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Marcus Budwitius
Opera Lounge, January 2018

VINCI, L.: Partenope (La) (Auditorio y Centro de Congresos Víctor Villegas, 2011) (NTSC) DYN-33686
ROSSINI, G.: Armida [Opera] (Opera Vlaanderen, 2015) (NTSC) DYN-37763

Leonardo Vinci (1690–1730) hat seit der Einspielung von „Artaserse“ auf CD und DVD mit fünf Countertenören (Jaroussky, Cencic, Fagioli, Barna-Sabadus und Mynenko) durch Virgin Classis (2012) bei einem breiteren Barockopernpublikum wieder einen Namen. Das italienische Label Dynamic ist bekannt dafür, Raritäten bei Aufführungen auf Festivals in Italien und auch mal anderswo aufzuspüren und hat zwei Opern-Produktionen von Vinci im Angebot, die ebenfalls sowohl auf CD als auch auf DVD vorliegen. Partenope wurde 2011 im spanischen Murcia aufgezeichnet, die Uraufführung erfolge 1725 als La Rosmira Fedele in Venedig, die Titelrolle sang Faustina Bordoni. Partenope ist eine mythologische Figur (als Sirene soll sie sowohl Odysseus als auch die Argonauten vergeblich gelockt haben) und gilt als Gründerin Neapels, denn dort soll ihre Leiche angeschwemmt worden sein, nachdem sie sich aus Verzweiflung ins Meer gestürzt hatte. Vinci arbeitete offensichtlich unter Zeitdruck, er nahm das Partenope-Libretto von Silvio Stampiglia, das 1722 von Domenico Sarro vertont worden war (und das auch Händel 1730 verwendete und Vivaldi 1738 wiederum als „Rosmira Fedele“ vertonte) und passte es teilweise an bereits von ihm komponierte Musik an, von Sarro kopierte er fast alle Rezitative, einen Chor und zwei Märsche sowie 3 Intermezzos, dazu komponierte Vinci aber auch Originalbeiträge und fertig war die treue Rosmira, Händel verwendete noch im gleichen Jahr für sein Pasticcio „L’Elpidia“ sieben Arien daraus. Diese Oper handelt von Liebeswirren, Eifersucht und Mißverständnissen: Rosmira liebt Arsace, der zusammen mit Armindo und Emilio um Partenope konkurriert. Rosmira verkleidet sich als Mann, um als Eurimene Arsace nahe zu sein. Letztendlich finden die richtigen Paare zueinander und Freundschaft befriedet die Rivalen. Das Libretto hat zusätzlich zwei komische Figuren, die nicht zur Handlung gehören, sondern sie parodistisch kommentieren und deshalb in drei Intermezzos auftreten, die in dieser Produktion zu Beginn noch vor der Sinfonia sowie am Ende des 1. und 2. Akts positioniert wurden und in Spanisch gesprochen werden. Regisseur Gustavo Tambascio erzählt wenig und bleibt eng an der Handlung. Er arrangiert Partenope in barockem Ambiente, man zeigt gemalte Bühnenbilder (Ricardo Sánchez), man greift auf alte Bühnentechnik zurück, bspw. bei der Darstellung des Meeres durch hintereinandergestellte wellenförmig fixierte Leinwände, die gegeneinander nach rechts und links bewegt werden. Man sieht Kostüme (Jesús Ruiz), wie man sie aus alten Stichen kennt, die Sänger tragen bspw. Helme mit Federboa. Barockes Pathos entsprach einer kontrollierten Emotionalität, die Sänger und Tänzer arbeiten viel mit Gestik und Handbewegungen zum Verdeutlichen der Emotionen und der Situation. Man könnte diese Inszenierung als assoziativ semi-historisierende Produktion bezeichnen, live war es wahrscheinlich reizvoller als in der Konserve, aber wer bspw. die nur von Kerzenlicht beleuchteten, historisierenden Inszenierungen der belgischen Regisseurin und Choreographin Sigrid T’Hooft oder des Franzosen Benjamin Lazar gesehen hat, dem wird der Bühnenzauber bei dieser weniger konsequenten spanischen Produktion fehlen. Eine Besonderheit sind die von Sarro vertonten Intermezzi, die aufheitern sollen, aber hier nicht richtig funktionieren. Hätte man auf diese Szenen verzichtet, hätte man vielleicht weniger Authentizität in die Produktion, aber mehr Stringenz in die eigentliche Oper bringen können, bei der man vermuten kann, daß einige Striche angebracht wurden. Das Beiheft gibt über die Umsetzung keine wesentliche Auskunft. In Murcia kamen keine Countertenöre zum Einsatz, das Stimmklangbild ist dennoch gut zusammengestellt. Die Rosmira von Maria Grazia Schiavo ist lieblich, ihre Stimme hell und warm, ein wenig fehlt ihr das Feuerwerk, immerhin wurde die Rolle für die Bordoni geschrieben. Sonia Prina als herrische Partenope hat Charisma, ihr Timbre kommt aber hier nicht immer zur Geltung, manchmal wirkt ihre Stimme zu schwer. Dem Arsace von Maria Ercolato fehlt ein wenig das Schillernde, Eufemia Tufano als Emilio (dessen Trompetenarie „Forti schiere, vicino è il cimento“ am Ende des 1. Akts besonders effektvoll ist) könnte charismatischer sein und Stefano Ferraris als Armindo hatten wohl einen schlechten Tag, zu matt und trüb klingen manche Passagen, die Liebesbezeugungen überzeugen nicht. Dirigent Antonio Florio und sein 1987 gegründetes Ensemble I Turchini sind auf der Habenseite der Produktion, ein flüssiges, frisches Musizieren, warum das Continuo ohne Laute und dafür mit Harfe besetzt ist, erschließt sich allerdings ebenfalls nicht aus dem Beiheft.

