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Ingrid Wanja
Opera Lounge, June 2017

Mit einem eindrucksvollen Gag schließt die Inszenierung von Verdis Don Carlo im Teatro Reggio beim Verdi-Festival 2016 in Parma, wenn die riesige Grabtafel Karls V. auseinanderreißt und der Kaiser seinen Enkel zu sich in das Grab zieht. An diesem Schauplatz hatte die Oper auch begonnen, und in ihrem Verlauf heben und senken sich viele Marmorwände hinauf und herab, verleihen dem jeweiligen Schauplatz eine eisige Kälte, ermöglichen schnelle Szenenwechsel und scheinen im letzten Bild Elisabetta geradezu einzumauern. Dass es dazu auch noch, wenn auch sparsam, schneit, ist allerdings des Guten zu viel und keine gute Idee von Bühnenbildner Maurizio Balò, der sämtliche Angehörigen der Hofgesellschaft in Schwarz und das einfache Volk in Grau kleidet. Regisseur Cesare Lievi lässt das Werk unangetastet, erlaubt sich nur ein paar schüchterne und nicht immer glückliche Regieeinfälle. Stimmig ist die Handhabung von Kreuzen auch als Schwerter, weniger der gerade noch durch das Auftauchen Filippos verhinderte Kuss, den Carlo Elisabetta aufdrücken will.

Wohl nicht mehr so kritisch, wie es ihm nachgesagt wurde, ist das Publikum in Parma, denn die Besetzung ist recht unausgewogen, allerdings passen die beiden Sänger, die man nicht gerade als Verdi-Spezialisten durchgehen lassen möchte, dadurch zueinander, als sie beide zu leichte und zu helle Stimmen für ihre Partien haben . José Bros hat sich Verdienste als Donizetti-Sänger erworben, für den Carlo hat der Tenor nicht genug Farbe und Durchschlagskraft, welche nicht mit Grellheit zu verwechseln ist und auch nicht mit der Härte, die die Stimme stellenweise aufweist. In den Ensembles kann sie sich allerdings gut behaupten. Recht altjüngferlich wirkt die Elisabetta von Serena Farnocchia, das Timbre des Soprans klingt leicht säuerlich, die Stimme ist viel zu leicht und zu hell für die Partie und ist vor allem der Vanità-Arie nicht gewachsen.

Zurecht sehr beliebt in Italien ist der Bariton Vladimir Stoyanov, der einen wunderbar legatoreichen Tod des Rodrigo singt, dessen Timbre zwar nicht herausragend ist, der aber weiß, wie man Verdi darzubieten hat. Im Dialog mit Filippo singt er bei allem dramatischen Einsatz sehr sauber und alle auch kleinen Notenwerte, auch darstellerisch bietet er Feinheiten wie das etwas geringschätzige Lächeln bei Carlos „Amo!“. In jeder Hinsicht kann Michele Pertusi als Filippo imponieren: mit einer majestätischen Gestalt, einer wunderbaren dunklen Farbe des Basses, der sich von Mozart und Rossini ohne Qualitätsverluste zu Verdi entwickelt hat und der augenblicklich in Italien keine Konkurrenz zu fürchten hat. Angemessen rauer, ganz der Partie angemessen, ist die Stimme von Ievgen Orlov für den Gran Inquisitore, vollmundig kündet Simon Lim als Mönch von der Eitelkeit irdischen Seins. Optisch nunmehr doch sehr grenzwertig ist die Eboli von Marianne Cornetti, die kaum gehen kann, die vokal eher im Don fatal als im Schleierlied Meriten hat, deren an sich schöner Mezzosopran in der Höhe aber reichlich viel Vibrato hören lässt. Daniel Oren ist der erfahrene Kapellmeister im Orchestergraben und führt die heimischen Chor—und Orchesterkräfte sicher durch die Vorstellung © 2017 Opera Lounge





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