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Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, August 2016

Wie eine Schwalbe übers Meer der Liebe entgegen. Und wenn‘s nicht passt, setzt die Schwalbe ihren Flug fort.

Jetzt ist die Rolando Villazon Produktion der „Schwalbe“, aufgenommen 2015 in der Deutschen Oper Berlin, in einer verfilmten Version erhältlich. Die charmant romantische italienische „Operette“ „La Rondine“ als Mittelding aus Salonstück und großer Liebesgeschichte ist ja allemal musikalisch jeden Versuch wert, auf die Bühne gebracht zu werden. Vor allem dann, wenn—wie in der Deutschen Oper Berlin—eine herausragende Besetzung zur Verfügung steht, die nicht nur ganz großartig singt, sondern auch optisch hollywoodreif ist. Vor allem die Magda der Dinara Alieva macht alleine schon die Sache wert. Ausgestattet mit einer dunkel-slawischen luxuriösen Mittellage und einer wunderbar gedeckten Höhe, singt Frau Alieva mit schwärmerischem Ton und der richtigen Portion an Exaltiertheit diese Frau, der die Liebe eine Sache der spontanen Selbstbezogenheit und (berechnenden) Laune ist. Ihr seidenweicher lyrischer Sopran klingt wie aus einem Guß, und ist vibratoarm ohne Bruch geführt. Kein Wunder, dass auch Monserrat Caballé in höchsten Tönen von dieser Stimme schwärmt. Ihr zur Seite Charles Castronovo als medtiterraner Lover Ruggero, der allerdings im Moment, wo es ans Heiraten gehen soll, einen Laufpass bekommt. Sein Tenor ist im Laufe der Jahre dunkler und wohl auch dramatischer geworden. Die Stimme ist in den unteren Lagen gut fokussiert und breit geführt. In der Höhe fehlt es allerdings im Vergleich etwa zu Joseph Calleja, der diese Rolle auch in Berlin gesungen hat, an Leichtigkeit und Leuchtkraft. Insgesamt dennoch eine überzeigende Leistung. Als zankendes Buffopaar agieren Alvaro Zambrano (Prunier) und Alexandra Hutton (Lisette) comme il faut, wie es sich halt für zwei Künstler, einem Poeten und einer angehenden Sängerin so geziemt. Auch die Rollen des reichen Bankiers Rambaldo (Stephen Bronk) und der drei Freundinnen Magdas, Yvette, Bianca und Suzy (Siobhan Stagg, Elbenita Kajtazi und Stephanie Lauricella) sind ansprechend besetzt.

Also alles paletti? Die in den 20-er Jahren angesiedelte Inszenierung spielt mit Versatzstücken des Surrealismus, des magische Realismus. Mit diesen oberflächlichen Bildern erreicht Regisseur Rolando Villazon allerdings nicht, wie gewollt, „Ecken und Kanten und Fragezeichen“ zu schaffen, um die wenig dramatische Personenentwicklung und Durchschlagkraft aufzupäppeln. Vielmehr versenken Bühnenbild und Kostüme (Johannes Leiacker, Brigitte Reiffenstuel) das Bühnengeschehen in einem optischen Kitsch und billige Klischees sondergleichen. Verstörend ist dazu die statische Personenregie, die des öfteren mit „eingefrorenen Bildern“ noch mehr zu einem insgesamt zähen Ablauf beiträgt. Während das erste Liebespaar singt, stehen die anderen unbeholfen und hölzern herum. Dagegen ist ja Franco Zefirelli in seinen Ensembles ein Wunder an Personenführung und Regietheater. Ärgerlich ist zudem, dass trotz des Blu-ray Formats nur eine mittelmäßige Bildqualität geliefert wird, und die äußerst biedere und konventionelle Film- und Videoregie keinen eigenständigen optischen Mehrwert bringt. Im Theater hat das vergleichsweise besser ausgesehen.

Dirigent Roberto Rizzi Brignoli leitet das Orchester und den Chor der Deutschen Oper verlässlich. Die instrumentalen Finessen und rhythmisch-dynamischen Raffinements, wie sie etwa Antonio Pappano in der legendären Einspielung mit Angela Gheorghiu und Roberto Alagna so eindrucksvoll erarbeitet hat, bleibt Brignoli schuldig. Fazit: Eine dank der exzellenten sängerischen Leistungen ansprechende Veröffentlichung. In Anbetracht der künstlerischen Defizite der Produktion hätte es eine CD-Publikation allerdings auch getan. © 2016 Online Merker





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