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Album Reviews



 
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Remy Franck
Pizzicato, January 2017

London im Jahr 1601: Elizabeth I, Königin von England, will ihren heimlichen Geliebten, Robert Devereux, retten und das wegen Verrats gefällte Todesurteil nicht unterschreiben. Doch Roberto liebt auch Sara, die Frau des Herzogs von Nottingham. Das kostet ihn schließlich das Leben. Elizabeth bricht zusammen, sie fühlt sich für die Hinrichtung Roberts verantwortlich und dankt ab (was geschichtlich falsch ist, Elisabeth, die Tochter von Heinrich VIII. und das fünfte und letzte Mitglied der Tudor-Dynastie auf dem englischen Thron, regierte bis zu ihrem Tod im Jahre 1603).

Die Produktion aus Genua hat ein minimalistisches Bühnenbild und spielt meistens vor dunklem Hintergrund, auf dem die opulenten und geschichtlich passenden Kleider gut zur Geltung kommen.

Die Elisabetta wird von der mit ihren 68 Jahren immer noch beeindruckenden Mariella Devia gesungen. Sie ist mithin nur ein Jahr älter als die Königin zum Zeitpunkt der Handlung. Und was sie in dieser Aufführung bietet, ist wahrhaft königlich. Nicht, dass ihre Stimme außergewöhnlich gut wäre, aber sie hat Technik und klingt trotz einiger gequetschter Töne noch recht gut, sie hat aber vor allem ein stilistisches Gespür und ein darstellerisches Talent, das ihren Gesang rollendeckend werden lässt.

Die Mezzosopranistin Sonia Ganassi (sicher etwas zu reif für die Rolle) singt die Sara sehr lyrisch und einfühlsam, während der rumänische Tenor Stefan Pop etwas unausgeglichen wirkt, mit guten Momenten und anderen, wo die Stimme nur noch angestrengt klingt.

In der Rolle des Nottingham hingegen überzeugt der koreanische Bariton Mansoo Kim mit seiner klangvollen und wirklich schönen Stimme und bester Technik. Im Orchester bieten Francesco Lancillotto und das Orchester Dienst nach Noten.

Und so ist diese Produktion sicher nicht die beste, die auf Video verfügbar ist. Aber gegenüber der Inszenierung von Christof Loy aus der Bayerischen Staatsoper mit der Gruberova und einer insgesamt besseren Besetzung hat sie den Vorteil einer historisch getreueren Inszenierung. © 2017 Pizzicato



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, January 2017

Mariella Devia war zeitlebens ein geschätzter lyrischer Sopran, hat lange an der MET gesungen, bei vielen Festivals geglänzt und in den letzten 10 Jahren den Sprung ins dramatische Belcanto-Fach gewagt. Und das mit umwerfendem Erfolg. Norma (Rollendebut 2013) und die Donizetti „Tudor Opern“ Maria Stuarda, Anna Bolena und Elisabetta in Roberto Devereux sind nicht nur zum Markenzeichen von Mariella Devia geworden, sondern haben diese außerordentliche Sängerin jetzt im Spätsommer ihrer Karriere endgültig zur umjubelten Primadonna werden lassen.

Elisabetta in Roberto Devereux: Carnegie Hall 2014 (Rollendebüt), Madrid Teatro Real 2015 (DVD BelAir), Teatro Felice in Genua 2016 (Blu-ray Dynamik), Stationen des Belcanto-Wunders Devia, das dank medialer Aufmerksamkeit nun auch schon in zwei Versionen als Filmmitschnitt erhältlich ist.

In Genua hat Regisseur Alfonso Antoniozzi rund um die Diva des Abends einen simplen, aber wirkungsvollen Rahmen gebaut: Eine fünfstufige Bretterpawlatschen in der Mitte der Bühne mit wenigen Requisiten (Thron, Kandelaber, Vogelkäfig als Gefängnis), sechs Mimen und üppigen historischen Kostümen (Gianluca Falaschi) genügen, um das Liebesdrama zweier Frauen (Elisabeth und Sara) um Roberto Devereux plastisch erstehen zu lassen. Nach der Hinrichtung Robertos wegen Hochverrats verkündet Elisabetta den Thronverzicht, übergibt die Insignien ihrer Macht an ihren Neffen James, König von Schottland.

