte Werk für gemischten Chor bearbeitet. Der Mehrwert dieser Bearbeitung ist auf Dauer nicht zu überhören, da die weiblichen Stimmen einen größeren Reichtum an Farben und damit an musikalischer Abwechslung bringen.

Komitas, Priester, Komponist und Ethno-Musikwissenschaftler, der selber ein Überlebender der Verfolgung der Armenier durch die Türken war (dabei kamen ja ca. 1,5 Millionen Menschen ums Leben), hat mit seiner Musik dem armenischen Volk eine musikalische Identität gegeben. Besonders deutlich wird das wohl mit dieser Heiligen Liturgie, an der Komitas ab dem Jahre 1892 arbeitete. Es gibt mehrere Versionen davon, die letzte, die für diese Aufnahme benutzt wurde, stammt aus den Jahren 1914-15, wurde also kurz vor Komitas’ Deportation in ein Gefangenenlager der Türken fertiggestellt.

Vache Sharafyans Arrangement folgt so genau wie möglich der ursprünglichen Fassung mit Männerchor, wobei die Frauenstimmen der Musik zusätzliche Farbe und auch mehr Helligkeit verleihen. Das Projekt wurde drei Jahre lang vorbereitet. Am 20. September 2019 führte der Chor des Lettischen Rundfunks unter der Leitung seines künstlerischen Leiters Sigvards Klava die Liturgie in der Johanniskirche in Riga auf. Diese Aufnahme fand in den drei Tagen nach dieser Aufführung statt.

Die Heilige Liturgie ist ja die Feier der Eucharistie in den orthodoxen und den katholischen Kirchen des byzantinischen Ritus. Ihr Gegenstück in der römisch-katholischen Kirche ist die heilige Messe. Komitas folgt dem Ritus und hat seine Liturgie in 31 Nummern aufgeteilt.

Die Darbietungen des Lettischen Radiochors sind, wie gewohnt, hervorragend.

Der Chor singt mit großer Sprachgewandtheit und Autorität und kann mit Ausgewogenheit, makelloser Intonation und technischer Perfektion einen Klang von großer Schönheit hervorbringen. Unter Klavas Leitung zeigen die Sänger ein gutes Gespür für die geistige Dimension und die Ernsthaftigkeit der Musik.

Die Tonaufnahme ist tadellos, und das Booklet enthält den gesamten armenischen Text der Liturgie, eine Transliteration ins lateinische Alphabet sowie die englische Übersetzung. © 2020 Pizzicato





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