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Ingrid Wanja
Opera Lounge, June 2016

Viel Mühe aufgewandt hat die Opéra Royal de Wallonie, um Rossinis Buffa La Gazzetta dem Vergessen zu entreißen, was allerdings nicht für Teile der Musik zutrifft, die der Komponist auch in anderen seiner Werke einsetzte. Es geht um eine der damals beliebten Verwechslungs- und Verkleidungskomödien, deren Anlass das Zeitungs-Inserat des törichten Don Pomponio ist, der seine Tochter Lisette, deren Herz bereits vergeben ist, zum Heiraten anbietet. Dass man sich im Verlauf der Handlung als Türken verkleidet, ist auch nichts besonders Originelles, so wenig wie der Schluss, an dem die richtigen Paare zueinander finden und die Geprellten sich in ihr Schicksal fügen.

Ein so zweckmäßiges wie phantasievolles Bühnenbild hat Jean-Guy Leca entworfen, die Front eines Pariser Hotels, die sich in den Bühnenhimmel heben lässt und den Blick frei gibt auf die Hotelhalle, in der es aber auch alles gibt, was zu einer solchen gehört, einschließlich eines doppelten gläsernen Fahrstuhls, in dem die Liebenden hoch symbolisch aneinander vorbeifahren können. Über den Fernsehschirm flimmern Bilder aus der jüngsten Geschichte, und dass man mit der Handlung in der Gegenwart angekommen ist, kann man daran merken, dass es keinen einzigen Koffer für die Reisenden, sondern ausschließlich Trolleys gibt. Auch die Gazzetta des Titels ist hier ein Laptop, von dem man die neuesten Nachrichten abliest. Fernand Ruiz hat die Personen in kunterbunte, leicht karikierende Kostüme gesteckt, Regisseur Stefano Mazzonis Di Pralafera sorgt für viel Situationskomik., setzt sogar zwei Kanonen für ein Duell ein, auch wenn nur mit Stoffbällen geschossen wird. Das Stück wurde für Neapel komponiert, das Libretto war im dortigen Dialekt verfasst, während man in Liege Hochitalienisch singt. Dirigent Jan Schultsz legt auf rasante Tempi, ganz besonders in den Ensembles, wert und steuert in schönem Sichsteigern auf die beiden Finali des Zweiakters hin. Wohl auf ihn ist es zurückzuführen, dass als komische Einlage Bruchstücke berühmter klassischer Musikwerke ertönen.

Etwas ungewöhnlich ist die Rollenverteilung, wenn der Tenor mit dem zweiten Sopran, der kaum etwas zu singen hat, verbandelt wird, während die tiefe Männerstimme dem ersten Liebhaber und damit dem Gefährten des ersten, mit mehreren Arien bedachten Soprans zugeordnet wird. Der Tenor Edgardo Rocha, ein angenehmer tenore di grazia, singt seine beiden Arien höhensicher, mit gar nicht trockenem Timbre und mit schöner Geschmeidigkeit. Bassbariton Laurent Kubla singt mit etwas dröger Stimme den vermeidlichen Rivalen Filippo, Enrico Marabelli mit im Verlauf der Vorstellung immer präsenter werdender Stimme und urkomischem Spiel den eitel-dümmlichen Don Pomponio. Julie Bailly ist die niedliche, leider mit wenig Musik bedachte Doralice, Monica Minarelli mit leichtem Mezzo die hilfreiche Madama La Rosa. Cinzia Forte singt die Lisette mit einem koloraturgewandten Sopran der leichten Emission, auch in der Extremhöhe ohne jede Schärfe. So aufgeführt macht auch ein harmloses, mit Klischees beladenes Werklein viel Spaß beim Zuschauen und—hören. Im Frühjahr 2017 wird die Produktion in Israel zu erleben sein. © 2016 Opera Lounge





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