Mariella Devia kann in dieser genuesischen Produktion all ihre Trümpfe beeindruckend ausspielen. Ihre Stimme, die keinerlei Ermüdungserscheinung zeigt, aber auch nicht warm ist wie diejenige der wohl besten Elisabetta auf Tonträgern, nämlich Leyla Gencer (Neapel 1964), wartet dennoch mit einem Füllhorn an kräftigen Primärfarben, berauschend schönen Kuppeltönen und exakt und prägnant gesungenen Verzierungen auf. Herb und herrisch wie eine Infantin auf einem Gemälde von Velazquez, kann der Zuseher nicht nur staunen, wie Belcanto stilistisch einwandfrei zu singen ist, und zwar ohne Wenn und Aber (es gibt keinen einzigen Schleifer, nicht eine einzige Intonationstrübung), sondern auch an den Zügen der alternden Königin den aussichtslosen Kampf um die Liebe eines jüngeren Mannes ablesen. Das berühmte Finale der Oper „Alma rea! Spietato core!“ und die Cavatine „Vivi, ingrato“ geraten zur vokalen Apotheose, ein Trumpf der Gattung Oper allein dank des stimmlichen Raffinements der ligurischen Sängerin.

Von Beverly Sills wurde die Rolle der Elisabetta als mörderisch bezeichnet und das ist sie wohl auch. Sie verlangt nicht nur alle Attribute eines leicht-verzierten Belcanto Gesangs, sondern auch dramatische Sprünge sondergleichen, also leichtgehende Höhen und eine massiv ausladende untere Lage. Devia wartet aber auch mit einer klugen Darstellung auf, die ohne zu outrieren oder der Stimme Groteskes abzutrotzen, einen modernen und humanen Charakter sowie eine greifbare Persönlichkeit wachsen lassen, psychologisch klar umrissen, königlich und vokal beherrscht bis zuletzt. Ob Umgarnen, Wut oder verletzte Resignation, alles dient der Oper und der Rolle. Der umglaubliche Jubel am Ende der Aufführung bestätigt das seltene Niveau dieser historischen Rolleninterpretation.

Das Orchester und der Chor des Teatro Carlo Felice unter der Leitung von Francesco Lanzillotta haben nichts falsch gemacht, begeistern aber auch nicht sonderlich. Genauso verhält es sich für mich mit den Interpreten der anderen Partien. Die brave, etwas blasse Sara der Sonia Ganassi, der heldisch auftrumpfende, zu sehr brüllende Roberto Devereux des Stefan Pop, Allessandro Fantoni als Lord Cecil und Claudio Ottino als Sir Gualtiero Raleigh bleiben nicht nur wegen der teils zugegeben wenig dankbaren Rollen in der zweiten Reihe. Nur der Koreaner Mansoo Kim als gehörnter Nottingham erreicht mit edlem dunkel timbriertem Bariton und einer ausdruckssatten Interpretation die Klasse der Devia.

Die technische Qualität des Mitschnitts ist zufriedenstellend, keineswegs brillant, die Kameraführung beim Schlussvorhang ziemlich grotesk, weil nur noch die dunklen Hinterköpfe des standig ovations spendenden Publikums zu sehen sind.

Fazit: Ein wichtiges Dokument einer großen, einzigartigen Gesangsleistung, die sich alle Liebhaber des Belcanto auf keinen Fall entgehen lassen sollten. Alternativ sind auch die diversen Rolleninterpretationen der Elisabetta durch Beverly Sills, Leyla Gencer, Monserrat Caballé oder Edita Gruberova zu empfehlen. © 2017 Online Merker