Didone abbandonata ist eines der erfolgreichsten Librettos von Metastasio und eines von dreien mit einem tragischen Ende. Vinci vertonte es 1726. Die vorliegende Aufnahme aus Florenz entstand im Januar 2017 und arbeitet mit sparsamen Mitteln. Die Inszenierung bemüht sich gar nicht erst um Originalität und setzt ebenfalls auf Assoziation. Die Bühne (Gabriele Vanzini) ist sehr schmal und karg und zeigt eine Treppe und ein Metallgestell, das mit Stoff bedeckt werden kann, man arbeitet mit farbigen Lichteffekten und Schattenspielprojektionen. Die Kostüme (Monica Iacuzzo) sollen ein wenig charakterisieren: Didone ist leuchtendem Rot, Enea trägt einen antik-römischen Brustpanzer, Jarba ist getarnt mit teilgeschwärztem Gesicht. Die Produktion und die Regie von Deda Cristina Colonna erinnern an einen Inszenierungsstil, wie man ihn bei Barockproduktionen vor ca. 30 Jahren pflegte. Erzählt werden einfache Figurenkonstellationen, Spannungsbögen werden nicht szenisch gebaut, es entwickelt sich keine Dynamik, beim Anschauen erlebt man kaum Inspirierendes. Die Sänger sind ordentlich, vor allem die Titelfigur hat Charisma. Als Didone hört man Roberta Mameli, die stimmlich und darstellerisch eine starke Figur im Zwiespalt darstellt. Carlo Allemano singt viel Barockes zwischen Monteverdi und Mozart, als Enea wirkt er ungelenk und schwerfällig, er leidet unter der lediglich assoziativ arrangierenden Personenführung. Countenor Raffaele Pé als Iarba überzeugt mit schöner Stimmführung. Der Sopran von Gabriella Costa (Selene), die Mezzosoprane von Marta Pluda (Araspe) und Giada Frasconi (Osmida) ergänzen in den kleineren Rollen gut. Carlo Ipata dirigiert das Orchester des Maggio Musicale Fiorentino ohne Funken zu schlagen, der Klang ist ohne federnde Eleganz, die Dynamik ist zu eng begrenzt. Auch hier ist das Beiheft wenig interessant. © 2018 Opera Lounge





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