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Ingrid Wanja
Opera Lounge, December 2016

Wenigstens die scheußliche Gummi-Sex-Puppe und deren häufigen Gebrauch durch die Kreuzritter hätte Regisseurin Mariame Clément dem feinen alten Herrn am Dirigentenpult und auch dem Publikum bei ihrer Armida-Inszenierung an der Opera Vlaanderen ersparen können, aber die Damen aus der Regieriege scheinen ihre männlichen Kollegen wohl noch an ekelerregenden Absonderlichkeiten übertreffen zu wollen, um im Metier für voll genommen zu werden. Rossini-Experte Alberto Zedda lässt sich zum Glück nicht wahrnehmbar beirren in seinem wie von ihm gewohnt leidenschaftlichen Einsatz für seinen Hausgott. Ob ihm der durchgehende Gebrauch von Miniports gefällt, weiß man allerdings nicht. In einem Fußballstadion (Bühne und Kostüme Julia Hansen) findet die verlustreiche Reise nach Jerusalem statt, gefährdet von der Zauberin Armida, die der Rossini-Oper auch ihren Titel verleiht. Statt der sonst auf Bühnen üblichen Mauerschau findet nicht Darstellbares auf einem mit dem Rücken zum Publikum postierten Röhrenfernseher statt, der Chor trägt Mittelalterliches oder Sporttrikot, die Solisten manchmal Rüstungen, aber auch heutige Straßenanzüge, Schwert wie Maschinenpistole sind als Waffen zugelassen. Ein Geiger, der tot umfällt, und eine Witwe mit pokaltragendem Kind sind der Stoff für Rätselfreunde.

Rossini begeistert nur mit erstklassigen Interpreten, die man zwar in Antwerpen und Gent mit dem Dirigenten aufgeboten hat, aber sechs hochrangige Tenöre, hier allerdings nur vier, von denen zwei gleich zwei Partien bedienen müssen, sind kaum gleichzeitig zu finden, und Rossini mit eher schwachen Kräften ist eine ziemlich lahme Angelegenheit. Dario Schmunck ist eigentlich ein erfahrener Rossini-Sänger, aber als Goffredo klingt die Stimme reichlich flach, als Carlo im zweiten Teil nicht viel besser. Robert McPherson verkörpert den eifersüchtigen Gernando und den besorgten Ubaldo. Für Ersteren hat er einen recht schütter klingenden Tenor mit dünner Höhe, bisweilen jämmerlich klingendem Falsett, wesentlich besser ist er im 3. Akt als Ubaldo, und das Terzett der drei Tenöre wird spannend gestaltet. Auch optisch stattlicher als die beiden recht runden, bereits ergrauten Herren ist der Rinaldo von Enea Scala, der ein angenehmes Timbre, eine dunklere Mittellage und sichere Intervallsprünge einsetzen kann, manchen hohen Ton allerdings nur antippt statt auszusingen. Die beiden dunklen Partien des Idraote und Astarotte werden von Leonard Bernad etwas dumpf, im Ganzen aber zufriedenstellend dargeboten. Geschmeidig singt Adam Smith den Eustazio.

Eine optisch sehr attraktive Armida ist die schlanke, dunkelhaarige Carmen Romeu, die den Ratschlag der Kölner Oberbürgermeisterin, immer eine Armlänge Abstand zu Männern zu halten, mit Erfolg beherzigt und so dem Schicksal ihres Gummi-Puppen-Ebenbildes entgeht. Ihr Sopran klingt substanzreich, weich und rund und geläufig und trotzt allen virtuosen Herausforderungen, ganz besonders in ihrer großen Schlussszene. Ohne sie und natürlich Maestro Zedda hätte die Produktion nur provinzielles Niveau. © 2016 Opera Lounge





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