Ingrid Wanja
Opera Lounge, December 2016

Als nicht besonders hilfreich für die Sänger erweist sich das Regieteam für Donizettis Roberto Devereux am Teatro Carlo Felice in Genua mit einer stark stilisierten, ganz in Schwarz gehaltenen Bühne (Szene Monica Manganelli) mit einem Podium und darauf mal ein Thron, mal ein Turm für den unglücklichen Titelhelden, denn die Solisten werden weitgehend sich selbst überlassen, mehr Aufmerksamkeit als ihnen einer Gruppe von Mimi zugewandt. Diese lässt Regisseur Alfonso Antoniozzi bereits zur Sinfonia ihr Unwesen treiben, mit einem Narren als Mittelpunkt auf dem Thron lümmelnd, während die übrigen vier mit Maske, Halskrause und Brustharnisch ausgestattet sind (Kostüme Gianluca Falaschi) und sich optisch zwanglos in den Chor eingliedern. Wie meistens in Italien ist die Bühne ästhetisch hoch befriedigend gestaltet, während man den Sängern wie auch bei dieser Produktion nicht mehr als inzwischen doch recht lächerlich wirkende Standardgesten abverlangt. Werden diese gar noch wie hier dem mit einem Koreaner besetzten Nottingham aufgezwungen, dann wird es richtig peinlich, besonders wenn für die Herren noch äußerst voluminöse Röcke dazu kommen, unter denen ähnlich aufgebauschte Pluderhosen die Figuren zu schönen, aber unbeweglichen Teepuppen werden lassen. Wenn es symbolisch werden soll wie mit der Endlosschleppe der Königin mit aufgemalter Europakarte, die sie schließlich und damit den Herrschaftsanspruch abwirft, dann wirkt das recht aufdringlich und wie für geistig Minderbemittelte bestimmt. Wie ganz anders war da weiland in Rom die Wirkung, wenn die Kabaivanska mit einem Ruck sich die rotblonde Perücke herunterriss und schütteres weißes Greisinnenhaar zum Vorschein kam. Hier erscheint die Königin bereits zum Anfang der letzten Szene als alte Frau.

Alles das würde provinziell wirken, wäre da nicht die wunderbare Mariella Devia, in Deutschland leider viel zu wenig bekannt, in Italien aber zu Recht als absolute Belcanto-Königin gehandelt und das seit Jahrzehnten, denn bei der Aufführung im März 2016 war die Diva bereits 67 Jahre alt und zeigt wie eh und je eine Sopranstimme unangestrengter Emission, sicherer Höhe, eine unerhörte Leichtigkeit in der Cabaletta nach einem jung und frisch klinegndem „L’amor suo“. Ihre Piani sind so zart wie farbig,, „un tenero core“ wird in der mezza voce durchgehalten und danach der Wutausbruch mit überraschendem Nachdruck gesungen, ohne dass die Devia je die vokale Facon verliert. Lediglich eine gewisse Schärfe in der Extremhöhe lässt manchmal irritiert aufhorchen. Zu der fast makellosen vokalen Leistung kommt eine so intensive Darstellung, dass man sich deren Faszination einfach nicht entziehen kannl.. Als ihre Rivalin Sara singt Sonia Ganassi weitgespannte, elegante Bögen, hat sie ein perfektes Legato und eine leuchtende Mezzohöhe. Das tenorale Objekt der Begierde, der unselige Roberto Devereux, ist bei Stefan Pop zwar in ungelenken darstellerischen Händen, der Sänger aber durchaus mit einer stilsicheren Donizettistimme begabt. In der Wiederholung der Cabaletta nach seiner großen Arie im Turm findet er zu interessanten Variationen. Mansoo Kim ist ein recht stoischer Nottingham, der zunächst einen dumpfen Beiklang in seinem Bariton hören lässt, aber zunehmend gewinnt die Stimme an Farbe und Nachdruck und “Forse in quel cor sensibile“ wird sehr schön und mit Empfindung gesungen. Francesco Lanzillotta kennt sich hörbar mit den orchestralen Forderungen des Belcanto aus und trägt diesen mit dem Orchester des Carlo Felice Rechnung.

Zu der seit Jahren vorhandenen Bewunderung für die vokale Leistung der Devia kommt nach dem Betrachten der Bluray nun die für eine außerordentliche darstellerische Intensität hinzu. Die Agenda der Künstlerin weist für die nächste Zeit vor allem Norma auf. © 2016 Opera Lounge





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