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Album Reviews



 
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Manuel Ribeiro
Pizzicato, December 2016

Die Verpflichtung der französischen Sängerin Annick Massis für die Rolle der Manon war eine exzellente Entscheidung. Auch wenn Massis als reife Frau der Rolle nicht unbedingt entspricht, ist sie stimmlich absolut auf der Höhe. Mit viel Charme, einer exzellenten Aussprache und vokalem Raffinement führt sie uns durch diese tragische Geschichte eines naiven jungen Mädchens, das von der perfekten Liebe träumt. Auch schauspielerisch hat sie die Figur voll im Griff.

Etwas unpassend ist jedoch Alessandro Liberatore, der trotz seiner schönen und hellen italienischen Tenorstimme mit seiner Aussprache eher fehl am Platz ist. Überzeugend sind jedoch Pierre Doyen als Manons Bruder sowie Roger Joakim als Comte des Grieux.

Auch wenn das Orchester unter dem Dirigenten Patrick Davin recht leidenschaftlich musiziert, verhindert der trockene Klang aus den Orchestergraben, dass die Musik Massenets in der nötigen Klangfülle aufblüht. Und damit nicht genug, auch der Bildschnitt der Aufnahme erweist sich als nicht besonders gekonnt. Kameras bewegen sich ab und zu allzu nervös, während gewisse Szenen in einem uninteressanten Winkel gezeigt werden. Wichtige Elemente wie Körpersprache der Protagonisten oder subtile Geschehnisse auf der Bühne bleiben uns leider verborgen.

Die Oper Manon, nach dem zu seiner Zeit als skandalös angesehenen Roman von Abbé Prévost, wird uns vom Regisseur di Pralafera in einer traditionellen Inszenierung gezeigt. Originell ist die Idee, das Werk wie eine Retrospektive von Manons Leben zu erzählen.

Fazit: Diese Produktion von Massenets Manon ist hauptsächlich wegen Annick Massis und der liebevollen Regie interessant. Bildschnitt und Klang sind eher dürftig. © 2016 Pizzicato



Rolf Fath
Opera Lounge, September 2016

In Liège, in der sehr hübschen, vor wenigen Jahren restaurierten und sanierten Opéra Royal de Wallonie, wird Massenets Manonals liebeswerter historischer Bilderbogen präsentiert als blättere Bühnenbildner Jean-Guy Lecat den Bestseller von Antoine François d’ Exiles, kurz Abbé Prévost, die Histoire de chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut, als nostalgisches Kinderbuch auf. Entsprechend bevorzugt der inszenierende Chef des Hauses mit dem attraktiven Namen Stefano Mazzonis di Pralafera ein fast durchgehend historisch anmutendes altmodisches Opernspiel, das er indes geschickt durchbricht, indem er uns und die ebenso staunende Manon, der eine Doppelgängerin zur Seite gegeben wurde, auf die hübschen gemalten Veduten und Szenen durch einen Schleier blicken lässt und bereits während des kurzen Préludes das Ende der bittersüßen Liebesgeschichte in Le Havre anreißt. Frédéric Pineau schien bei den Kostümen etwas wahllos durch den Fundus gegangen zu sein und nach allem zwischen 1900 und Gegenwart bis hin zu Manons giftgelben Cruella de Vil-Pelz—gegriffen zu haben. Diese Inszenierung, die im Herbst 2014 ihre Première erlebte, mag im historischen Ambiente des Königlichen Wallonischen Opernhauses reizvoller gewirkt haben als nun auf DVD ( Dynamic 2 DVD 37751), wo die Bilder etwas flach und das Treiben ein wenig kleinpuzzelig operettennah anmuten. Durch eine Kameraführung, die sich immer wieder Blicke in die Seitenbühne erlaubt und neue Perspektiven einnimmt, wird der Guckkasten durchbrochen und das Geschehen—was nicht ohne Reiz ist—dezidiert als Theaterspiel mit sichtbaren Bühnentechniker gezeigt.

Aber die Aufnahme hat vor allem den Zweck, uns Annick Massis als Manon erleben zu lassen. Und das lohnt sich. Klar, Massis, eine reife Frau, die das Püppchen gibt, entspricht rein figürlich nicht der Vorstellung der lockenden Kindfrau, die sie anfangs als aufsässiges Schulmädchen gibt und der sie die lockende Ancien-Régime-Koketterie schuldig bleibt; doch sie ist stimmlich eine Idealbesetzung. Gleich mit ihrem Auftritt „Je suis encor tout étourdie“ entfaltet sie den flirrenden Charme dieser Musik, ihren melodiösen Pointilismus und den Reiz der sprechsingenden Leichtigkeit, was sie „Voyons Manon, plus de chimères“ auf bestrickende Weise mit einer im Piano breiten Palette an Farben fortspinnt. Massis bietet stimmlich ein komplettes Porträt der Manon, die Massenet musikalisch so liebevoll und verschwenderisch charakterisierte: „Wie herrlich muss es sein, sich sein ganzes Leben zu vergnügen“. Massis ist auch nicht wirklich der Typ Frau, die nach der Flucht nach Paris in der kleinen Wohnung in der Rue Vivienne die Hausfrau spielt. Wie auch immer, der Regisseur, der sie mit schulterlangem Blondhaar und zeitlos Schwarzem auftreten ließ, war ihr keine große Hilfe, aber welche stimmliche Allüre, welch ein Schimmer in „Adieu, notre petite table“, welche Präsenz in den kleinen Noten, welche impeccable Diktion, welche feine Linien und sicher gestochenen Koloraturen in der Gavotte („Je marche sur tous les chemins“), welch schöne Mittellage und Dramatik. Das ist hörenswert. Da sollten doch unbedingt noch, bevor es bald zu spät sein wird, eine Thais oder weitere Herausforderungen kommen. Mit seiner breiigen, italienisch offenen Diktion kann ihr Alessandro Liberatore nicht das Wasser reichen, doch sein Des Grieux à la Rodolfo ist nicht verkehrt und vielfach, wie in „En ferment les yeux“, scheint die stilistische Sorgfalt der Aufführung auf ihn abzufärben, wobei ihn die Dramatik in „Fuyez douce image“ an Grenzen bringt. Pierre Doyen ist ausgezeichnet und zeigt als jugendlich fescher Lescaut, dass Manons Bruder mehr als nur eine Nebenrolle sein kann; auch die Übrigen—der etwas zu leichte Roger Joakim als Comte des Grieux und Patrick als De Brétigny—kultivieren alle Vorzüge einer idiomatisch gesungenen Aufführung, die von Patrick Davin mit Autorität und Passion geleitet wird. © 2016 Opera lounge





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